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In Korrespondenz mit dem prunkvollen Marmorsaal und seinen barocken Lustern entwickelte die Wiener Künstlerin Linda Bilda drei Lampen für den Orchestergang im Oberen Belvedere. Linda Bildas formales Vokabular ist sehr vielseitig. Neben Rauminstallationen, Collagen, Zeichnungen und Plexiglas-Objekten ist sie auch Herausgeberin von Comic-Heften und Kunst-Fanzines, die sich mit gesellschaftskritischen Fragen auseinandersetzen. Ihre Comics werden von zahlreichen symbolisch aufgeladenen Figuren bevölkert, die sich für eine Veränderung der herrschenden Gesellschafts- und Ökonomieverhältnisse einsetzen.
An der muranoglas-ähnlichen zentralen „Dämonenlampe“ für den Orchestergang findet man dementsprechend auch Schmuck-Anhänger, auf denen – quasi „stromgebend“ – die Kürzel „IWF“ (für: Internationaler Währungsfond) oder „IAEA“ (für: Internationale Agentur für Atomenergie) prangen. Daneben verdunkeln eine bedrohliche Wespe und eine Fledermaus aus Plexiglas das Licht der anderen Lampen, die durch die Unterteilung in Längen- und Breitengrade an die Erdkugel erinnern.
Anna Jermolaewa wurde 1970 in St. Petersburg geboren. Sie studierte an der Akademie der Bildende Künste Wien und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Seit 2005 ist die Künstlerin Professorin für Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.
In ihren Videos, Fotoarbeiten und Installationen beobachtet Jermolaewa reale Begebenheiten und konzentriert sich hierbei auf einzelnen Aspekt, die den Betrachtenden dazu animieren über Befindlichkeiten und Bedingungen des Alltags zu reflektieren. Dabei spielen Kategorien wie Zeit, Raum und geschichtlich kulturelle Bezüge eine wichtige Rolle. Der Bildausschnitt, die Montage und die Wahl des Moments werden von der Künstlerin gezielt eingesetzt um das Skurrile und Absurde aufzuzeigen. In Ihren Arbeiten beschäftigt sich Jermolaewa unter anderen auch mit der Russischen Kulturgeschichte die durch ihre Arbeitsweise Gegenstand einer subtilen Kritik wird.
Unter anderem hatte sie Einzelausstellungen im Kunstverein Friedrichshafen (2009), XL Gallery Moscow (2008), Museum moderner Kunst, Passau (2004) und Magazin 4, Bregenz (2002), Blickle Stiftung (2002). Five Year Plan ist ein andauerndes, nicht abgeschlossenes Projekt, für das Jermolaewa alle fünf Jahre die Passanten in der Moskauer U Bahn filmt. Die Videos vergleichend betrachtend, ist fest zu stellen, dass kaum Änderungen in Kleidung und Werbung zu beobachten sind.
Die einem Loop ähnlichen Aufnahmen zeigen weder den Anfang noch das Ende der Rolltreppe, die immer gleich bleibende Bewegung kommt einer Stagnation gleich. Der Fünf Jahresplan war ein Vorhaben des Sowjetischen Regimes zur ökonomischen Förderung des Landes. Die Arbeit von Jermolaewa ist ein ironischer Kommentar, nimmt einen kritischen Standpunkt zur russischen Politik ein und zeigt den gefühlten Stillstand der Bevölkerung unter dem Regime auf.
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