Zeitgenössische Kunst

Die Sammlung für zeitgenössische Kunst des Belvedere umfasst Strömungen und Entwicklungen in der österreichischen Kunst seit 1970. Derzeit besitzt die Sammlung einen Kernbestand von ca. 1.100 Arbeiten österreichischer und internationaler KünstlerInnen, die durch Dauerleihgaben ergänzt werden, welche langfristig für das Haus gewonnen werden konnten und die wichtige Lücken innerhalb der Sammlung füllen. Diese Sammlung dient als Basis für eine intensive wissenschaftliche Aufarbeitung der österreichischen Kunst im internationalen Kontext des 20. und 21. Jahrhunderts und hat gerade durch die Eröffnung des 21er Haus neue Impulse erhalten, die Sammlungstätigkeit im Bereich der Gegenwartskunst noch weiter auszubauen.

Zeitgenössische Kunst

Seit Mitte der 1960er Jahre des 20. Jahrhunderts setzte eine Differenzierung innerhalb der Kunstproduktion und ihren traditionellen Gattungen ein. So griffen etwa Bruno Gironcoli und Roland Goeschl nicht mehr zu Bronze oder Stein als Material, sondern zu Kunststoff als Werkstoff und zur Bezeichnung „Objekt“ und „Prozess“ eher als Skulptur.
Das Bild hingegen streifte den Rahmen ab. In der malerischen Bewegung des Informel agierten Künstler wie Markus Prachensky und Hans Staudacher spontan und zufällig.


Im Aktionismus wurde der Körper selbst zum Bildträger und Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler projizierten die Verletzungen der Leinwand auf sich selbst. Ihre Aktionen wurden für den Moment konzipiert und durch dokumentierende Medien archiviert. Mit der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper als Projektionsfläche nahmen beispielsweise VALIE EXPORT, Birgit Jürgenssen und Maria Lassnig gesellschaftskritisch patriarchale Blick- und Beurteilungssysteme ins Visier.
Franz West überprüft seit den 1970er Jahren die hegemonialen Ausdrucksweisen und Medienbegriffe im Kunstfeld. Mit seinen „Paßstücken“ wird der Dialog mit dem Betrachter zum integrativen Bestandteil des Werkes.


Während Österreichs Kunst der 1970er Jahre wichtige Beiträge in der Konzept – und Medienkunst etwa mit Gottfried Bechtold, VALIE EXPORT und Peter Weibel leistete, wurde im darauf folgenden Jahrzehnt das Tafelbild wieder präsent. Alois Mosbacher, Hubert Schmalix und Otto Zitko und stellten rasch getünchte, expressive Motive her.


In kritischer Auseinandersetzung mit der Kunst des 20. Jahrhunderts entwickeln die Künstler und Künstlerinnen Sprachen und Sprechformen, die sich mit traditionellen Kunstgattungen und expressiven Tendenzen genauso beschäftigen, wie mit Konzeptkunst, Minimalart, mit Aktionismus und Performance Kunst, Architektur und Design. Die jüngere Generation österreichischer Künstler ist in der Sammlung durch Arbeiten z.B. von und gelatin, Brigitte Kowanz, Lois Renner, Rudolf Stingel, Lois Weinberger und Otto Zitko vertreten. Zu Beginn der 90er Jahre wurden wieder vermehrt die institutionellen Voraussetzungen thematisiert. Für Marcus Geiger, Gerwald Rockenschaub und Heimo Zobernig wurden die Rahmenbedingungen der Ausstellungspräsentation (wie z.B. das Display, Katalog, Inventar) zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung. Postkoloniale Fragestellungen, xenophobe und geschlechtsbezogene Muster in Gesellschaft- und Kunstsystem wurden von Künstlerinnen wie Carola Dertnig, Ines Doujak, Dorit Margreiter und Lisl Ponger thematisiert.


Die jüngste Generation ist in der Sammlung der Gegenwartskunst besonders gut vertreten, da mit Beginn des neuen Jahrtausends die Sammlungsaktivität intensiviert wurde. Mit Anna Artaker, Verena Dengler, Manuel Gorkiewicz, Franz Kapfer, Elke Silvia Krystufek, Michael Part, Matthias Poledna, Florian Pumhösl, Constanze Ruhm, Hans Schabus, Markus Schinwald, Fabian Seiz und Esther Stocker seien einige Namen genannt.


Da die Entwicklungen in der österreichischen Kunst sich immer in einem internationalen Kontext vollziehen und im Belvedere auch so gezeigt werden, erwirbt das Belvedere im Rahmen des Artist-in-Residence Programm und im Zusammenhang mit thematischen Gruppenausstellungen auch relevante Werke internationaler KünstlerInnen. Dazu gehören beispielsweise Monika Baer, Keren Cytter, Roza El Hassan, Julian Göthe, Marcin Maciejowski, David Maljkovic, Jonathan Monk, Monika Schwitte und Amelie von Wulffen.


Dank wichtiger Dauerleihgeber verfügt die Sammlung aber auch über Werke von internationalen Größen wie Richard Artschwager, Marcel Broodthaers, Dan Graham, Sherrie Levine, Paul McCarthy, Gerhard Richter oder Rosemarie Trockel.

 

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