Das Belvedere lässt die Kunstschau 1908 anlässlich ihres 100-jährigen Jubiläums wieder aufleben: Ab Oktober wird ein Teil der damals gezeigten Exponate präsentiert - ergänzende Werke von in der Kunstschau vertretenen Künstlern, dokumentarische Fotografien und Originalpläne dienen der Veranschaulichung der Details und Dimensionen dieses epochemachenden Ereignisses, ein Architekturmodell soll die Verortung des Kunstschau-Ausstellungsgeländes im Stadtraum ermöglichen.
Das ursprüngliche Raumerlebnis vermitteln drei vollständig rekonstruierte Säle: der „Raum 50“ mit Werken der führenden Mitglieder der Wiener Werkstätte, der „Raum 10“ mit über 100 reproduzierten, direkt an die Wand geklebten Plakaten sowie der von Koloman Moser gestaltete „Raum 22“ mit Hauptwerken von Gustav Klimt, damals wie heute Höhepunkt der Schau. Klimt präsentierte unter anderem Fritza Riedler (1906), Adele Bloch-Bauer I (1907), Die drei Lebensalter (1905), Danae (1907/08) und sein bekanntestes Werk Der Kuss (1908), welches noch während der Laufzeit der Ausstellung für die Sammlung des heutigen Belvedere angekauft wurde.
Des Weiteren sind Exponate aus den damaligen Räumen für „Theater-Kunst“ zu sehen: Richard Teschners monumentale Glasmosaiken und Marionetten, Dekorationsskizzen von Alfred Roller und eine zwei Meter hohe Kostümskizze von Emil Orlik für die Max Reinhardt-Inszenierung von Shakespeares Wintermärchen. Für „Raum 27“ schuf Otto Prutscher ein beeindruckendes Wandensemble aus Marmor, ornamentverzierten Messingblechen und einer Glasvitrine - die Einzelteile wurden aus ganz Europa zusammengetragen und nun wieder vereint. Aus dem Raum „Kunst für das Kind“ konnte das Puppenhaus von Magda Mautner von Markhof als Leihgabe gewonnen werden; die Abteilung „Allgemeine Malerei“ ist durch Werke von Adolf Hölzel, Wilhelm List, Leopold Blauensteiner, Maximilian Kurzweil, Broncia Koller-Pinell, Elena Luksch-Makowska und anderen vertreten.