Die Wiener Secession trennte sich 1897 von der etablierten Genossenschaft bildender Künstler und wurde namensgebend für den Wiener Jugendstil. Die Abspaltung – „secessio“ –, betrieben vor allem von Gustav Klimt, Carl Moll, Kolo Moser, Josef Hoffmann und Otto Wagner, folgte dem Wunsch nach einer künstlerischen Erneuerung und Öffnung. Die Secession war „bestrebt, ein Bild der modernen Kunst des Auslandes zu bieten, damit das Publicum einen neuen und höheren Maßstab für die Bewertung der heimischen Hervorbringungen erhalte“. In diesem Sinne galt die Secession als Forum der internationalen Avantgarde, in der sie sich und die Wiener Kunst positionierte.
Die ersten maßgeblichen Erwerbungen der Modernen Galerie (ab 1903) stammten aus Secessionsausstellungen und bildeten den Grundstock der Sammlung des Belvedere.
Wichtige Schenkungen durch die Secession an eine zu diesen Zeitpunkt noch einzurichtende „Moderne Galerie“ wie Ebene von Auvers von van Gogh (1890), Büste von Henri de Rochefort-Lucay (1897) von Rodin oder Die bösen Mütter (1894) von Giovanni Segantini, stehen am Anfang der heute international bedeutenden Sammlung des frühen 20. Jahrhunderts. In deren Zentrum steht die Secession selbst, sinnbildhaft durch Gustav Klimt vertreten, dessen Kuss (1908) als die Ikone des Wiener Jugendstils gelten kann.
Die Grenze zwischen Symbolismus und Secessionismus ist bisweilen nicht leicht zu ziehen. Beide Richtungen lehnten die naturalistische Wiedergabe der materiellen Wirklichkeit ab. Hauptanliegen der Symbolisten war es, Seelenzustände und irrationale Kräfte sowie Traum, Ekstase oder Vision darzustellen. Als Hauptwerke des Symbolismus gelten Arbeiten wie Meeresidylle (1887) von Arnold Böcklin, Das Urteil des Paris (1885-1887) von Max Klinger, Halbfigur einer Nymphe (1896) von Fernand Khnopff oder Dämmerung (um 1900) von Carl Moll.
Die Secessionisten wollten das gesamte Leben künstlerisch gestalten und den Alltag ästhetisieren. Neben Gustav Klimt und Carl Moll zählen Koloman Moser mit Werken wie Gardasee (um 1912), Wilhelm Bernatzik mit Weiher (um 1900) oder Pülcher (1888) von Josef Engelhardt zu den wichtigsten Vertreter der Secessionskunst.
Als 1905 ein Streit um die Ausgliederung der Verkaufsaktivitäten aus dem Ausstellungsprogramm der Secession entbrannte, verließ die „Klimt-Gruppe“ mit Klimt und Moll an der Spitze die Secession. In der Kunstschau von 1908 und der von 1909 gibt die „Klimt-Gruppe“ jungen Talenten wie Egon Schiele, Oskar Kokoschka oder Max Oppenheimer eine Plattform und bereitet damit den Weg zu deren Anerkennung.
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