Das Belvedere besitzt international herausragende Werke der spätgotischen Bildhauerkunst und Tafelmalerei. Sie bieten einen Überblick der wichtigsten künstlerischen Entwicklungen vom Internationalen Stil der Zeit um 1400 bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts. Unter den Meisterwerken, die im Oberen Belvedere gezeigt werden, finden sich exquisite Skulpturen des Schönen Stils, der imposante Znaimer Altar und Hauptwerke von Conrad Laib, dem Wiener Schottenmeister, Rueland Frueauf d. Ä. und Michael Pacher.
Den Auftakt der Präsentation bildet eine Skulpturengalerie mit Arbeiten des Meisters von Großlobming, eines führenden, wahrscheinlich in Wien tätigen Bildhauers der Internationalen Gotik um 1400. Zu den bedeutendsten Wiener Tafelmalern der nächsten Generation zählt der Meister des Albrechtsaltars. Seine Darstellung der Verkündigung an Joachim (um 1435/40) ist ein bemerkenswert frühes Beispiel für die Wiedergabe eines Lichtphänomens in der Natur.
Beeindruckend in seiner Monumentalität und expressiven Ausdruckskraft ist der Znaimer Altar, der wahrscheinlich in Wien in den 1440er Jahren entstand und noch die originale Farbfassung aufweist. Getreue Wiedergabe von Einzelheiten und drastische Darstellung der Passion Christi kennzeichnen auch die großformatige Kreuzigungstafel von Conrad Laib aus dem Jahre 1449, ein Hauptwerk dieses in Salzburg tätigen Malers.
Zu den Meisterwerken der nächsten Generation zählen Tafeln vom berühmten Wiener Schottenaltar und die Flügelbilder des Salzburger Altars von Rueland Frueauf dem Älteren. Neue Maßstäbe setzte schließlich der große Südtiroler Meister Michael Pacher mit perspektivischen Bildräumen und kunstvoll inszenierten Szenen, die von einer direkten Auseinandersetzung mit italienischen Vorbildern zeugen. Zu sehen sind Gemälde von Pachers frühem Laurentiusaltar und seinem späten Salzburger Altar, dem ehemals größten und teuersten aller bekannten Flügelaltäre des Alpenraums.
Als prominentes Beispiel für die hoch entwickelte Schnitzkunst der Zeit stehen Maria und Josef eines Weihnachtsaltars von Hans Klocker, der neben Michael Pacher zu den führenden Südtiroler Meistern zählt. Den Abschluss der Präsentation bilden die drei Bischöfe des Abtenauer Altares von Andreas Lackner. Stilistisch dem bayerischen Bildhauer Hans Leinberger verpflichtet, kündigt sich in diesen Figuren voll individueller Ausdruckskraft bereits ein neues Menschenbild der Renaissance an.
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