Eine sinnliche, erzählfreudige Darstellungsweise, zwiespältige Inhalte und oft doppeldeutige Motive sind Hauptmerkmale des Historismus. In Wien wird diese Epoche nach ihrem bedeutendsten Vertreter auch als „Makart-Ära“ bezeichnet. Viele von Makarts Hauptwerken werden im Belvedere präsentiert, das die bedeutendste Sammlung der Kunst der Ringstraßenzeit besitzt. Die Bilder des Historienmalers Franz Defregger, des eigenwilligen Anton Romako, des Orientmalers Leopold Carl Müller oder der barocke Formenschatz Hans Canons repräsentieren die Vielfalt der Zeit.
Das späte 19. Jahrhundert steht in Wien ganz unter dem Einfluss von Hans Makart. Der 1840 in Salzburg geborene Maler, hatte zunächst bei Piloty in München studiert und kam 1869 auf kaiserlichen Wunsch nach Wien. 1879 wurde er zum Professor für Historienmalerei an der Akademie ernannt. Seine sinnlich berauschende Malerei besticht durch technische Souveränität, die er gern auch öffentlich bei Atelierfesten vorführte. So sind eigentlich alle seine Werke – einschließlich der hervorragenden Porträts der Magdalena Plach (1870) und Eugenie Scheuffelen (1867) – als effektvolle Inszenierungen zu verstehen.
Dieser Opulenz entsprechen seine Allegorien Die fünf Sinne (1872-79) oder sein monumentales Gemälde Bacchus und Ariadne (1873/74), welches ursprünglich als Vorhang für die Komische Oper entworfen wurde. Es zählt ebenso zur Gruppe der Sensationsbilder, wie Die Niljagd (1876) oder Venedig huldigt Caterina Cornaro (1872/73). Letzteres wurde zur Zeit der Weltausstellung in Wien präsentiert und verbindet in beispielhafter Weise die historische Wirklichkeit mit einer fiktiven Bildpracht und der Inszenierung bürgerlicher Selbstdarstellung.
Die barocke Formensprache pflegte ebenso Hans Canon, dessen ebenfalls auf der Weltausstellung gezeigtes Hauptwerk Die Loge Johannis (1873) das Thema der Toleranz versinnbildlicht. Die positive Resonanz auf dieses Gemälde ermöglichte Canon die Rückkehr nach Wien, wo er sich neben Makart als Porträtist der Wiener Gesellschaft etablieren konnte.
Zu den Zeitgenossen und Kollegen in Wien zählt auch Anselm Feuerbach, Sohn eines Archäologen aus Speyer, der lange Zeit in Italien verbracht hatte und 1872 an die Akademie nach Wien berufen worden war. Wie sein Nachfolger an der Akademie – Hans Makart – steht Feuerbach schon distanziert zur Historienmalerei. Seine Themen sind häufig mythologischen Inhaltes wie Orpheus und Eurydike (1869) und besitzen im Gegensatz zu Makart einen strengen Aufbau in einer verhaltenen Farbigkeit.
Während Makart und Feuerbach sich vom erzählerischen Historienbild abwenden, wandelt es Anton Romako, indem er die Entscheidungssituation psychologisch deutet. In seinem Gemälde Tegethoff in der Seeschlacht bei Lissa I (1878-80) vermittelt er nicht das übliche Marine- und Seeschlacht Panorama, sondern schildert als bühnenhafte Inszenierung den Entscheidungsmoment der Seeschlacht, der im Ausdruck der Akteure deutlich wird. Darüber hinaus zeichnen Romakos Porträts neben dem hohen Grad an Psychologisierung auch eine für die Zeit eigenwillige Anwendung malerischer Techniken aus, so zum Beispiel in Italienisches Fischerkind (um 1870/75), die im österreichischen Expressionismus vor allem von Kokoschka aufgegriffen und bewundert wird.
| Kontakt |
|---|
|
Tel. +43 1 795 57-0
E-Mail
|