Künstlervereinigungen wie „Die Brücke“ und „Der blaue Reiter“ standen am Anfang des deutschen Expressionismus und führten diese zunächst noch gegenständliche Kunst bis an die Grenze der Abstraktion. Zu den Mitgliedern der "Brücke" zählten unter anderem Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein und kurzzeitig auch Emil Nolde. Hauptvertreter der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ waren Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, August Macke und Paul Klee.
Neben den Beispielen einer expressiven österreichischen Malerei besitzt das Belvedere auch herausragende Beispiele des deutschen Expressionismus. Während österreichische Künstler eine dunkle, morbide Farbigkeit bevorzugten und ihre Werke mit Todes- und Vergänglichkeitssymbolik anreicherten, beherrschten grelle Buntheit sowie Motive großstädtischen Lebens oder religiöse Darstellungen den deutschen Expressionismus.
Dazu zählen Werke von Mitgliedern der Künstlervereinigung „Die Brücke“ wie Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Emil Nolde sowie Porträts von Alexej Jawlensky, einem Vertreter des Expressionismus, der dem „Blauen Reiter“ nahe stand. Beide Gruppierungen waren stets auf der Suche nach neuen, künstlerischen Ausdruckmöglichkeiten.
Ernst Ludwig Kirchner, einer der Hauptvertreter des deutschen Expressionismus und führende Persönlichkeit innerhalb der Künstlergemeinschaft „Die Brücke“, die er 1905 mitbegründete, ist in der Sammlung mit dem Werk Die Klosterser Berge (1923) vertreten. Er entdeckte die afrikanische und ozeanische Kunst als Inspirationsquelle, die sich vor allem in seinen Holzschnitten widerspiegelt. Als weiterer wichtiger Repräsentant der expressionistischen Richtung stieß Max Pechstein 1906 zu der im Vorjahr von Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff gegründeten Künstlergruppe.
1912 entstand sein Stillleben mit Äpfeln und Bananen. Ebenso wie bei Pechstein wird auch bei Emil Nolde der Einsatz von flächig aufgetragener Farbe zum Ausdrucksträger. Knapp nach seiner kurzen Mitgliedschaft bei der „Brücke“ entstanden seine ersten religiösen Bilder, unter anderem auch Joseph erzählt seine Träume (1910). Nolde und Pechstein, die beide nach Neuguinea reisten, studierten neue künstlerische Darstellungsmöglichkeiten in der Kunst der Naturvölker.
Der aus Russland gebürtige, in München lebende Maler Alexej Jawlensky hatte durch seine persönlichen Beziehungen zu Wassily Kandinsky engen Kontakt zu der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“. Die Inspiration zu seinen kräftigen Farbzusammenstellungen fand er in der russischen Volkskunst sowie bei den französischen Fauvisten wie Henri Matisse, wie das Damenbildnis (1908) beweist.
Die feingliedrige Büste der Knienden (1913) des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck zeigt einen hohen Grad an ausdrucksstarker Verinnerlichung und illustriert anschaulich die Nähe des Künstlers zum Expressionismus.
Einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts in Österreich ist zweifellos Anton Hanak. Sein von Lehmbruck beeinflusstes Werk reicht von kleinformatigen Figurenskizzen bis zu monumentalen Fassadenfiguren und Denkmälern.
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