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Atelier Herbert Boeckl


Herbert Boeckl (1894 - 1966) zählt mit seinem vielfältigen Schaffen zu den Hauptver-tretern der österreichischen Moderne. Sein umfassendes Werk spannt einen Bogen von der Zeit des 1. Weltkriegs bis in die 1960er-Jahre. Neben Porträts, Landschaften, Aktfiguren und Stillleben schuf Boeckl eine Vielfalt von originären Motiven.

Über 30 Jahre seines Lebens arbeitete der Künstler in seinem Wiener Atelier in der Argentinierstraße, das heute zu den … Standorten des Belvedere zählt. Das Atelier präsentiert sich auch heute noch im Originalzustand –  Staffeleien, alte Farbtuben, Pinsel, Bücher und weitere Malutensilien sowie Einrichtungsgegenstände von Herbert Boeckl können hier nach Anmeldung besichtigt werden.

Die für den Künstler charakteristische Vehemenz und seine Kompromisslosigkeit führten zur Herausbildung einer eigenen Kunstform, die eine singuläre, individuelle Ästhetik verfolgt. Dynamik und Gestik sind dabei die wesentlichen Gestaltungselemente, die nicht nur das reiche malerische Werk, sondern auch die Vielzahl von Aquarellen und Zeichnungen charakterisieren, die Herbert Boeckl geschaffen hat. Das Thema Familie beschäftigte ihn bis 1945 immer wieder. Malend setzte er sich mit seinem und dem Leben seiner Familie auseinander. Nach 1945 malte der Künstler kein einziges Bildnis eines Familienmitglieds mehr, auch seine eigene Person nur mehr einmal im Jahr 1948. Auch im Spätwerk setzte Herbert Boeckl immer wieder neue künstlerische Akzente. Er rang sich zu einer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit dem Kubismus durch und schuf in jener Zeit monumentale Gemäldezyklen. Boeckls Ansichten über Kunst und Ästhetik prägten die österreichische Künstlergeneration nach 1945  nachhaltig.

Der Erhalt des Ateliers ist Marie-Cécile Boog, Künstlerin und Muse des Malers zu verdanken. Die Bildhauerin und Schülerin Fritz Wotrubas beließ nach Herbert Boeckls Tod alles im Originalzustand. Dank der Großzügigkeit des Hausbesitzers, Herrn Ing. Koch, war es dem Belvedere möglich, das Atelier weiterhin zu erhalten. Die Möbel und die Malutensilien wurden sorgfältig restauriert und geben einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeitswelt dieses bedeutenden Malers.

1894
Herbert Boeckl wird am 3. Juni als zweiter von vier Söhnen des Staatsgewerbeschul-Lehrers Leopold Böckl und seiner Frau Paula, geborene Münichsdorfer, in Klagenfurt geboren.

1904 bis 1912
Besuch des Klagenfurter Realgymnasiums und erste künstlerische Versuche im Kärntner Landesmuseum.

1912 bis 1915
Nach erfolgloser Bewerbung an der Wiener Kunstakademie studiert Boeckl an der Technischen Hochschule Architektur, arbeitet aber weiterhin an einer Laufbahn als Maler und beteiligt sich erstmals 1913 an einer Ausstellung im Wiener Kunstsalon Pisko.

1915 bis 1918
Kriegsdienst an der italienischen Front gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Bruno Grimschitz, dem späteren Kustos und Direktor der Österreichischen Galerie.

1918 bis 1931
Verpflichtung in einem Kommissionsvertrag auf Vorschuss mit dem Wiener Kunsthändler Gustav Nebehay. 1919 Heirat mit Maria Plahna, verschiedene Wohnsitze der rasch anwachsenden Familie in Kärnten (bis 1941 werden neun Kinder geboren).

1921 bis 1924
 
Studienreisen nach Berlin, Paris und Palermo.

1927
Erste Einzelausstellung innerhalb der Herbstausstellung der Wiener Secession mit 30 Ölbildern.

1928
Umzug nach Wien. Atelier in der Argentinierstraße, Wohnung zunächst in Perchtoldsdorf, ab 1937 in der Alliiertenstraße in Wien-Leopoldstadt.

1934
Professur an der Wiener Akademie der bildenden Künste, Spezieller Regierungskommissär Österreichs bei der Kunstausstellung der Weltausstellung in Brüssel, Reise nach London.

1935
Ernennung zum Präsidenten des Hofkriegsrates.

1937
Beteiligung an der „Exposition d’art Autrichien“ und Studienaufenthalt in Paris.

1938
In diesem Jahr wechselt der Maler die Schreibweise seines Namens von Böckl auf Boeckl und  signiert erstmals das Gemälde Gelber Steinbruch bei St. Margarethen mit „oe“. Ab nun unterschreibt er fast ausschließlich seine Bilder und Briefe in dieser Form.

1939
Boeckl verzichtet auf seine Meisterklasse an der Wiener Kunstakademie und lehrt fortan im „Abendakt“, einem verbindlichen Aktzeichenkurs für alle Akademiestudenten. Marginalisierung im offiziellen Kunstbetrieb.

1945
Nach der Befreiung Wiens Ernennung zum Rektor der Akademie der bildenden Künste (bis 1946), Berufung von Albert Paris Gütersloh und Fritz Wotruba als Professoren.

1946
Retrospektivausstellung an der Wiener Akademie der bildenden Künste.

1951
Studienreise nach Spanien, Beginn der Arbeiten an den Fresken der Engelkapelle in der steirischen Benediktinerabtei Seckau.

1955
Studienreise nach Griechenland.

1956
Präsident der Österreich-Sektion der Association internationale des arts plastiques der UNESCO, Teilnahme an deren erstem Kongress in Paris.

1959
Studienreise nach Ägypten.

1960
Gastgeber der dritten Konferenz der Association internationale des arts plastiques der UNESCO in Wien, Vollendung der Fresken in Seckau.

1962
Wahl zum Rektor der Akademie der bildenden Künste in Wien.

1964
Retrospektive im Wiener Museum des 20. Jahrhunderts. Boeckl erleidet am 29. Oktober einen Hirnschlag und bleibt bis zu seinem Tod ans Krankenbett gefesselt.

1966
Herbert Boeckl stirbt am 20. Jänner und wird in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt.