Scroll to Top

Das Winterpalais


Der Ausstellungsort des Belvedere in der Wiener Innenstadt

Das Winterpalais wurde von Prinz Eugen von Savoyen als prachtvolles Wohn- und Repräsentationspalais innerhalb der damaligen Stadtmauern in drei Bauperioden errichtet. Die Bauzeit dauerte von 1696 - 1724. Der Bauherr engagierte zunächst Johann Bernhard Fischer von Erlach und später Johann Lucas von Hildebrandt mit der architektonischen Ausführung. Nach seinem Tod wurde es 1752 von Kaiserin Maria Theresia erworben und bald für die Hofkammer und später als Finanzministerium genutzt. Seit 2013 ist das Barockjuwel mit seinen prächtigen Räumen unter der Leitung des Belvedere auch der Öffentlichkeit zugänglich. Mit Anfang 2018 wird es wieder vom Finanzministerium genutzt werden.

Anhand des Stadtpalais von Prinz Eugen  und der Bau- und Ausstattungsgeschichte lässt sich sein Aufstieg auf eindrucksvolle Weise nachvollziehen.

Ursprünglich als mittelloser Flüchtling 1683 an den Hof der Habsburger gekommen, starb er 1736 als Besitzer von mehreren Schlössern. Als Feldherr und Diplomat erlangte der einstige Hausherr nachhaltigen Ruhm und Reichtum. Daher überrascht es nicht, dass er seine militärischen Erfolge im Stadtpalais durch einen Zyklus großformatiger Schlachtenbilder von Ignace-Jacques Parrocel präsent hielt.


Winterpalais Prinz Eugen

Das Antichambre

In Prinz Eugens offiziellem Antichambre, dessen Wände mit Spalieren aus rotem Samt versehen waren, wurden zwischen 1724 und 1729 die Tapisserien der sogenannten Kriegskunstserie aus der Werkstatt des Jodocus de Vos präsentiert. Die ursprüngliche Deckengestaltung ist leider nicht bekannt.

Der Blaue Salon

Zu Prinz Eugens Zeiten galt das sogenannte Paradeschlafzimmer als bedeutendster Raum. Das Spalier aus grünem Samt an den Wänden wurde von breiten, mit Grotesken bestickten Borten unterbrochen. In diesem größten historischen Prunkraum befand sich auch das Paradebett, das nicht als Schlafstätte diente, sondern zeremoniell genutzt wurde. Das zentrale Deckenfresko von Louis Dorigny zeigt die Vermählung von Hercules mit Hebe und wird durch eine von Marcantonio Chiarini geschaffene Scheinarchitektur umrahmt.

Winterpalais Prinz Eugen

Der Rote Salon

Der einst als Audienzzimmer genutzte Prunkraum war mit Spalieren aus rotem Samt ausgestattet. Als bemerkenswertes Detail galt ein den Kampf zwischen Hercules und dem Hesperidendrachen Ladon darstellender Heißluftofen, der sich heute in Schloss Schönbrunn befindet. Das vollständig erhaltene, von Andrea Lanzani geschaffene Deckenfresko zeigt die Aufnahme des Hercules in den Olymp.

Der Gelbe Salon

Der Gelbe Salon und der folgende Raum bildeten ursprünglich die Galerie des Prinzen. In dem langgezogenen Saal mit fünf Fensterachsen befanden sich einst Gemälde von Künstlern wie Anthonis van Dyck, Peter Paul Rubens und Guido Reni sowie zwei Lackkabinette.

Winterpalais, Detail Goldkabinett

Das Konferenzzimmer

Die Ausstattung des Konferenzzimmers mit einem Kamin und einem Kachelofen weist auf dessen tatsächliche Verwendung als Besprechungsraum hin. Die Wände waren mit aus dem Brüsseler Atelier von Jodocus de Vos stammenden Tapisserien mit Groteskenmotiven behangen. Unklar ist, ob das den Sieg der Gerechtigkeit über den ungerechten Herrscher darstellende Deckengemälde von Paul Strudel zur ursprünglichen Ausstattung zählte.

Das Goldkabinett

Bis heute ist im prachtvollen Goldkabinett die originale geschnitzte Decke erhalten geblieben. Dem damaligen Geschmack entsprechend befanden sich an den Wänden neben Spiegeln auch Konsolen, auf denen asiatisches Porzellan präsentiert wurde. Teile der Ausstattung wurden in das Untere Belvedere transferiert und zu dem dortigen Goldkabinett zusammengefügt. Die dadurch frei gewordenen Flächen wurden mit eigens dafür geschaffenen Gemälden von Franz Caspar Sambach und Franz Zogelmann bestückt.

Winterpalais, Detail Goldkabinett

Die Bibliothekssäle

Insgesamt drei Bibliotheksräume, darunter der sogenannte Schlachtenbildersaal, in dem sieben Ölgemälde siegreiche Schlachten des Feldherrn zeigen, beherbergten wesentliche Teile von Prinz Eugens umfangreicher Büchersammlung. Nach dem Tod des Prinzen erwarb
Kaiser Karl VI. die Bücher, Handschriften und Druckgrafiken für die Hofbibliothek.

Kapelle im Winterpalais

Die Kapelle

Die kleine Kapelle ist eine Ergänzung aus der Zeit des Umbaus ab 1752. Die Wandmalereien sind künstlerisch interessant, da sie von einem noch nicht identifizierten Maler aus dem Kreis der Wiener Akademie stammen dürften. Prinz Eugen hatte eine kleine Kapelle neben seinem Schlafzimmer im rückwärtigen Teil des Paradeappartements, die jedoch nicht erhalten ist. Aus dieser sollen sowohl der Altar als auch der Parkettboden stammen.