Als Biedermeier bezeichnet man die Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und dem Revolutionsjahr 1848. Die österreichische Malerei dieser Zeit weist ein ausgeprägtes Streben nach einer realistischen Schilderung des Gesehenen auf. Ferdinand Georg Waldmüller ist der Hauptvertreter dieser Kunstrichtung, bedeutend neben ihm waren vor allen Josef Danhauser, Friedrich von Amerling, Peter Fendi, Michael Neder oder Friedrich Gauermann. Das Belvedere ist im Besitz der größten und geschlossensten Sammlung des Wiener Biedermeier.
Die Wiener Malerei erlangte in der Zeit des Biedermeiers eine außergewöhnliche Qualität. Inhalt und Form fanden in dieser Epoche zu einer harmonischen Einheit, außerdem war der künstlerische Geist vom Streben nach Veränderung beseelt.
So suchte die Landschaftsmalerei beständig nach einer naturnahen, realistischen Darstellung. Ferdinand Georg Waldmüllers Prater- oder Salzkammergutansichten aus den 1830er Jahren sind hier zu nennen, ebenso die Landschaft bei Miesenbach von Friedrich Gauermann oder die Salzburger Motive von Friedrich Loos.
Die Historienmalerei diente nun nicht nur der Schilderung vergangener Zeiten, sondern auch der zeitgenössischen Reportage – Selbst-Erlebtes wurde genau festgehalten und dokumentiert, wie der Kutscherstreit (1828) von Michael Neder.
Die Porträtmalerei drängte danach, den Menschen mit seinen persönlichen Eigenheiten wiederzugeben: realistisch und meist ungeschönt. Auch hier liegen die höchsten Verdienste bei Waldmüller. Amerling wiederum, dessen Figurenensembles von ausgewählter Delikatesse sind, wollte das Gesicht weniger "abschreiben", als ein Bild von der Gesamterscheinung des Modells liefern. Mitunter umrankte er die Darstellung mit einer Geschichte, wie beim Porträt der Familie Arthaber (1837) zu sehen ist. Die Blumen- und Früchtemalerei wiederum erfuhr höchste malerische Qualität und basierte auf fundierter wissenschaftlicher Beobachtung.
Das eindrucksvollste Resultat dieser Zeit aber lieferte die Genremalerei. Ob dem Bauern-, dem Bürger- oder dem Arbeiterstand entnommen, vermittelt sie uns heute ein anschauliches Bild vom Alltag und von den Festen. Waldmüllers Fronleichnamsmorgen zeugt von den Freuden der Kinder, die Reisigsammler im Wienerwald (1855) desselben Künstlers verweist auf die Mühsal des bäuerlichen Alltags. Danhauser veranschaulicht wiederum in seiner Testamentseröffnung (1839) die Tiefen des menschlichen Charakters.
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