Klassizismus | Romantik

Seinen Ausgangspunkt fand der Klassizismus in Italien, richtungweisende Impulse erhielt er aus der französischen Malerei. Die Künstler wandten sich bewusst von der bewegten, überbordenden Formensprache des Barock ab und strebten nach Ruhe im Ausdruck und Klarheit in der Silhouette.

Neben Werken der Hauptvertreter des Klassizismus Jacques-Louis David und François Gérard besitzt das Belvedere auch Arbeiten von bedeutenden Künstlern wie Josef Rebell, Jakob Philipp Hackert, Angelika Kauffmann und
Friedrich Heinrich Füger.

Meisterwerke des Klassizismus und der Romantik

Historische und literarische Themen waren im Klassizismus sehr beliebt, demgemäß genoss die Historienmalerei höchste Achtung. Aber auch aktuelle Ereignisse fanden ihren Niederschlag, zunächst in der französischen Malerei, die damit den propagandistischen Ambitionen Napoleons entgegenkam. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Reiterdarstellung Napoleon am Großen St. Bernhard von Jacques-Louis David (1801).

Ungefähr zur selben Zeit entstand auch das Familienporträt Moritz Christian Reichsgraf von Fries mit seiner Frau Maria Theresia Josefa und dem Sohn Moritz (um 1804) des französischen Künstlers François Gérard. Das großformatige Gemälde steht mit seinen klaren, kräftigen Farben und der straffen Linienführung im Gegensatz zur englischen Maltradition, deren Formensprache sich über einen schwungvollen Farbauftrag definiert und in der Ausführung eher andeutend als beschreibend ist. Angelika Kauffmann, die viele Jahre in England lebte, vermittelt diesen Malstil im Porträt von John Simpson (1773), einer ihrer vorzüglichsten Personendarstellungen.

Die vielseitigste österreichische Künstlerpersönlichkeit in der Zeit um 1800 war Friedrich Heinrich Füger. Er war Direktor der Wiener Kunstakademie, anschließend leitete er die Kaiserliche Gemäldegalerie im Belvedere. Bei seinen Zeitgenossen erlangte er durch die Historienmalerei Bedeutung, die Nachwelt aber schätzt ihn vor allem wegen seiner Porträtdarstellungen. Das Gemälde seiner Frau, der Schauspielerin Josefa Hortensia Füger (um 1797), zeigt, wie sensibel der Maler die Persönlichkeit seines Modells hervorkehrte und nebenbei auch die damals gängige Darstellungsform der westeuropäischen Porträtmalerei aufgriff und in seine persönliche Formensprache übersetzte.

Die Hinwendung zur wahrheitsgetreuen Wiedergabe des Gesehenen ist im ausgehenden 18. Jahrhundert insbesondere in der Landschaftsmalerei erkennbar. So strebte etwa der Italienreisende Jakob Philipp Hackert bereits früh nach der Wiedererkennbarkeit des dargestellten Naturausschnitts, wie sein Werk Wasserfälle von Tivoli (1790) zeigt. Mit im hellen Tageslicht wiedergegebenen und von Sonnenlicht durchfluteten Ansichten der Gegend um Neapel leitete Josef Rebell wenige Jahre später bereits zur realistischen Landschaftsmalerei in der sogenannten Biedermeierzeit über.

Die romantischen Strömungen des beginnenden 19. Jahrhunderts sind im Belvedere durch mehrere bedeutende Werke vertreten. Die vorzüglich gemalten Landschaftsdarstellungen von Caspar David Friedrich, einem der Hauptvertreter der Romantik, sind nicht auf das Abbild der Umwelt beschränkt, sondern versuchen, das Verhältnis von Mensch und Natur auszuloten. So sind die turmförmig hochragenden Sandsteinsäulen in der 1822/23 gemalten Felsenlandschaft im Elbsandsteingebirge dramatisch überhöht, wodurch die Fläche im Vordergrund unwegsam und gefahrvoll erscheint.

Der Tiroler Künstler Josef Anton Koch versuchte dagegen, die göttliche Schöpfung in seinen Naturdarstellungen zu bannen, wie das Gemälde Berner Oberland (1815) zeigt. Mit seiner Überführung der klassischen Ideallandschaft in die heroische Berglandschaft wollte er, wie er selbst sagte, eine totale Vorstellung geben von dem Alpenwesen.

In eine andere Richtung führte das Gedankengut einer Gruppe junger Künstler, der Nazarener. 1809 hatten sie sich in Wien zum Lukasbund zusammengeschlossen, ihr Streben richtete sich gegen die akademischen Prinzipien, sie verweigerten das Zeichnen nach den Antiken und lehnten den Kolorismus des Barock ab. Die Gruppe orientierte sich an mittelalterlichen Idealen, widmete sich der italienischen Malerei der Frührenaissance und nahm Künstler wie Albrecht Dürer und Raffael zum Vorbild. Ihre Mitglieder strebten nach Beruhigung in der Komposition und im Ausdruck. Dabei konzentrierten sie sich auf religiöse Sujets und versuchten, Glaubensinhalte im Bild empfindbar zu machen. 1810 brachen sie nach Rom auf. Einer ihrer Anhänger war der viel zu jung verstorbene Wiener Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff, dessen Tote heilige Caecilia ein Hauptwerk der österreichischen Nazarener darstellt.

Künstler wie Josef von Führich, Leopold Kupelwieser, Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld und Moritz von Schwind bildeten eine Schnittstelle zwischen der religiösen Romantik und der Historienmalerei. Um die Stellung des 1804 begründeten österreichischen Kaiserreichs zu festigen, wählten sie Themen aus der Geschichte der Habsburger, die eine enge Verknüpfung zwischen dem Erzhaus und der katholischen Kirche verdeutlichten. Häufig dargestellt wurden etwa der Stammvater Rudolf von Habsburg sowie Kaiser Maximilian I.

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