Archiv


Julia moritz | Oktober bis November 2013

Julia Moritz ist Kunsthistorikerin und Kuratorin und war zuletzt Leiterin der Abteilung für „Vielleicht Vermittlung und andere Programme“ der dOCUMENTA (13). Zuvor war sie an der Universität Lüneburg tätig, wo sie für die Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekte im Kunstraum der Universität verantwortlich und in den kulturwissenschaftlichen Lehrbetrieb eingebunden war. Im Rahmen postgradualer Studienprogramme in Wien, New York und Bilbao verfasste sie ihre Dissertation zu Fragen institutioneller Bedingungen im Kunstbetrieb. Freie Projekte dieser Zeit umfassen die Gruppenausstellung "Kritische Komplizenschaft" (mit Lisa Mazza) in Wien, Ljubljana und Bozen. Zuvor arbeitete sie in den kuratorischen Teams von Großausstellungen wie der Manifesta 7 in Südtirol und dem Deutschen Pavillon auf der 52. Biennale von Venedig. Ein gemeinsam mit Nicolaus Schafhausen veröffentlichter Band, "Die Frage des Tages" (2007), gibt Einblick in Moritz‘ langfristige dialogische Befragungen.

Im Jänner 2014 hielt Julia Moritz unter dem Titel Looking Good at Belvedere einen Vortrag im Research Center, den sie im Zuge ihrer Residency entwickelt hat. Der Vortrag beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Kunstzeigen und -bergen in Museen im Allgemeinen und im Belvedere im Speziellen.


Josh Siegel | Juni 2013

Von Mitte bis Ende Juni wird Josh Siegel, Kurator des Museum of Modern Art in New York (MoMA), dem Belvedere im Rahmen des Curator in Residence-Programms einen Kurzbesuch abstatten. Siegel arbeitet seit 1993 am MoMA und ist Associate Curator am Department of Film. Seine Expertise im Bereich des cinematografischen Schaffens präsentierte Siegel in zahlreichen Ausstellungsprojekten, die im Feld der Erforschung und Präsentation künstlerischen Films neue Akzente setzten, darunter eine umfassende Retrospektive zu Jacques Tati oder die ebenso groß angelegte Schau Spike Jonze: The First 80 Years (beide 2009). Für das Blickle Kino im 21er Haus wird Josh Siegel während seines Aufenthalts ein special screening programmieren.

 

Konstantin Akinsha | Februar bis April 2013

Konstantin Akinsha ist Kunsthistoriker, Kurator und Kulturjournalist. 2013 schloss er sein Doktoratsstudium an der Universität von Edinburgh ab. Zu den Auszeichnungen, die er bisher für seine journalistische Arbeit erhalten hat, zählen der George-Polk-Gedenkpreis für Kulturberichterstattung (1991), der Clarion Award für Kulturjournalismus (2009) und der Preis für hervorragende Leistungen im Journalismus der Society of Silurians (2009). Der Schwerpunkt seines Forschungsinteresses liegt auf der russischen Kunst des ausgehenden 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

CIR-Projekt
Der Fokus des Forschungsvorhabens von Konstantin Akinsha richtet sich auf den interessierten Blick führender Wiener Künstler und Kritiker vor über hundert Jahren auf die russische Kunstszene sowie dessen Erwiderung. Der ukrainische Kurator konzentriert sich auf den Zeitraum zwischen 1900 und 1908 – als Paris das unangefochtene Zentrum der Kunstwelt war. In Wien wurden in diesen Jahren auf Initiative der Secession russische Künstler wie Mikhail Vrubel, Valentin Serov und Boris Kustodiev, dessen Gemälde Familienbild (1905) im Jahr 1908 für die Sammlung des heutigen Belvedere erworben wurde, gezeigt und bekannt gemacht. Die Ausstellungen der Secession mit heimischen Größen wie Klimt wurden wiederum in russischen Kunstmagazinen besprochen, etwa von Leo Trotzki, der sich damals im Wiener Exil befand. Die Entwicklung, den Umfang und die Intensität dieser gegenseitigen Rezeption zu erhellen, ist das formulierte Forschungsziel des ukrainischen Kurators während seiner Residency.
 

 

Helena Pereña | September 2012 bis Jänner 2013


Dr. Helena Pereña studierte Kunstgeschichte und Philosophie in Madrid und München. 2009 wurde sie mit einer Arbeit über Egon Schiele promoviert. Von 2006 bis 2009 war sie am Max Beckmann Archiv tätig. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus hat sie bis 2012 bei zahlreichen Ausstellungen zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts gewirkt. Zuletzt kuratierte sie die Ausstellung Egon Schiele – Das unrettbare Ich im Kunstbau. Zahlreiche Publikationen zur Moderne.


CIR-Projekt

Die Ankaufskommission der Modernen Galerie – das heutige Belvedere – gab 1906 ein Gemälde bei Albin Egger-Lienz in Auftrag, das innerhalb von zwei Jahren fertig gestellt werden sollte. Pünktlich zum 60-jährigen Jubiläum des Kaisers und kurz vor der 100. Jahresfeier der Tiroler Befreiungskriege lieferte Egger-Lienz den Totentanz von Anno Neun, die erste erhaltene Fassung eines Motivs, mit dem er sich zwischen 1906 und 1921 häufig beschäftigte. Das Gemälde spielt in seinem Werk eine herausragende Rolle, nicht nur weil hier der Künstler zum ersten Mal die monumentale Formsprache erreichte, nach der er lange gesucht hatte, sondern auch weil er den Krieg als eines seiner Lebensthemen entdeckte – jenseits des konkreten historischen Rahmens.
Der Totentanz vereinigt aber auch alle Widersprüche, die mit Egger-Lienz in Verbindung gebracht werden. Seit seiner Entstehung wurde das Bild bis heute genauso als Pazifismus-Manifest wie als Verherrlichung des Heldentodes gelesen. Wie aber lassen sich solche konträren Sichtweisen bildimmanent festmachen? Solche Fragen bilden den Ausgangspunkt für die Ausstellung im Belvedere, bei der sowohl die konkreten Entstehungszusammenhänge als auch die Wirkungsgeschichte des Totentanzes im Fokus stehen.

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