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Museum & Schloss



Die beiden Belvedere Schlösser wurden Anfang des 18. Jahrhunderts von dem berühmten Barockarchitekten Johann Lucas von Hildebrandt als Sommerresidenz für Prinz Eugen von Savoyen (1663 bis 1736) erbaut. Das Schlossensemble, bestehend aus dem Oberen und dem Unteren Belvedere und einem weitläufigen Garten, zählt zu den schönsten barocken Bauwerken Europas und gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. Heute beherbergt das Belvedere die bedeutendste Sammlung österreichischer Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, ergänzt durch Werke internationaler Künstler wie Claude Monet, Vincent van Gogh oder Max Beckmann. Höhepunkte der Sammlung Wien 1880 bis 1914 bilden die weltweit größte Gustav Klimt-Gemäldesammlung, darunter die bekannten goldenen Jugendstilikonen Kuss (Liebespaar) und Judith, sowie Arbeiten von Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Prominente Werke des französischen Impressionismus sowie die wichtigste Sammlung des Wiener Biedermeier gehören ebenfalls zu den Highlights des Museums, die im Oberen Belvedere zu sehen sind.

Im Unteren Belvedere und in der ehemaligen Orangerie werden hochkarätige Wechselausstellungen präsentiert. Der inhaltliche Schwerpunkt der Ausstellungsplanung liegt, wie schon 1903 im Gründungsauftrag des Belvedere (damals Moderne Galerie) definiert, auf der Präsentation österreichischer Kunst im internationalen Kontext. Neben Retrospektiven heimischer Künstler, deren Werk und Bedeutung wissenschaftlich aufgearbeitet werden, beleuchten große Themenausstellungen wesentliche Kunstströmungen und -epochen.

Einblicke in die Kunst des Mittelalters bietet das Schatzhaus Mittelalter, das 2007 als Schaudepot im ehemaligen Prunkstall für die Leibpferde des Prinzen Eugen eingerichtet wurde. Mit dieser Studiensammlung sind die gesamten Mittelalter-Bestände des Belvedere für die Öffentlichkeit zugänglich.


Oberes Belvedere, Nordseite

Oberes Belvedere

Der Plan zum Bau des Oberen Belvedere in seiner heutigen Form ersetzte die primäre Idee einer Gloriette „mit schönem Blick über die Stadt“. Die Bauarbeiten erfolgten von 1717 bis 1723. Das Obere Belvedere hatte zu Zeiten des Prinzen vornehmlich repräsentative Funktion und diente ab der zweiten Hälfte der 1770er-Jahre als kaiserliche Gemäldegalerie. Zu diesem Zweck wurden die Gemälde aus der Stallburg in das Obere Belvedere gebracht, wo sie der Öffentlichkeit zugänglich waren. Heute werden hier permanent Hauptwerke aus allen Bereichen der Belvedere Sammlung, vom Mittelalter bis in die Gegenwart, gezeigt.

Innenbereich
Unteres Belvedere

Unteres Belvedere

Die Bauarbeiten des Unteren Belvedere dauerten von 1712 bis 1716. Architekt war Johann Lucas von Hildebrandt, der für Prinz Eugen zahlreiche Bauten ausführte und neben Johann Bernhard Fischer von Erlach der bedeutendste österreichische Barockarchitekt war. Der Zugang führt am Rennweg durch das wappen- und initialengeschmückte Mitteltor in den Ehrenhof und von dort – ursprünglich – in den Marmorsaal. Die Funktion des Unteren Belvedere war die eines Wohnschlosses, während das Obere Belvedere vor allem repräsentativen Zwecken diente. Außerdem barg das Untere Belvedere Teile der Sammlungen des Prinzen.

Innenbereich
Research Center

Belvedere Research Center

Das Research Center für österreichische Kunst im Belvedere führt die klassischen Museumsaufgaben Sammeln, Bewahren und Forschen an einem Ort zusammen und erzielt damit neue Synergien. Die umfangreichen Bestände dokumentieren in einzigartiger Weise das österreichische Kunstschaffen vom 14. bis zum 21. Jahrhundert.

Benützerinnen und Benutzern des Research Centers stehen sowohl die Sammlungen als auch die Kompetenz der Mitarbeiter von Archiv, Bibliothek, Bildarchiv und Digitalem Belvedere zur Verfügung. Das in diesen Abteilungen gesammelte und wissenschaftlich aufbereitete Material ist weitgehend über Datenbanken zugänglich.


Orangerie

Die Orangerie war ursprünglich ein beheizbarer Wintergarten für Orangenbäume. Dadurch, dass die Südfassade und das Dach während der schönen Jahreszeit entfernt werden konnten, mussten die Pflanzen nicht mühsam herausgebracht werden, sondern konnten an Ort und Stelle verbleiben.
Abschlagbare, beheizbare Bauten zur Überwinterung empfindlicher Gewächse waren zwar schon seit dem 16. Jahrhundert in Italien wie auch in Deutschland bekannt, aber die Montage und Demontage war jeweils mit sehr großem Aufwand verbunden. Durch die Konstruktion der Eugenianischen Orangerie – einem Meisterwerk der Zimmermannskunst – konnte der Auf- und Abbau durch Schiebekonstruktionen und Ähnliches wesentlich vereinfacht werden.
 
Nach dem Tod des Prinzen Eugen und der Transferierung der Orangerie nach Schönbrunn wurde das Pomeranzenhaus umgebaut und als Stall benützt. 1805 wurde eine Zwischendecke eingezogen; darüber hinaus wurde das ursprüngliche Schiebedach ersetzt. Nach 1918 war ein Teil der Modernen Galerie, von 1953 bis 2007 das Museum mittelalterlicher Kunst in diesem Gebäude untergebracht. Die Architektin Susanne Zottl gestaltete 2007 in der Orangerie eine moderne Ausstellungshalle als White Cube.
 

Prunkstall

Der Prunkstall, in dem einst die Leibpferde des Prinzen untergebracht waren, wurde 2007 von den Berliner Architekten Kuehn Malvezzi als Studiensammlung adaptiert. Diese ergänzt die Dauerausstellung der gotischen Meisterwerke im Oberen Belvedere, sodass nun – mit Ausnahme von wenigen nicht ausstellbaren Objekten – die gesamte Sammlung öffentlich zugänglich ist. Das Schaudepot umfasst rund 150 Werke, vom romanischen Kruzifix über spätgotische Tafelbilder und Skulpturen bis hin zu einem Flügelaltar, der bereits in Renaissanceformen gestaltet ist. Prominente Meister wie Friedrich Pacher sind ebenso vertreten wie zahlreiche Werke anonymer Maler und Bildschnitzer. Der Prunkstall wird regelmäßig für Studienausstellungen genützt, die auf einzelne Objekte bzw. Ensembles fokussiert sind und sich den musealen Kernaufgaben der Restaurierung und Forschung widmen. In der Reihe Aktuell restauriert werden Werke aus der hauseigenen Sammlung präsentiert, wie z.B. das Wiener Weihnachtsrelief aus der Werkstatt Hans Klockers, die spätgotische Skulpturengruppe Anna Selbdritt des Meisters von Heiligenblut, der Abtenauer Altar von Andreas Lackner oder das Fastentuch-Fragment des Thomas von Villach.

Spitzhof

Einst war in diesem Gebäudeteil des Unteren Belvedere, direkt im Anschluss an die Stallungen des benachbarten großen Hofes, die Hufschmiede untergebracht. In den Grundrissplänen von Salomon Kleiner findet sich dazu der Vermerk „Forge, avec le Logement du Mareshal“ beziehungsweise „Schmidten und Schmids-Wohnung“. Im Jahr 1752 kaufte Maria Theresia die gesamte Belvedere-Anlage von der Nichte des Prinzen Eugen, Prinzessin Victoria. Erst zwischen 1761 und 1765 erfolgten Umbauten am Unteren Schloss sowie den angeschlossenen Wirtschaftstrakten und Ställen. Ziel war die Schaffung von Wohnungen – für diverse Zwecke der Habsburger im Schloss selbst sowie für die 1763 neu gegründete Arcièren-Leibgarde in den Nebengebäuden. Gemäß den Plänen hat sich die Struktur im Spitzhof jedoch nicht verändert. Der Fortbestand kann darauf zurückgeführt werden, dass die Stallungen weiterhin benutzt wurden und so die Möglichkeit, die Pferde vor Ort zu beschlagen, beibehalten wurde. Viele Jahre später wurde der Spitzhof durch kleine Umbauten auf die heutige Breite vergrößert. Wie auch andere Teile des Unteren Belvedere – sofern sie nicht zu Wohnungen umfunktioniert worden waren – wurde auch der Spitzhof für Depotzwecke genutzt.