Internationales Netzwerk Hagenbund
(1900 bis 1938)

 

Interaktive Visualisierung
 

Der Hagenbund war von jenen drei großen Künstlervereinigungen, welche das Kunst- und Kulturleben Wiens bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs bestimmten, im Vergleich zur Sezession und zum Künstlerhaus der mit Abstand vielseitigste Verband. Unter seinem Dach fanden auch Randgruppen einen Platz, die aufgrund ihrer Nationalität, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihres Alters oder einfach nur wegen ihrer präferierten Stilrichtung politisch wie gesellschaftlich marginalisiert wurden. Die spezifische Zusammensetzung seiner Mitglieder war einer der Gründe für den heimischen wie internationalen Erfolg des Hagenbundes. Im Jahr 1938 endete nicht nur die Geschichte des Vereins, es wurde auch zeitgleich dessen Archiv zerstört. Der Forschung zum Thema Künstlervereinigung Hagenbund bis heute vollständig erhalten geblieben sind die Kataloge zu den zweimal jährlich veranstalteten umfangreichen Ausstellungen und die dazugehörigen Rezensionen in den Tageszeitungen. Hinzu kommen Teil- und Splitternachlässe einzelner Mitglieder, welche sich über institutionelle und private Sammlungen verteilen. Aus diesen Beständen schöpft die Forschung seit der Wiederentdeckung des Hagenbundes in den 1970er-Jahren.

 

Das internationale Netzwerk

Augenfällig, und dennoch bisher nicht erforscht, ist die nationale bzw. internationale Positionierung des Hagenbundes vom Austritt Gustav Klimts und anderer aus der Secession bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938. Heute sprechen wir von einem internationalen Netzwerk Hagenbund, das sich regional formierte und international operierte. Die Kontakte zu Künstlern aus Tschechien, Ungarn, Polen, der Ukraine, Deutschland, der Slowakei und Slowenien sind wenig erforscht und die Frage nach ihrem Einfluss auf die stilistische Haltung der verschiedenen Wiener Künstler somit auch noch nicht genau recherchiert oder einer exakten kunsthistorischen Beurteilung unterzogen. Erst eine gewissenhafte Quellenrecherche bezüglich der verschiedenen international ausgreifenden Künstlernetzwerke und dem Hagenbund nahestehender Kritiker, Kunsthistoriker und Feuilletonisten kann einen neuen, erweiterten Blickwinkel auf die Kunstentwicklung in Österreich und Wien liefern.

 

Netzwerkanalyse

Die Verknüpfung von Kunstgeschichte und Soziologie liefert eine auf der Methode der Netzwerkanalyse basierte Aufarbeitung des Quellenmaterials. Diese seit einigen Jahren für die Kunstgeschichte eingesetzte Vorgangsweise ermöglicht differenzierte Einblicke in die soziale Dynamik des Kunstfeldes und ist ein geeignetes Werkzeug für die kunstwissenschaftliche Analyse und Beurteilung.

Nach über 30 Jahren Forschungsgeschichte in Bezug auf den Hagenbund, die Secession, das Künstlerhaus und die Galerienszene hat das Projekt zum Ziel, durch eine umfassende Grundlagenforschung und eine kritische Aufarbeitung der bekannten Quellen neue Perspektiven für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Künstlervereinigung Hagenbund zu gewinnen. Die kunsthistorische Netzwerkforschung als solche ist in jüngster Zeit ins allgemeine Interesse der Forschung gerückt (Burcu Dogramaci und Karin Wimmer [Hg.], Netzwerke des Exils. Künstlerische Verflechtungen, Austausch und Patronage nach 1933, Berlin 2011).

Interaktive Visualisierung des Netzwerks

 

Ziel

Ziel ist eine umfassende Darstellung der Beziehungen der Künstler des Hagenbundes untereinander, aber auch mit anderen Institutionen innerhalb Wiens und europaweit. Denn die detaillierte Darstellung der Verbindungen der Künstler untereinander einerseits sowie mit Kritikern, Journalisten, Ausstellungsmachern und Kulturpolitikern andererseits ermöglicht die Klärung der Frage, warum zu bestimmten Zeiten eine besondere Kunstströmung, wie der Expressionismus, die Neue Sachlichkeit, der magische Realismus oder die Abstraktion, in den Vordergrund rückt. So soll der bisher nur rudimentären Behandlung des Hagenbundes seit 1993 – trotz erster historischer Aufarbeitungen – entgegengewirkt werden. Aktualisierte Biografien einzelner Künstler sowie die nahezu lückenlose Aufklärung der Ausstellungsgeschichte und der Aktivitäten des Hagenbundes sollen einen bedeutenden Teil der österreichischen Kunstgeschichte neu beleuchten.

 

Das Forschungsprojekt wird vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank finanziert.
Projektleiter: Matthias Boeckl
Laufzeit: April 2013 bis April 2015
Sachbearbeiter: Harald Krejci
 
Mitarbeiter:
Verena Gamper
Maximilian Kaiser
Kerstin Jesse
Axel Köhne
Harald Krejci
 

Kontakt

Tel.
+43 1 795 57 134
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