Sammlungen

1650
1800
1500
2016
Mittelalter
Michaelermeister, Madonna vom Sonntagberg, Wien, um 1360
Michaelermeister, Madonna vom Sonntagberg, Wien, um 1360
Pappelholz, originale Grundierung
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Meister von Großlobming, Hl. Georg, Wien (?), Ende 14. Jh.
Meister von Großlobming, Hl. Georg, Wien (?), Ende 14. Jh.
Breitenbrunner Kalksandstein, Fassungsreste Großlobming/Steiermark
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Geburt Christi, Salzburg (?), um 1400
Geburt Christi, Salzburg (?), um 1400
Malerei auf Buchenholz Stift Kremsmünster/Oberösterreich
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Tiroler Maler, Kreuzigung Christi ("Wiltener Kreuzigung"), um 1435
Tiroler Maler, Kreuzigung Christi ("Wiltener Kreuzigung"), um 1435
Malerei auf Fichtenholz 134 x 132 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Meister des Albrechtsaltars, Verkündigung an Joachim, Wien, um 1435/40
Meister des Albrechtsaltars, Verkündigung an Joachim, Wien, um 1435/40
Malerei auf Fichtenholz 96 x 61,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Znaimer Altar, Schnitzreliefs der Passion Christi, Wien, um 1440/45
Znaimer Altar, Schnitzreliefs der Passion Christi, Wien, um 1440/45
Lindenholz mit originaler Fassung Znaim/Znojma in Südmähren
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Conrad Laib, Kreuzigung Christi, Salzburg, 1449
Conrad Laib, Kreuzigung Christi, Salzburg, 1449
Malerei auf Fichtenholz
Meister des Schottenaltars, Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1470
Meister des Schottenaltars, Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1470
Malerei auf Eichenholz Vom ehem. Hochaltar der Wiener Schottenkirche
Rueland Frueauf der Ältere, Verkündigung an Maria, 1490/91
Rueland Frueauf der Ältere, Verkündigung an Maria, 1490/91
Eine Tafel des Salzburger Altars Malerei auf Fichtenholz
Michael Pacher, Papst Sixtus II. nimmt Abschied vom hl. Laurentius, um 1465
Michael Pacher, Papst Sixtus II. nimmt Abschied vom hl. Laurentius, um 1465
Malerei auf Zirbenholz 104 x 100 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Michael Pacher, Geißelung Christi, vor 1447/98
Michael Pacher, Geißelung Christi, vor 1447/98
Salzburger Altar Malerei auf Zirbenholz
Hans Klocker, Maria einer Anbetungsgruppe, Südtirol, um 1485/90
Hans Klocker, Maria einer Anbetungsgruppe, Südtirol, um 1485/90
Zirbenholz, gefasst und vergoldet 114 x 67 x 50 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Andreas Lackner, Thronender Hl. Blasius mit den Hll. Rupert und Maximilian, 1518
Andreas Lackner, Thronender Hl. Blasius mit den Hll. Rupert und Maximilian, 1518
Schreingruppe des Abtenauer Altars Lindenholz gefasst und vergoldet 118 x 38 x 19 cm (Hl. Rupert), 134 x 65,5 x 23 cm (Hl. Blasius), 118 x 36 x 19 cm (Hl. Maximilian)
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

International herausragende Tafelbilder und Skulpturen des späten Mittelalters stehen im Zentrum der Präsentation im Oberen Belvedere. Alle übrigen kostbaren Werke der Sammlung sind im 2007 eingerichteten Schaudepot Schatzhaus Mittelalter im Prunkstall des Unteren Belvedere zu sehen. Somit bietet das Museum erstmals in seiner Geschichte einen vollständigen Überblick über eine der bedeutendsten Mittelaltersammlungen des zentraleuropäischen Raums.

Zu den Sammlungen des Belvedere zählen international herausragende Werke der spätgotischen Bildhauerkunst und Tafelmalerei, die einen Überblick über die wichtigsten künstlerischen Entwicklungen vom Internationalen Stil um 1400 bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts bieten. Unter den im Oberen Belvedere gezeigten Meisterwerken finden sich exquisite Skulpturen des Schönen Stils, der imposante Znaimer Altar sowie Hauptwerke von u. a. Conrad Laib, dem Wiener Schottenmeister, Rueland Frueauf d. Ä. und Michael Pacher.

Den Auftakt zur Präsentation bildet eine Skulpturengalerie mit Arbeiten des Meisters von Großlobming, eines führenden, wahrscheinlich in Wien um 1400 tätigen Bildhauers der Internationalen Gotik. Zu den bedeutendsten Wiener Tafelmalern der nächsten Generation zählt der Meister des Albrechtsaltars, dessen Darstellung der Verkündigung an Joachim (um 1435/40) ein bemerkenswert frühes Beispiel für die Wiedergabe eines Lichtphänomens in der Natur ist.
Beeindruckend in seiner Monumentalität und der expressiven Ausdruckskraft ist der Znaimer Altar, der vermutlich in den 1440er-Jahren in Wien entstanden ist und noch seine originale Farbfassung aufweist. Auch die großformatige Kreuzigungstafel von Conrad Laib aus dem Jahre 1449, ein Hauptwerk des in Salzburg tätigen Malers, zeichnet sich durch die naturgetreue Wiedergabe von Einzelheiten und eine drastische Darstellung der Passion Christi aus.

Zu den Meisterwerken der nächsten Generation zählen Tafeln des berühmten Schottenaltars, des größten und bedeutendsten Werks der spätgotischen Malerei in Wien. Neue Maßstäbe setzte schließlich der große Südtiroler Meister Michael Pacher mit perspektivischen Bildräumen und kunstvoll inszenierten Szenen, die von einer direkten Auseinandersetzung mit italienischen Vorbildern zeugen. Zu sehen sind Gemälde von Pachers frühem Laurentiusaltar und seinem späten Salzburger Altar, dem ehemals größten und teuersten aller bekannten Flügelaltäre des Alpenraums.

Ein prominentes Beispiel für die hoch entwickelte Schnitzkunst der Zeit ist die Figurengruppe Maria und Josef eines Weihnachtsaltars (?) von Hans Klocker, der wie Michael Pacher zu den führenden Südtiroler Meistern zählt. Den Abschluss der Präsentation bilden die drei Bischöfe des Abtenauer Altars von Andreas Lackner. Stilistisch dem bayerischen Bildhauer Hans Leinberger verpflichtet, kündigt sich in diesen Figuren voll individueller Ausdruckskraft bereits das neue Menschenbild der Renaissance an.
 

Schaudepot im Prunkstall
Romanischer Kruzifixus
Romanischer Kruzifixus
Tirol, um 1200 Erlenholz Aus Stummerberg im Zillertal
Ausstellungsort: Prunkstall
Meister von Großgmain, Hl. Ambrosius, 1498
Meister von Großgmain, Hl. Ambrosius, 1498
Malerei auf Tannenholz Vermutlich aus Großgmain / Salzburg
Ausstellungsort: Prunkstall
Hans Klocker, Hl. Leonhard, Südtirol, um 1485
Hans Klocker, Hl. Leonhard, Südtirol, um 1485
Zirbenholz, gefasst
Ausstellungsort: Prunkstall
Meister der Habsburger, Anbetung der hl. Drei Könige (Fragment), Tirol, um 1500
Meister der Habsburger, Anbetung der hl. Drei Könige (Fragment), Tirol, um 1500
Malerei auf Tannenholz
Ausstellungsort: Prunkstall
Sigismund „der Münzreiche“, Erzherzog von Tirol, um 1480/90
Sigismund „der Münzreiche“, Erzherzog von Tirol, um 1480/90
Innsbrucker Hofmaler (Ludwig Konraiter ?) Malerei auf Fichtenholz
Ausstellungsort: Prunkstall
Meister der Oswaldlegende, Überführung der Gebeine des Hl. Oswald, Steiermark, um 1480/85
Meister der Oswaldlegende, Überführung der Gebeine des Hl. Oswald, Steiermark, um 1480/85
Malerei auf Tannenholz St. Oswald in Eisenerz
Ausstellungsort: Prunkstall
Lienhart Scherhauff (Leonhard von Brixen), Anbetung der Könige, Südtirol, um 1460
Lienhart Scherhauff (Leonhard von Brixen), Anbetung der Könige, Südtirol, um 1460
Malerei auf Zirbenholz
Ausstellungsort: Prunkstall
Friedrich Pacher, Hl. Dreifaltigkeit zwischen den hll. Markus und Antonius Eremita, nach 1483
Friedrich Pacher, Hl. Dreifaltigkeit zwischen den hll. Markus und Antonius Eremita, nach 1483
175,5 x 151,5 cm Rahmenmaße: 176 x 151,6 x 7 cm
Ausstellungsort: Prunkstall
Maria auf der Mondsichel, Steiermark (?), um 1430
Maria auf der Mondsichel, Steiermark (?), um 1430
Lindenholz, gefasst
Ausstellungsort: Prunkstall
Meister der St. Lambrechter Votivtafel, Kreuzigung Christi, Wien, um 1430
Meister der St. Lambrechter Votivtafel, Kreuzigung Christi, Wien, um 1430
Malerei auf Nadelholz 75 x 52 cm
Ausstellungsort: Prunkstall
Obervellacher Altar, um 1400
Obervellacher Altar, um 1400
Malerei auf Nadelholz Aus Obervellach im Mölltal/Kärnten
Ausstellungsort: Prunkstall
Marx Reichlich, Hl. Mauritius, Salzburg, Anfang 16. Jh.
Marx Reichlich, Hl. Mauritius, Salzburg, Anfang 16. Jh.
Malerei auf Fichtenholz Stift St. Peter in Salzburg
Ausstellungsort: Prunkstall

Das barocke Architekturjuwel im Unteren Belvedere, in dem der ehemalige Hausherr Prinz Eugen von Savoyen seine Leibpferde untergebracht hatte, wurde im Jahre 2007 durch die Berliner Architekten Kuehn Malvezzi als Schaudepot adaptiert. Es bietet heute neue Einblicke in die sakrale Kunst des Mittelalters. Regelmäßig finden hier auch Studienausstellungen statt, die aktuelle Restaurierungen und Forschungen zu herausragenden Werken präsentieren. Mit dieser Einrichtung geht das Belvedere neue Wege hin zu einer Öffnung der gesamten Mittelalterbestände für das Publikum.
Im Prunkstall des Prinzen Eugen sind Meisterwerke der Tafelmalerei, Skulpturen und gotische Flügelaltäre in einer dichten Präsentation versammelt, darunter einer der frühesten österreichischen Altäre dieser Art: der um 1400 entstandene Obervellacher Altar. Neben Arbeiten bekannter Meister wie Friedrich Pacher oder Hans Klocker finden sich zahlreiche kostbare Werke von meist anonymen Malern und Bildhauern. Zeitlich spannt sich der Bogen vom romanischen Kruzifix bis ins frühe 16. Jahrhundert, wobei der Schwerpunkt auf der spätgotischen Malerei und Bildhauerkunst liegt.
Das Schaudepot Schatzhaus Mittelalter bietet die Möglichkeit zur nahen Betrachtung und zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Kunstwerken. Im Rahmen von Seminaren, Führungen und Schülerprogrammen wird der Dialog mit Besuchern und Spezialisten gesucht, und Experten wie Studierende haben erstmals direkten Zugang zu den einzigartigen Objekten dieses Sammlungsbereichs.
 

 

Barock
Daniel Gran, Aufnahme Dianas in den Olymp, 1732
Daniel Gran, Aufnahme Dianas in den Olymp, 1732
Öl auf Leinwand 76 x 110 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Johann Michael Rottmayr, Susanna und die beiden Alten, um 1692
Johann Michael Rottmayr, Susanna und die beiden Alten, um 1692
Öl auf Leinwand 118 x 169 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
 Martino Altomonte, Susanna und die beiden Alten, 1709
Martino Altomonte, Susanna und die beiden Alten, 1709
Öl auf Leinwand 131 x 107 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Christoph Janneck, Unterhaltung im Freien mit Tanz, um 1740
Franz Christoph Janneck, Unterhaltung im Freien mit Tanz, um 1740
Öl auf Holz 41 x 62 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Martin Johann Schmidt, Heiliger Martin, 1772
Martin Johann Schmidt, Heiliger Martin, 1772
Öl auf Leinwand 273 x 145
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Veit Königer, Herkules tötet Cacus, 1754
Veit Königer, Herkules tötet Cacus, 1754
Holz Höhe: 49cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Anton Grassi, Skulpturengruppe (6-figurig): Bacchische Szene, 1781
Anton Grassi, Skulpturengruppe (6-figurig): Bacchische Szene, 1781
Biskuitporzellan 42x33x28 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Joseph Roos der Ältere, Landschaft mit weidendem Vieh, 1766
Joseph Roos der Ältere, Landschaft mit weidendem Vieh, 1766
Öl auf Holz 38 x 54,7 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Vinzenz Fischer, Triumphzug durch den Titusbogen, 1791
Vinzenz Fischer, Triumphzug durch den Titusbogen, 1791
Öl auf Leinwand 52 x 74 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Anton Maulbertsch, heilige Sippe, um 1752/53
Franz Anton Maulbertsch, heilige Sippe, um 1752/53
Öl auf Leinwand 127 x 90 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Paul Troger, Apostel Andreas, um 1738
Paul Troger, Apostel Andreas, um 1738
Öl auf Leinwand 123 x 93 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Vinzenz Fischer, Allegorie auf die Übertragung der kaiserlichen Galerie in das Belvedere, 1781
Vinzenz Fischer, Allegorie auf die Übertragung der kaiserlichen Galerie in das Belvedere, 1781
Öl auf Leinwand 57 x 47 cm
Ausstellungsort: Winterpalais

Die Sammlung des Belvedere vermittelt ein beeindruckendes Bild der Kunstproduktion des Barock in den Gebieten der ehemaligen Habsburgermonarchie. Insbesondere das 18. Jahrhundert ist durch Gemälde und Skulpturen in beinahe enzyklopädischer Form vertreten. Als prominentes Aushängeschild gelten sicherlich die Studienköpfe des Franz Xaver Messerschmidt. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Werke von Künstlern, die an der Wiener Akademie studiert oder gelehrt haben.

Im 17. Jahrhundert erlangten im Gebiet des heutigen Österreich vor allem internationale Künstler großes Renommee. Erst gegen Ende des Jahrhunderts kann man von einer österreichischen Malerei des Hochbarock sprechen, die gleichzeitig stark italienisch geprägt war. Zu den prominenten Vertretern zählen neben Martino Altomonte insbesondere die Schüler des Deutschvenezianers Johann Carl Loth, darunter Johann Michael Rottmayr, Hans Adam Weissenkircher, Johann Carl von Reslfeld und nicht zuletzt Peter Strudel, der in seiner Zeit ein gefeierter Maler war und eine Protoakademie gründete, um die Ausbildung junger Künstler sicherzustellen. Aus jener Akademie, an der Spezialisten aller Genres lehrten, ging später die Wiener Akademie der bildenden Künste hervor.

Diese Institution wurde ab dem 18. Jahrhundert für die Kunst im Habsburgerreich prägend. An ihr wirkten Maler wie Jacob van Schuppen, Martin van Meytens, Paul Troger, Friedrich Heinrich Füger oder Johann Baptist Lampi d. Ä. als Professoren und Rektoren. Zu den prominentesten Absolventen zählt gewiss Franz Anton Maulbertsch, dessen expressiver Stil mit der Tradition brach und der später größte Popularität erlangen sollte.

Weitere wichtige Maler dieser Zeit waren die Brüder Franz Anton und Franz Xaver Karl Palko, Franz Sigrist d. Ä., Josef Ignaz Mildorfer oder der heute schwer fassbare Franz Anton Schunko. Viele der Absolventen der Wiener Akademie strömten in weite Teile der Habsburgermonarchie aus und sorgten so für eine Verbreitung des in Wien Praktizierten und Erlernten.

In Skulptur und Plastik zählte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach dem Ableben von Paul Strudel Georg Raphael Donner zu den herausragenden und prägenden Persönlichkeiten. Er gehörte zwar nie der Akademie an, doch sein Stil wurde an dieser Institution von seinem jüngeren Bruder Matthäus verbreitet. Darüber hinaus waren Giovanni Giuliani und Lorenzo Mattielli die wichtigsten in Österreich tätigen Meister. Später zählten Balthasar Ferdinand Moll, Franz Xaver Messerschmidt sowie Friedrich Wilhelm Beyer zu den – vor allem vom Kaiserhaus – bevorzugten Bildhauern. Auch Johann Georg Dorfmeister, Johann Baptist Hagenauer und die Dynastie der Schwanthaler waren wichtige Vertreter vor allem in Bezug auf die österreichische Skulptur des Barock.

Die vielfältige Verwendung von Kunst im Barock bedingte auch eine Spezialisierung der Künstler in den verschiedenen Genres. Während die einen – Bildhauer wie Maler – im Porträtfach reüssieren konnten, fanden andere vorwiegend in der Ausstattung von Kirchen, Klöstern oder Schlössern Beschäftigung. An diese großen Fresken- und Altarbildaufträge erinnern in der Sammlung des Belvedere zahlreiche Ölskizzen.

Auch einige Landschaftsmaler gelangten zu Höchstleistungen. Johann Christian Brand hat auf diesem Gebiet eine besondere Stellung, da er sich nicht nur um die Entwicklung der realen Landschaftsdarstellung, des Landschaftsporträts, verdient machte, sondern durch seine Lehrtätigkeit an der Wiener Akademie auch die Weichen für die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts stellte. Eine wesentliche Aufgabe für Maler und Bildhauer des Barock war die künstlerische Ausstattung von Kirchen und Klöstern. Meister wie Paul Troger und Martin Johann Schmidt, genannt der Kremser Schmidt, aber auch Franz Anton Maulbertsch schufen gerade in diesem Bereich ihre herausragendsten Werke. Das barocke Prinzip des harmonischen Zusammenwirkens der einzelnen Künste kann anhand der Schlosskapelle im Oberen Belvedere mit dem Altarblatt von Francesco Solimena und den Fresken von Carlo Innocenzo Carlone nachvollzogen werden.
 

Franz Xaver Messerschmidt
Franz Xaver Messerschmidt, Zweiter Schnabelkopf, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Zweiter Schnabelkopf, nach 1770
Gipsalabaster Höhe 43 cm Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe"
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Der Schaafkopf, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Der Schaafkopf, nach 1770
Gipsalabaster Höhe 41 cm Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe"
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Ein Erzbösewicht, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Ein Erzbösewicht, nach 1770
Zinn-Blei-Legierung Höhe 38,5 cm Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe"
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Ein Schalksnarr, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Ein Schalksnarr, nach 1770
Gipsalabaster Höhe 34 cm Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe“
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Ein absichtlicher Schalksnarr, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Ein absichtlicher Schalksnarr, nach 1770
Gipsalabaster Höhe 42 cm Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe"
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Ein abgezehrter Alter mit Augenschmerzen, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Ein abgezehrter Alter mit Augenschmerzen, nach 1770
Gipsalabaster Höhe 44,5 cm Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe"
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Ein starker Arbeiter, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Ein starker Arbeiter, nach 1770
Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe“
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen (1708-1765), vor 1766
Franz Xaver Messerschmidt, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen (1708-1765), vor 1766
Zinn-Kupfer-Legierung Höhe 216 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Ein starker Arbeiter, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Ein starker Arbeiter, nach 1770
Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe“
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Ein alter fröhlicher Lächler, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Ein alter fröhlicher Lächler, nach 1770
Holz mit Wachsauflage Höhe 36 cm Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe"
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz Xaver Messerschmidt, Gerard van Swieten (Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, 1770-1772), 1769
Franz Xaver Messerschmidt, Gerard van Swieten (Leibarzt der Kaiserin Maria Theresia, 1770-1772), 1769
Blei-Zinn-Legierung, vergoldet Höhe 66 cm
Franz Xaver Messerschmidt, Ein Erhängter, nach 1770
Franz Xaver Messerschmidt, Ein Erhängter, nach 1770
Gipsalabaster Höhe 38 cm Aus der Serie der sogenannten "Charakterköpfe"
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

Der aus Schwaben stammende Franz Xaver Messerschmidt ist einer der faszinierendsten Bildhauer der Aufklärung. Er arbeitete in Wien mit großem Erfolg für das Kaiserhaus unter Maria Theresia. Als einer der ersten Künstler seiner Zeit bricht Messerschmidt mit dem überlieferten Schema des repräsentativen barocken Porträts zugunsten des Klassizismus. Um 1770 kommt es durch eine persönliche Krise zur Radikalisierung seiner Arbeit und Lebensumstände, wodurch seine bekannteste Werkgruppe, die heute als Charakterköpfe bekannten Studienköpfe,
Aus einfachen Verhältnissen stammend, erlernt der 1736 geborene Messerschmidt das Bildhauerhandwerk bei seinem Onkel, dem Münchner Hofbildhauer Johann Baptist Straub. Nach dem Akademiestudium in Wien findet er eine Anstellung als Stuckverschneider im kaiserlichen Zeughaus in der Wiener Renngasse.
Die vergoldeten Bronzebüsten von Maria Theresia und Franz I. Stephan von Lothringen für den dortigen Kaisersaal sind sein erster großer Auftrag. Messerschmidts frühe Werke, die Statuen des Kaiserpaares, die Reliefs Josephs II. und seiner Gemahlin sowie die vergoldete Bronzebüste Gerard van Swietens, erfüllen alle Aufgaben eines barocken Repräsentationsporträts und zeigen sich eingebunden in die künstlerische Tradition Wiens.
Ab Anfang der 1770er-Jahre weichen Schwung und Pathos des Barock kühler Strenge und schonungsloser Präzision in der Wiedergabe der Erscheinung. Mit seiner aggressiven Charakterisierungskunst bereitet Messerschmidt den Weg für die Wahrheit in der Menschendarstellung. Zu diesem vollständigen Bruch mit der künstlerischen Tradition kommt es in diesen Jahren wohl aufgrund der entscheidenden Veränderung seiner Lebensumstände. Seine Krankheit, sein Scheitern an der Akademie und der Verlust der Auftraggeber treiben Messerschmidt in die Isolation. Er zieht nach Pressburg (Bratislava), wo seine heute berühmteste Werkgruppe entsteht, die als Charakterköpfe bekannten Studienköpfe.
Mit großer Intensität arbeitet Messerschmidt an den insgesamt 69 meist stark grimassierenden Köpfen, die er in Gesprächen als seine Portreen bezeichnet. Die Bandbreite der Köpfe reicht von natürlich wirkenden antikisierenden Köpfen bis zu übersteigerten, ausdrucksstarken Mimikern, die in extremer Anstrengung nicht nachvollziehbare Gemütsbewegungen veräußerlichen. Das Belvedere besitzt mit 16 Originalköpfen nicht nur die weltweit größte Sammlung aus dieser Werkgruppe, sondern auch zahlreiche Gipsabgüsse von den insgesamt 54 der Nachwelt erhaltenen Arbeiten. Im Jahre 1783 stirbt Messerschmidt in Pressburg.
 

Klassizismus | Romantik
Friedrich Heinrich Füger, Schauspielerin Josepha Hortensia Füger geb. Müller (1766-1807), die Frau des Künstlers, um 1797
Friedrich Heinrich Füger, Schauspielerin Josepha Hortensia Füger geb. Müller (1766-1807), die Frau des Künstlers, um 1797
Öl auf Leinwand 113 x 88,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Angelika Kauffmann, Lord John Simpson, Vater von Maria Susanna, Lady Ravensworth, 1773
Angelika Kauffmann, Lord John Simpson, Vater von Maria Susanna, Lady Ravensworth, 1773
Öl auf Leinwand 127 x 101,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Jacques-Louis David, Napoleon am Großen St. Bernhard, 1801
Jacques-Louis David, Napoleon am Großen St. Bernhard, 1801
Öl auf Leinwand 275 x 232 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Joseph von Führich, Waldesruh (Madonna mit Kind, Heiliger Adelheid und heiligem Franziscus), 1835
Joseph von Führich, Waldesruh (Madonna mit Kind, Heiliger Adelheid und heiligem Franziscus), 1835
Öl auf Leinwand 134 x 100 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Moritz von Schwind, Kaiser Maximilian I. in der Martinswand, um 1860
Moritz von Schwind, Kaiser Maximilian I. in der Martinswand, um 1860
Öl auf Holz 60 x 43 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff, Die tote heilige Caecilia (Römische Fassung), 1820/21
Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff, Die tote heilige Caecilia (Römische Fassung), 1820/21
Öl auf Leinwand 146 x 193 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Josef Anton Koch, Berner Oberland, 1815
Josef Anton Koch, Berner Oberland, 1815
Öl auf Leinwand 70 x 89 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Caspar David Friedrich, Felsenlandschaft im Elbsandsteingebirge, um 1822/23
Caspar David Friedrich, Felsenlandschaft im Elbsandsteingebirge, um 1822/23
Öl auf Leinwand 94 x 74 cm
Jacob Philipp Hackert, Großer Wasserfall von Tivoli bei Rom, 1790
Jacob Philipp Hackert, Großer Wasserfall von Tivoli bei Rom, 1790
Öl auf Leinwand 126 x 171 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Joseph Rebell, Hafen Granatella bei Portici (Neapel) mit dem Vesuv im Hintergrund, 1819
Joseph Rebell, Hafen Granatella bei Portici (Neapel) mit dem Vesuv im Hintergrund, 1819
Öl auf Leinwand 98 x 137 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
François Pascal Simon Gérard, Reichsgraf Moritz Christian Fries und seine Familie, um 1804
François Pascal Simon Gérard, Reichsgraf Moritz Christian Fries und seine Familie, um 1804
Öl auf Leinwand 223 x 163,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld, Breite Föhre nächst der Brühl bei Mödling, 1838
Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld, Breite Föhre nächst der Brühl bei Mödling, 1838
Öl auf Leinwand 66 x 112 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

Seinen Ausgangspunkt fand der Klassizismus in Italien, richtungweisende Impulse erhielt er aus der französischen Malerei. Die Künstler wandten sich bewusst von der bewegten, überbordenden Formensprache des Barock ab und strebten nach Ruhe im Ausdruck und Klarheit in der Silhouette.
Neben Werken der Hauptvertreter des Klassizismus Jacques-Louis David und François Gérard besitzt das Belvedere auch Arbeiten von bedeutenden Künstlern wie Josef Rebell, Jakob Philipp Hackert, Angelika Kauffmann und Friedrich Heinrich Füger.
Historische und literarische Themen waren im Klassizismus sehr beliebt, demgemäß genoss die Historienmalerei höchste Achtung. Aber auch aktuelle Ereignisse fanden ihren Niederschlag, zunächst in der französischen Malerei, die damit den propagandistischen Ambitionen Napoleons entgegenkam. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Reiterdarstellung Napoleon am Großen St. Bernhard von Jacques-Louis David (1801).
Ungefähr zur selben Zeit entstand auch das Familienporträt Moritz Christian Reichsgraf von Fries mit seiner Frau Maria Theresia Josefa und dem Sohn Moritz (um 1804) des französischen Künstlers François Gérard. Das großformatige Gemälde steht mit seinen klaren, kräftigen Farben und der straffen Linienführung im Gegensatz zur englischen Maltradition, deren Formensprache sich über einen schwungvollen Farbauftrag definiert und in der Ausführung eher andeutend als beschreibend ist. Angelika Kauffmann, die viele Jahre in England lebte, vermittelt diesen Malstil im Porträt von John Simpson (1773), einer ihrer vorzüglichsten Personendarstellungen.
Die vielseitigste österreichische Künstlerpersönlichkeit in der Zeit um 1800 war Friedrich Heinrich Füger. Er war Direktor der Wiener Kunstakademie, anschließend leitete er die Kaiserliche Gemäldegalerie im Belvedere. Bei seinen Zeitgenossen erlangte er durch die Historienmalerei Bedeutung, die Nachwelt aber schätzt ihn vor allem wegen seiner Porträtdarstellungen. Das Gemälde seiner Frau, der Schauspielerin Josefa Hortensia Füger (um 1797), zeigt, wie sensibel der Maler die Persönlichkeit seines Modells hervorkehrte und nebenbei auch die damals gängige Darstellungsform der westeuropäischen Porträtmalerei aufgriff und in seine persönliche Formensprache übersetzte.
Die Hinwendung zur wahrheitsgetreuen Wiedergabe des Gesehenen ist im ausgehenden 18. Jahrhundert insbesondere in der Landschaftsmalerei erkennbar. So strebte etwa der Italienreisende Jakob Philipp Hackert bereits früh nach der Wiedererkennbarkeit des dargestellten Naturausschnitts, wie sein Werk Wasserfälle von Tivoli (1790) zeigt. Mit im hellen Tageslicht wiedergegebenen und von Sonnenlicht durchfluteten Ansichten der Gegend um Neapel leitete Josef Rebell wenige Jahre später bereits zur realistischen Landschaftsmalerei in der sogenannten Biedermeierzeit über.
Die romantischen Strömungen des beginnenden 19. Jahrhunderts sind im Belvedere durch mehrere bedeutende Werke vertreten. Die vorzüglich gemalten Landschaftsdarstellungen von Caspar David Friedrich, einem der Hauptvertreter der Romantik, sind nicht auf das Abbild der Umwelt beschränkt, sondern versuchen, das Verhältnis von Mensch und Natur auszuloten. So sind die turmförmig hochragenden Sandsteinsäulen in der 1822/23 gemalten Felsenlandschaft im Elbsandsteingebirge dramatisch überhöht, wodurch die Fläche im Vordergrund unwegsam und gefahrvoll erscheint.
Der Tiroler Künstler Josef Anton Koch versuchte dagegen, die göttliche Schöpfung in seinen Naturdarstellungen zu bannen, wie das Gemälde Berner Oberland (1815) zeigt. Mit seiner Überführung der klassischen Ideallandschaft in die heroische Berglandschaft wollte er, wie er selbst sagte, eine totale Vorstellung geben von dem Alpenwesen.
In eine andere Richtung führte das Gedankengut einer Gruppe junger Künstler, der Nazarener. 1809 hatten sie sich in Wien zum Lukasbund zusammengeschlossen, ihr Streben richtete sich gegen die akademischen Prinzipien, sie verweigerten das Zeichnen nach den Antiken und lehnten den Kolorismus des Barock ab. Die Gruppe orientierte sich an mittelalterlichen Idealen, widmete sich der italienischen Malerei der Frührenaissance und nahm Künstler wie Albrecht Dürer und Raffael zum Vorbild. Ihre Mitglieder strebten nach Beruhigung in der Komposition und im Ausdruck. Dabei konzentrierten sie sich auf religiöse Sujets und versuchten, Glaubensinhalte im Bild empfindbar zu machen. 1810 brachen sie nach Rom auf. Einer ihrer Anhänger war der viel zu jung verstorbene Wiener Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff, dessen Tote heilige Caecilia ein Hauptwerk der österreichischen Nazarener darstellt.
Künstler wie Josef von Führich, Leopold Kupelwieser, Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld und Moritz von Schwind bildeten eine Schnittstelle zwischen der religiösen Romantik und der Historienmalerei. Um die Stellung des 1804 begründeten österreichischen Kaiserreichs zu festigen, wählten sie Themen aus der Geschichte der Habsburger, die eine enge Verknüpfung zwischen dem Erzhaus und der katholischen Kirche verdeutlichten. Häufig dargestellt wurden etwa der Stammvater Rudolf von Habsburg sowie Kaiser Maximilian I.

Ferdinand Georg Waldmüller
Ferdinand Georg Waldmüller, Ein Mädchen schmückt die Mutter Gottes mit einer Rose, 1836
Ferdinand Georg Waldmüller, Ein Mädchen schmückt die Mutter Gottes mit einer Rose, 1836
Öl auf Holz 55,5 x 44,5 cm
Ferdinand Georg Waldmüller, Der fürstlich Esterházysche Rat Mathias Kerzmann mit seiner zweiten Gattin, geb. Gräfin Majlath, und seiner Tochter Maria, 1835
Ferdinand Georg Waldmüller, Der fürstlich Esterházysche Rat Mathias Kerzmann mit seiner zweiten Gattin, geb. Gräfin Majlath, und seiner Tochter Maria, 1835
Öl auf Leinwand 205 x 158 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Selbstporträt in jungen Jahren, 1828
Ferdinand Georg Waldmüller, Selbstporträt in jungen Jahren, 1828
Öl auf Leinwand 95,2 x 75,2 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Abschied der Patin/ Nach der Firmung, 1859
Ferdinand Georg Waldmüller, Abschied der Patin/ Nach der Firmung, 1859
Öl auf Holz 80,5 x 61 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Vorfrühling im Wienerwald, 1861
Ferdinand Georg Waldmüller, Vorfrühling im Wienerwald, 1861
Öl auf Holz 52 x 65,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Am Fronleichnamsmorgen, 1857
Ferdinand Georg Waldmüller, Am Fronleichnamsmorgen, 1857
Öl auf Holz 65 x 82 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Erschöpfte Kraft, 1854
Ferdinand Georg Waldmüller, Erschöpfte Kraft, 1854
Öl auf Leinwand 63 x 75 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Große Praterlandschaft, 1849
Ferdinand Georg Waldmüller, Große Praterlandschaft, 1849
Öl auf Holz 70 x 93 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Ruine Liechtenstein bei Mödling, 1848
Ferdinand Georg Waldmüller, Ruine Liechtenstein bei Mödling, 1848
Öl auf Leinwand 55,5 x 68 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Traubengehänge, 1841
Ferdinand Georg Waldmüller, Traubengehänge, 1841
Öl auf Leinwand 39 x 48 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Stillleben mit Prunkpokal, 1839
Ferdinand Georg Waldmüller, Stillleben mit Prunkpokal, 1839
Öl auf Holz 63,8 x 50 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Philippine Böhmer (Mädchen mit Strohhut), 1824 - 1828
Ferdinand Georg Waldmüller, Philippine Böhmer (Mädchen mit Strohhut), 1824 - 1828
Öl auf Leinwand 54 x 41 cm Dauerleihgabe aus Privatbesitz

1793 Wien ? 1865 Hinterbrühl bei Wien
 
Waldmüller ist der bedeutendste österreichische Künstler des 19. Jahrhunderts. Sein Name wird fortwährend mit der sogenannten Biedermeierzeit in Verbindung gebracht, doch weist er nicht nur zeitlich, sondern auch durch den Realismus in seinen Darstellungen und durch die Kraft in der Bildaussage weit über diese Epoche hinaus. Jene Werke, die Waldmüllers internationale Bedeutung begründeten – etwa der Fronleichnamsmorgen (1857) oder Vorfrühling im Wienerwald (1861) – sind lange nach dem Ende der Biedermeierzeit entstanden.
Waldmüller war in allen damals wesentlichen Darstellungsbereichen führend. Von seiner Hand stammen bedeutende Porträts, Landschaftsansichten, Genreszenen und Stillleben. Ob in der Eroberung der Landschaft und der daraus resultierenden glaubhaften Wiedergabe von Nähe und Ferne, in der treffenden Charakterisierung des menschlichen Gesichts, in der detailgetreuen, fein erarbeiteten Zeichnung von stofflichen Details oder in der launigen Schilderung des Bauernalltags – immer waren seine Werke richtungsweisend. Waldmüller ist schildernd, erklärend, moralisierend und sozialkritisch zugleich. In seinen späten Jahren wuchs der Meister sogar über sich selbst hinaus, indem er die Genremalerei in einen neuen Bereich überführte und sie mit der Naturdarstellung zur harmonischen Einheit verwob.
Das Belvedere beherbergt die weltweit größte Sammlung von Gemälden Waldmüllers. Überdies ist das Museum im Besitz des Waldmüller-Archivs und konzentriert durch die fortwährend intensive Beschäftigung das Wissen um das Werk dieses Malers.
Waldmüller war in jedem der damals wichtigen Darstellungsbereiche führend. Von seiner Hand stammen die bedeutendsten Porträts, Landschaftsansichten, Genreszenen und Stillleben. Ob in der Eroberung der Landschaft und in der daraus resultierenden glaubhaften Wiedergabe von Nähe und Ferne, ob in der treffenden Charakterisierung des menschlichen Gesichtes, ob in einer detailgetreuen, fein erarbeiteten Zeichnung von stofflichen Details oder in der launigen Schilderung des Bauernalltags, immer sind es seine Werke, die richtungweisend waren. Waldmüller ist schildernd, erklärend, moralisierend und sozialkritisch zugleich. In seinen späten Jahren wuchs der Meister sogar über sich selbst hinaus, indem er die Genremalerei in einen neuen Bereich überführte und sie mit der Naturdarstellung zur harmonischen Einheit verwob.
 
Das Belvedere ist im Besitz der weltweit größten Sammlung von Waldmüller-Bildern. Außerdem ist das Museum im Besitz des Waldmüller-Archivs und konzentriert durch die fortwährend intensive Beschäftigung das meiste Wissen um die Werke dieses Malers.
 

Biedermeier
Friedrich von Amerling, Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav, 1837
Friedrich von Amerling, Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav, 1837
Öl auf Leinwand 221 x 155 cm
Friedrich von Amerling, Lautenspielerin, 1838
Friedrich von Amerling, Lautenspielerin, 1838
Öl auf Leinwand 99 x 82 cm Leihgabe der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, Wien
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Georg Waldmüller, Selbstporträt in jungen Jahren, 1828
Ferdinand Georg Waldmüller, Selbstporträt in jungen Jahren, 1828
Öl auf Leinwand 95,2 x 75,2 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Friedrich Loos, Blick vom Salzburger Mönchsberg auf die Festung Hohensalzburg, 1826-1835
Friedrich Loos, Blick vom Salzburger Mönchsberg auf die Festung Hohensalzburg, 1826-1835
Öl auf Karton 30 x 40,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Friedrich Gauermann, Altausseer See mit dem Dachstein, um 1827
Friedrich Gauermann, Altausseer See mit dem Dachstein, um 1827
Öl auf Leinwand 44 x 57 cm
Michael Neder, Kutscherstreit, 1828
Michael Neder, Kutscherstreit, 1828
Öl auf Leinwand 58 x 71 cm
Josef Danhauser, Reicher Prasser, 1836
Josef Danhauser, Reicher Prasser, 1836
Öl auf Leinwand 84 x 131 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Peter Fendi, Mädchen vor dem Lotteriegewölbe, 1829
Peter Fendi, Mädchen vor dem Lotteriegewölbe, 1829
Öl auf Leinwand 63 x 50 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Johann Knapp, Jacquins Denkmal, 1821/22
Johann Knapp, Jacquins Denkmal, 1821/22
Öl auf Leinwand 218 x 164 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Rudolf von Alt, Stephansdom in Wien, 1832
Rudolf von Alt, Stephansdom in Wien, 1832
Öl auf Leinwand 46 x 57,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Johann Baptist Reiter, Schlummernde Frau (Die erste Frau des Malers, Anna Maria Reiter?), 1849
Johann Baptist Reiter, Schlummernde Frau (Die erste Frau des Malers, Anna Maria Reiter?), 1849
Öl auf Leinwand 55 x 68 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Eugène Delacroix, Blumenstillleben, um 1834
Eugène Delacroix, Blumenstillleben, um 1834
Öl auf Leinwand 74 x 92,8
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

Die historische Epoche des Biedermeier umfasst den Zeitraum zwischen dem Wiener Kongress 1814/15 und dem Revolutionsjahr 1848. Die Malerei, die dieser Epoche zugeordnet wird, reicht bis in die 1860er-Jahre hinein. Die Gemälde sind geprägt vom Streben nach einer wirklichkeitsgetreuen Schilderung des Gesehenen und werden deshalb als Biedermeier-Realismus bezeichnet. Die bedeutendsten Künstler dieser Zeit waren Ferdinand Georg Waldmüller, Josef Danhauser, Friedrich von Amerling, Peter Fendi, Michael Neder, Johann Baptist Reiter und Friedrich Gauermann.
Das Belvedere besitzt weltweit die umfangreichste und bedeutendste Sammlung von Werken aus der Epoche des Biedermeier. Ihre Anfänge beruhen auf dem Wunsch der Kaiser Franz II. (I.) und Ferdinand I., von jedem zeitgenössischen Künstler mindestens ein Werk zu erwerben. Dank dieser Veranlassung kann heute im Belvedere die Entwicklung der österreichischen Kunst in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts vorzüglich nachvollzogen werden.
In der Landschaftsmalerei suchten die Künstler beständig nach einer naturnahen, realistischen Darstellungsweise. Ferdinand Georg Waldmüllers Prater- und Salzkammergutansichten aus den 1830er-Jahren zeugen ebenso davon wie die Landschaft bei Miesenbach von Friedrich Gauermann oder die Salzburger Motive von Friedrich Loos.
Im Bereich der Porträtmalerei war man bestrebt, ein Gesamtbild des Menschen zu schaffen, man wollte den Porträtierten mit all seinen persönlichen Eigenheiten wiedergeben. Während Waldmüller den Menschen so realistisch wie möglich darstellen, von ihm sozusagen einen Schnappschuss liefern wollte, strebte Friedrich von Amerling danach, ein Gesamtbild der Erscheinung zu entwickeln, in dem auch die Gefühlswelt des Porträtierten erfasst wird. In diesem Sinne thematisierte er etwa im großformatigen Porträt Rudolf von Arthaber und seine Kinder Rudolf, Emilie und Gustav (1837) die Trauer um die verstorbene Ehefrau und Mutter.
Die Blumen- und Früchtemalerei gelangte in der Epoche des Biedermeier zu höchster malerischer Qualität und basierte auf fundierter wissenschaftlicher Beobachtung, wie zahlreiche Beispiele der Sammlung, darunter das großformatige Gemälde Jacquins Denkmal von Johann Knapp, deutlich machen.
Besondere Ausprägung erfuhr in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber die Genremalerei. Meist standen Episoden aus dem Alltag im Zentrum, zuweilen wurden auch aktuelle Ereignisse behandelt. Peter Fendi thematisierte etwa im Mädchen vor dem Lotteriegewölbe (1829) das florierende Geschäft mit dem Glücksspiel. Auch Selbsterlebtes wurde dokumentiert, wie der Kutscherstreit (1828) von Michael Neder zeigt. Josef Danhauser wiederum versetzte literarische Themen in die Gegenwart und verwies damit auf deren Zeitlosigkeit. So verwendete der Künstler das biblische Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus als Vorlage für sein Gemälde Der reiche Prasser (1836). In der Klostersuppe (1838) spann er die Geschichte fort: Der abgewiesene Bettler vergibt dem mittlerweile verarmten Prasser, indem er sein Brot mit ihm teilen will.
 

Historismus
Anselm Feuerbach, Orpheus und Eurydike, 1869
Anselm Feuerbach, Orpheus und Eurydike, 1869
Öl auf Leinwand 200 x 126,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Hans Makart, Clothilde Beer, eine Cousine des Künstlers, um 1880
Hans Makart, Clothilde Beer, eine Cousine des Künstlers, um 1880
Öl auf Holz 82 x 68 cm
Hans Makart, Venedig huldigt Caterina Cornaro (1454-1510), 1872/73
Hans Makart, Venedig huldigt Caterina Cornaro (1454-1510), 1872/73
Öl auf Leinwand 400 x 1060 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Carl Karger, Ankunft eines Zuges am Nordwestbahnhof in Wien, 1875
Carl Karger, Ankunft eines Zuges am Nordwestbahnhof in Wien, 1875
Öl auf Leinwand 91 x 171 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Fritz von Uhde, Fischerkinder in Zandvoort, 1882
Fritz von Uhde, Fischerkinder in Zandvoort, 1882
Öl auf Leinwand 60,5 x 80,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Wilhelm Leibl, Kopf eines Bauernmädchens, um 1880
Wilhelm Leibl, Kopf eines Bauernmädchens, um 1880
Öl auf Holz 30 x 27,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Leopold Carl Müller, Markt in Kairo, 1878
Leopold Carl Müller, Markt in Kairo, 1878
Öl auf Leinwand 136 x 216 cm Leihgabe der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste, Wien
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Franz von Defregger, Letztes Aufgebot, 1874
Franz von Defregger, Letztes Aufgebot, 1874
Öl auf Leinwand 139 x 191 cm
Anton Romako, Admiral Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa II, um 1878/80
Anton Romako, Admiral Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa II, um 1878/80
Öl auf Holz 87 x 48 cm
Anton Romako, Italienisches Fischerkind, 1870/75
Anton Romako, Italienisches Fischerkind, 1870/75
Öl auf Leinwand 89 x 70 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Hans Canon, Loge Johannis, 1873
Hans Canon, Loge Johannis, 1873
Öl auf Leinwand 320 x 208 cm
Viktor Tilgner, Geologe Ami (Amadée) Boué, 1878
Viktor Tilgner, Geologe Ami (Amadée) Boué, 1878
Terrakotta Höhe: 60 cm, inkl. Sockel: 75 cm

Der Kernbestand der 1903 gegründeten Modernen Galerie im Belvedere wurde erworben, um sowohl die österreichische Kunst der Zeit repräsentativ vorzuführen als auch diese in einen internationalen Kontext und in den Rahmen der wesentlichen künstlerischen Bewegungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu stellen. Die ersten maßgeblichen Sammlungszuwächse der Modernen Galerie stammten aus Ausstellungen der Secession und bilden den Grundstock der Sammlung des Belvedere – mit der Kunst des Fin de Siècle und Gustav Klimts Goldener Periode als Höhepunkt. So vereint die Sammlung neben dem weltweit größten Bestand an Gemälden von Gustav Klimt unter anderem Meisterwerke von Hans Makart, Anton Romako, Arnold Böcklin, Jean-François Millet, Emil Jakob Schindler, Carl Schuch, Auguste Rodin, Gustave Courbet, Edouard Manet, Claude Monet, Edgar Degas und Pierre-Auguste Renoir.

In einer sinnlichen, erzählerischen Darstellungsweise stellt die Kunst des Historismus Bezüge zu vorangegangenen Kunstepochen her. Dabei überwiegen Geschichtsdarstellungen, inszenierte Porträts oder Allegorien als Themen. Die Bilder des Historienmalers Franz Defregger, des eigenwilligen Anton Romako, des Orientmalers Leopold Carl Müller oder der barocke Formenschatz Hans Canons repräsentieren die Vielfalt der Zeit. In Wien wird diese Epoche nach ihrem bedeutendsten Vertreter auch als Makart-Ära bezeichnet. Viele von Makarts Hauptwerken werden im Belvedere, das die bedeutendste Sammlung der Kunst der Ringstraßenzeit beherbergt, präsentiert.
Der 1840 in Salzburg geborene Hans Makart hatte zunächst bei Piloty in München studiert und kam 1869 auf kaiserlichen Wunsch nach Wien. Im Jahr 1879 wurde er zum Professor für Historienmalerei an der Akademie ernannt. Seine sinnlich-berauschende Malerei besticht durch technische Bravour, die er gern auch öffentlich bei Atelierfesten vorführte. So sind im Grunde all seine Werke – einschließlich der hervorragenden Porträts Magdalena Plach (1870) oder Eugenie Scheuffelen (1867) – als effektvolle Inszenierungen zu verstehen. Dieser Opulenz entsprechen auch Makarts Allegorien Die fünf Sinne (1872–1879) oder sein monumentales Gemälde Bacchus und Ariadne (1873/74), welches ursprünglich als Vorhang für die Komische Oper (Ringtheater) entworfen wurde. Es zählt ebenso zur Gruppe der Sensationsbilder wie Niljagd (1876) oder Venedig huldigt Caterina Cornaro (1872/73). Letzteres wurde zur Zeit der Weltausstellung in Wien präsentiert – es verbindet in beispielhafter Weise die historische Wirklichkeit mit einer fiktiven Bildpracht und der Inszenierung bürgerlicher Selbstdarstellung. Auch Hans Canon pflegte die barocke Formensprache durch seine Bezüge zu Rubens und Rembrandt. Sein ebenfalls auf der Weltausstellung gezeigtes Hauptwerk Die Loge Johannis (1873) versinnbildlicht das Thema der weltanschaulichen Toleranz. Die positive Resonanz auf dieses Gemälde ermöglichte Canon die Rückkehr nach Wien, wo er sich neben Makart als Porträtist der Wiener Gesellschaft etablierte.
Zu den Zeitgenossen und Kollegen in Wien zählt der wie Makart international gefeierte Anselm Feuerbach, Sohn eines Archäologen aus Speyer, der lange Zeit in Italien verbracht hatte und 1872 an die Akademie nach Wien berufen worden war. Wie sein Nachfolger an der Akademie Hans Makart distanzierte sich Feuerbach bereits von der Historienmalerei. Seine Themen sind häufig mythologischen Inhalts, wie beispielsweise Orpheus und Eurydike (1869) aufzeigt, und beinhalten im Gegensatz zu Makarts Werken einen strengen Aufbau in einer verhaltenen Farbigkeit.
Während sich Makart und Feuerbach vom erzählerischen Historienbild abwandten, wandelte es Anton Romako, indem er entscheidende Situationen psychologisch deutete. In seinem Gemälde Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa I (1878–1880) vermittelt er nicht das übliche Marine- und Seeschlachtpanorama, sondern schildert als bühnenhafte Inszenierung den Entscheidungsmoment der Schlacht, der im Ausdruck der Akteure deutlich wird. Darüber hinaus zeichnet Romakos Porträts neben dem hohen Grad an Psychologisierung auch eine für die Zeit eigenwillige Anwendung malerischer Techniken aus – so zum Beispiel in Italienisches Fischerkind (um 1870/75) –, die im österreichischen Expressionismus vor allem von Kokoschka bewundert und aufgegriffen wurde.
 

Impressionismus
Jean-Francois Millet, Ebene von Chailly mit Egge und Pflug, 1862
Jean-Francois Millet, Ebene von Chailly mit Egge und Pflug, 1862
Öl auf Holz 60 x 73 cm
Max Liebermann, Jäger in den Dünen, 1913
Max Liebermann, Jäger in den Dünen, 1913
Öl auf Leinwand 70,5 x 100,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Lovis Corinth, Dame am Goldfischbassin, 1911
Lovis Corinth, Dame am Goldfischbassin, 1911
Öl auf Leinwand 74 x 90,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Pierre Auguste Renoir, Nach dem Bade, 1876
Pierre Auguste Renoir, Nach dem Bade, 1876
Öl auf Leinwand 92,4 x 73,2 cm
Aristide Maillol, Gefesselte Aktion, 1905
Aristide Maillol, Gefesselte Aktion, 1905
Bronze Höhe 215 cm © VBK, Wien 2008
Edouard Manet, Dame im Pelz, um 1880
Edouard Manet, Dame im Pelz, um 1880
Pastell auf Leinwand 55,8 x 45,8 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Claude Monet, Koch (Monsieur Paul), 1882
Claude Monet, Koch (Monsieur Paul), 1882
Öl auf Leinwand 65 x 52 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Claude Monet, Weg in Monets Garten in Giverny, 1902
Claude Monet, Weg in Monets Garten in Giverny, 1902
Öl auf Leinwand 89,5 x 92,3 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Olga Wisinger-Florian, Blühender Mohn, 1895/1900
Olga Wisinger-Florian, Blühender Mohn, 1895/1900
Öl auf Karton 70 x 98 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Emil Jakob Schindler, Dampfschiffstation an der Donau bei Kaisermühlen, 1871/72
Emil Jakob Schindler, Dampfschiffstation an der Donau bei Kaisermühlen, 1871/72
Öl auf Leinwand 55 x 78,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Camille Jacob Pissarro, Straße bei Pontoise (Rue de Gisors), 1868
Camille Jacob Pissarro, Straße bei Pontoise (Rue de Gisors), 1868
Öl auf Leinwand 38,5 x 46 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Vincent van Gogh, Ebene von Auvers, 1890
Vincent van Gogh, Ebene von Auvers, 1890
Öl auf Leinwand 50 x 101 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

Hatten die Maler der Schule von Barbizon der Freilichtmalerei einen ganz neuen Stellenwert gegeben, so gingen die französischen Impressionisten noch einen Schritt weiter: Der Eindruck eines Augenblicks, die instantanéité mit ihren flüchtigen Lichtwirkungen, sollte in ihren Bildern festgehalten werden. Zugleich wollte diese Malerei radikal zeitgenössisch sein und dem modernen Lebensgefühl einer sich wandelnden Gesellschaft Ausdruck verleihen.
In Österreich entwickelte der Impressionismus eine ganz eigene Spielart: Obwohl auch hier die Bilder vielfach Ergebnis konsequenter Pleinairmalerei waren, erschien den Künstlern die sensible Wiedergabe einer Stimmung wichtiger als die vorübergehenden Wirkungen des Lichts oder die reine Farbe. Diese Entwicklung verlief gleichzeitig zum französischen Impressionismus, der in der Sammlung mit Werken von Paul Cézanne, Edgar Degas, Vincent van Gogh, Claude Monet, Edouard Manet, Camille Pissarro und Pierre-Auguste Renoir vertreten ist.
Ganz im Gegensatz zu den als bedeutsam erachteten Themen der Historienmalerei konzentrierten sich manche Künstler Mitte des 19. Jahrhunderts vermehrt auf schlichte Landschaftsdarstellungen. Der schmale Wirklichkeitsausschnitt, die genaue Beobachtung der Licht- und Wettersituation und die analytische Zerlegung der tonigen Farbstimmungen in Buntwerte durch nebeneinandergesetzte Farbtupfer zeichnen Werke des Impressionismus aus.
Der Besuch der Internationalen Kunstausstellung in München im Jahre 1869 hatte österreichische Maler in ihren Bestrebungen bestätigt, einfache Motive aus den Vorstädten oder Landschaften aus der näheren Umgebung Wiens zu malen. So entstanden nahezu gleichzeitig Emil Jakob Schindlers Dampfschiffstation bei Kaisermühlen an der Donau (1871/72) und Camille Pissarros Straße in Pontoise (1868). Olga Wisinger-Florian malte Blühender Mohn (1895/1900) etwas früher, als Claude Monet sein Gemälde Gartenweg in Giverny (1902) erschuf.
Ganz im Sinne der ursprünglichen Intention der Modernen Galerie umfasst die Sammlung des Belvedere Werke sowohl einheimischer als auch ausländischer Künstler: Pierre-Auguste Renoir, Edouard Manet und Edgar Degas vertreten den Impressionismus, während das Stillleben mit blauer Flasche, Zuckerdose und Äpfeln (1900?1902) von Paul Cézanne und Die Ebene von Auvers von Vincent van Gogh bereits den Übergang zur Moderne einleiten.
Die Berliner Secession, angeführt von Max Liebermann, stand ganz im Zeichen des Impressionismus. Vorzügliche Beispiele wie Jäger in den Dünen (1913) von Liebermann, Der Herzogstand am Walchensee im Schnee (1922) von Lovis Corinth und Badende Knaben (1911) von Max Slevogt dokumentieren die für den deutschen Impressionismus typische freie Pinselführung und seine intime Ausschnitthaftigkeit.
Carl Schuch, einer der eigenwilligsten österreichischen Künstler, scheint sich von zeittypischen Strömungen abseitsgehalten zu haben. Im Jahre 1846 geboren, vollzog er wie Manet die Abwendung vom Historismus. Wie für Manet oder in Deutschland für Leibl oder Trübner war für ihn der Realismus Courbets – in der Sammlung mit Beispielen wie Der Verwundete vertreten – Ausgangspunkt für seine Bestrebungen hin zu einer Erneuerung der Kunst. Schuchs Stillleben stellen einen Höhepunkt seines Schaffens dar und werden im Belvedere mit Gemälden wie Stillleben mit Kürbis, Pfirsichen und Weintrauben (um 1884) gezeigt. Sie erinnern vorausgreifend an Werke Cézannes, wie Stillleben mit blauer Flasche, Zuckerdose und Äpfeln (1900-1902).
 

Gustav Klimt
Gustav Klimt, Kuss, 1908/1909
Gustav Klimt, Kuss, 1908/1909
\xd6l auf Leinwand\n180 x 180 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Gustav Klimt, Freundinnen (Wasserschlangen I), 1904-1907
Gustav Klimt, Freundinnen (Wasserschlangen I), 1904-1907
Mischtechnik, Gold auf Pergament 50 x 20 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Gustav Klimt, Johanna Staude, 1917/18
Gustav Klimt, Johanna Staude, 1917/18
Unvollendet Öl auf Leinwand 70 x 50 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Gustav Klimt, Adam und Eva, 1917/18
Gustav Klimt, Adam und Eva, 1917/18
Öl auf Leinwand, unvollendet 173 x 60 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Gustav Klimt, Bauerngarten mit Sonnenblumen, um 1906
Gustav Klimt, Bauerngarten mit Sonnenblumen, um 1906
Öl auf Leinwand 110 x 110 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Gustav Klimt, Fritza Riedler
Gustav Klimt, Fritza Riedler
Gustav Klimt, Beethovenfries: "Die Künste", "Paradieschor" und "Umarmung", 1901/02
Gustav Klimt, Beethovenfries: "Die Künste", "Paradieschor" und "Umarmung", 1901/02
Nach Richard Wagners Interpretation der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven Als Leihgabe in der Secession Kaseinfarben, Stuckauflagen, Zeichenstift, Applikationen aus verschiedenen Materialien, Goldauflagen auf Mörtel Gesamtlänge 34,14 m Höhe 2,15 m
Gustav Klimt, Sonja Knips, 1898
Gustav Klimt, Sonja Knips, 1898
Öl auf Leinwand 141 x 141 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Gustav Klimt, Josef Lewinsky als Carlos in Clavigo, 1895
Gustav Klimt, Josef Lewinsky als Carlos in Clavigo, 1895
Öl auf Leinwand 60 x 44 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Gustav Klimt, Allee im Park vor Schloß Kammer, um 1912
Gustav Klimt, Allee im Park vor Schloß Kammer, um 1912
Öl auf Leinwand 110 x 110 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Gustav Klimt, Judith, 1901
Gustav Klimt, Judith, 1901
Gustav Klimt, Braut, 1917/1918
Gustav Klimt, Braut, 1917/1918
Unvollendet Öl auf Leinwand 165 x 191 cm Eigentum der Gustav Klimt | Wien 1900 – Privatstiftung, Wien
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

1862 Wien ? 1918 Wien
 
Das Belvedere besitzt mit insgesamt 24 Werken – Porträts, Landschaften und allegorischen Darstellungen – die weltweit größte Ölgemäldesammlung des bedeutendsten österreichischen Malers. Klimt war als Mitbegründer der Secession und Organisator der Kunstschau 1908 sowie der Internationalen Kunstschau im darauffolgenden Jahr maßgeblich für den Durchbruch der internationalen Avantgarde in Wien verantwortlich. Die Sammlung des Belvedere zeigt Klimts Entwicklung von den ersten Auseinandersetzungen mit dem Historismus über die Secessionskunst bis hin zu seinem Spätwerk, das Einflüsse der Fauves und der jüngeren Generation österreichischer Künstler wie Egon Schiele verarbeitet.
Am 14. Juli 1862 wurde Gustav Klimt als zweites von sieben Kindern geboren. Während seines Studiums an der Kunstgewerbeschule gründete er mit seinem Bruder Ernst und dem Studienkollegen Franz Matsch die Künstler-Compagnie, eine Ateliergemeinschaft. Neben Ausstattungsaufträgen für die städtischen Theater in Karlsbad, Reichenberg und Rijeka erhielten die Künstler im Zuge des Ringstraßenbaus ebensolche Dekorationsaufträge für das Burgtheater und das Kunsthistorische Museum in Wien.
Im Jahre 1897 wurde Klimt Mitbegründer der Wiener Secession und deren erster Präsident. Sein Engagement galt der Erneuerung der Kunst und der Förderung junger Künstler wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Jedoch führte der Skandal um seine Fakultätsbilder 1905 zu seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit. Klimt arbeitete fortan ausschließlich für das liberale Großbürgertum. Es entstanden die weltberühmten Damenporträts, deren stilistische Entwicklung vom frühen Bildnis der Sonja Knips (1898) über Fritza Riedler (1906), das ein raffiniertes Beispiel strenger Flächenkunst darstellt, bis hin zum unvollendeten Porträt der Johanna Staude (1917/18) eindrucksvoll nachvollzogen werden kann. Darüber hinaus schuf Klimt vor allem allegorisch-symbolische Werke, deren bekannteste die Darstellung eines Liebespaares (Kuss, 1908) ist.
In den Sommermonaten zog sich Klimt häufig an den Attersee zurück, wo der Großteil seiner Landschaftsbilder, wie Mohnwiese (1907), Sonnenblume (1907) und Allee im Park vor Schloss Kammer (1912), entstand.
Am 6. Februar 1918 starb Gustav Klimt im Alter von 56 Jahren an den Folgen eines Hirnschlags. Er hinterließ zahlreiche unvollendete Gemälde, darunter Braut und Adam und Eva.
 

Oskar Kokoschka
Oskar Kokoschka, Der Maler Carl Moll, 1913
Oskar Kokoschka, Der Maler Carl Moll, 1913
Öl auf Leinwand 128 x 95,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Oskar Kokoschka, Dr. Bassa's Magische Form, 1951
Oskar Kokoschka, Dr. Bassa's Magische Form, 1951
Öl auf Leinwand auf Hartfaserplatte 100 x 75 cm
Oskar Kokoschka, Der Rentmeister (auch der "Schatzmeister"), 1910
Oskar Kokoschka, Der Rentmeister (auch der "Schatzmeister"), 1910
Öl auf Leinwand 74 x 59 cm
Oskar Kokoschka, Herodot, 1963
Oskar Kokoschka, Herodot, 1963
Öl auf Leinwand 180 x 120 cm
 Oskar Kokoschka, Bildnis der Mutter Romana Kokoschka
Oskar Kokoschka, Bildnis der Mutter Romana Kokoschka
Öl auf Leinwand 112 x 75 cm
Oskar Kokoschka, Stillleben mit Hammel und Hyazinthe, 1910
Oskar Kokoschka, Stillleben mit Hammel und Hyazinthe, 1910
Öl auf Leinwand 87 x 114 cm
Oskar Kokoschka, Mutter und Kind, einander umarmend, 1922
Oskar Kokoschka, Mutter und Kind, einander umarmend, 1922
Öl auf Leinwand 121 x 81 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Oskar Kokoschka, Tigerlöwe, 1926
Oskar Kokoschka, Tigerlöwe, 1926
Öl auf Leinwand 96 x 129 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Oskar Kokoschka, Kind mit den Händen der Eltern, 1909
Oskar Kokoschka, Kind mit den Händen der Eltern, 1909
Öl auf Leinwand 72 x 52 cm
Oskar Kokoschka, Die Wiener Staatsoper, 1956
Oskar Kokoschka, Die Wiener Staatsoper, 1956
Öl auf Leinwand 82 x 115 cm
Oskar Kokoschka, Heimsuchung, 1912
Oskar Kokoschka, Heimsuchung, 1912
Öl auf Leinwand 80 x 127 cm
Oskar Kokoschka, Der Prager Hafen, 1936
Oskar Kokoschka, Der Prager Hafen, 1936
Öl auf Leinwand 91 x 117 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

Pöchlarn 1886 ? 1980 Villeneuve (Schweiz)
 
Oskar Kokoschka war ein maßgeblicher Wegbereiter des Expressionismus - als Maler, Grafiker, Schriftsteller. In seinen frühen Porträts zeigt sich bereits die Intention, die innere Befindlichkeit der Dargestellten nach außen zu kehren und sich nicht mit den üblichen Anforderungen eines Porträts auseinander zu setzen. Das Belvedere besitzt mit zwölf Ölbildern, davon fünf Porträts, eine hervorragende Kokoschka-Sammlung.
Der Grundstein für den außerordentlichen Bestand an Werken Oskar Kokoschkas wurde mit dem Ankauf des Stilllebens mit Hammel und Hyazinthe (1910) gelegt. Dieses düstere Bild zeigt eine sehr eigenwillige und bedrückende Auswahl an Beigaben, eingebettet in ein magisch beklemmendes Licht.
Schon früh begann Kokoschka mit seinen aufwühlenden Arbeiten für Aufregung zu sorgen. Bereits bei seinem Ausstellungsdebüt im Rahmen der berühmten Wiener Kunstschau im Jahr 1908 wurde ihm der Name „Oberwildling“ zugedacht. Nach seiner anfänglichen Begeisterung für den Jugendstil und seiner Mitarbeit für die Wiener Werkstätte vollzog er eine radikale Abkehr von der Schönlinigkeit und Ästhetik des Wiener Jugendstils. Kokoschka prägte nunmehr die Avantgarde des Expressionismus. Seine Porträts, wie das des kleinen Fred Goldmann (1909) oder jenes des tatkräftigen Malers und Organisators Carl Moll (1913) zeigen nach außen gekehrtes Inneres, Seelenzustand und Befindlichkeit des Dargestellten mehr als dessen offensichtliche Abbildung des Äußeren.
Kokoschkas grafische und auch literarische Begabung schlug sich u.a. in seiner Mitarbeit für die Avantgarde-Zeitschrift „Der Sturm“ in Berlin nieder. Ab 1916 wird Dresden der Lebensmittelpunkt des Künstlers, wo er 1919 eine Professur erhält. Porträt der Mutter (1917), das in der frühen Dresdner Zeit entstand, zeichnet sich durch einen dicken, welligen Farbauftrag aus. Einem leuchtenden Bildteppich gleich, zusammengefügt aus satten Farbflächen, präsentiert sich die ebenfalls in Dresden entstandene Darstellung Mutter und Kind (1922) einige Jahre später.
Kokoschkas Leben war geprägt von einer langen schicksalsreichen Schaffensperiode mit vielen Reisen und langjährigen Auslandsaufenthalten, die ihren Niederschlag etwa in seinen Städteporträts, wie jenem des Prager Hafens (1936) fand. 1937 wurden 417 Werke Kokoschkas beschlagnahmt, 1938 folgte die Emigration nach London.
1980 als Oskar Kokoschka in Montreux verstarb, erwarb das Belvedere ein weiteres eigenwilliges „Porträt“ des anerkannten „Seelenmalers“: Tigerlöwe (1926), bei welchem es ihm gelang die Wucht, Kraft und Majestät jenes Tieres bildhaft werden zu lassen, das er 1926 im Zoo im Londoner Regent`s Park porträtiert hatte. Auch aus seiner späteren Schaffensperiode sind wichtige Arbeiten in der Sammlung vertreten, wie jener monumentale Herodot (1960-72), der im Laufe der jahrelangen Entstehung von Schicht zu Schicht gewachsen ist und in Herodots Gesichtszügen das Antlitz des Künstlers aufblitzen lässt.

Jugendstil und Wiener Secession
Giovanni Segantini, Die bösen Mütter, 1894
Giovanni Segantini, Die bösen Mütter, 1894
Öl auf Leinwand 105 x 200 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ludwig von Hofmann, Idyll (Männlicher Akt und weiblicher Halbakt in der Landschaft), 1894/1895
Ludwig von Hofmann, Idyll (Männlicher Akt und weiblicher Halbakt in der Landschaft), 1894/1895
Öl auf Leinwand 206 x 324 cm
Richard Teschner, Kleine Stadt, 1903
Richard Teschner, Kleine Stadt, 1903
Öl auf Leinwand 71 x 58 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Emil Orlik, Winter, 1914
Emil Orlik, Winter, 1914
Öl auf Leinwand 90 x 80 cm
Margaret MacDonald-Mackintosh, Junirosen, 1898
Margaret MacDonald-Mackintosh, Junirosen, 1898
Bleistift und Wasserfarbe auf Papier 103 x 45 cm
Edvard Jacob Munch, Der Maler Paul Hermann und der Arzt Paul Contard, 1897
Edvard Jacob Munch, Der Maler Paul Hermann und der Arzt Paul Contard, 1897
Öl auf Leinwand 54 x 73 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Koloman Moser, Selbstbildnis, um 1916
Koloman Moser, Selbstbildnis, um 1916
Öl auf Leinwand 74 x 50 cm
Carl Moll, Dämmerung, vor 1900
Carl Moll, Dämmerung, vor 1900
Öl auf Leinwand 80 x 94,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ferdinand Hodler, Ergriffenheit, 1900
Ferdinand Hodler, Ergriffenheit, 1900
Öl auf Leinwand 115 x 70,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Fernand Khnopff, Halbfigur einer Nymphe, 1896
Fernand Khnopff, Halbfigur einer Nymphe, 1896
Gips, farbig bemalt, auf vergoldetem Holzsockel Höhe: 99 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Max Klinger, Urteil des Paris, 1885/87
Max Klinger, Urteil des Paris, 1885/87
Öl auf Leinwand, Umrahmung in Holz und Gips 370 x 720 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Josef Engelhart, Pülcher, 1888
Josef Engelhart, Pülcher, 1888
Tempera auf Papier 121 x 70 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

Die Wiener Secession wurde am 3. April 1897 von Gustav Klimt, Koloman Moser, Josef Hoffmann, Joseph Maria Olbrich, Max Kurzweil, Josef Engelhart, Ernst Stöhr, Wilhelm List und weiteren Künstlern ins Leben gerufen. Tatsächlich handelte es sich – aufgrund der vehementen Ablehnung des dort vorherrschenden Konservatismus und des am Historismus orientierten Kunstbegriffs – bei der Vereinsgründung um eine Abspaltung (secessio) von der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens (Künstlerhaus). Die erste Ausstellung der Secession fand 1898 statt. Dem Bestreben einer künstlerischen Erneuerung und Öffnung folgend, wollte die Secession u. a. einen Einblick in die moderne Kunst des Auslandes bieten. In diesem Sinne galt sie als Forum der internationalen Avantgarde, das sich und die heimische Kunst neu definierte und positionierte.
Bedeutende Schenkungen der Secession an die 1903 gegründete Moderne Galerie – die Vorgängerinstitution des Belvedere – wie die Ebene von Auvers (1890) von Vincent van Gogh, die Büste Henri de Rochefort-Luçay (1897) von Auguste Rodin und Die bösen Mütter (1894) von Giovanni Segantini – standen am Anfang der heute international renommierten Sammlung des frühen 20. Jahrhunderts. Deren Zentrum bildet die Secession selbst, sinnbildhaft durch Gustav Klimt vertreten, dessen Hauptwerk Kuss (1908) als Monumentalikone des Wiener Jugendstils gilt.
Im Jahre 1905 traten Gustav Klimt und eine Gruppe von Künstlern und Architekten, darunter Otto Wagner, Josef Hoffmann, Richard Luksch, Wilhelm Bernatzik, Max Kurzweil, Wilhelm List, Carl Moll, Koloman Moser und Emil Orlik, aus der Secession aus. Im Wesentlichen ging es ihnen um die Fragestellung, inwieweit das Kunstgewerbe Teil des praktizierten Kunstbegriffs sein sollte. Klimt und seine Gesinnungsgenossen vertraten mit Vehemenz die Position, dass Kunst und Alltagsleben zu einer Einheit verschmelzen sollten. Mit ihren herausragenden Ausstellungsereignissen Kunstschau (1908) und Internationale Kunstschau (1909) bot die Klimt-Gruppe jungen Talenten wie Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Max Oppenheimer u. v. m. eine zukunftsweisende Plattform.

Egon Schiele
Egon Schiele, Bildnis Eduard Kosmack, 1910
Egon Schiele, Bildnis Eduard Kosmack, 1910
Öl auf Leinwand 100 x 100 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Dr. Franz Martin Haberditzl, 1917
Egon Schiele, Dr. Franz Martin Haberditzl, 1917
Öl auf Leinwand 140 x 110 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Dr. Hugo Koller, 1918
Egon Schiele, Dr. Hugo Koller, 1918
Öl auf Leinwand 140 x 110 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Vier Bäume, 1917
Egon Schiele, Vier Bäume, 1917
Öl auf Leinwand 111 x 140 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Bildnis der Frau des Künstlers, Edith Schiele, sitzend, 1918
Egon Schiele, Bildnis der Frau des Künstlers, Edith Schiele, sitzend, 1918
Öl auf Leinwand 140 x 110 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Familie (Kauerndes Menschenpaar), 1918
Egon Schiele, Familie (Kauerndes Menschenpaar), 1918
Öl auf Leinwand 150 x 160 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Mutter mit zwei Kindern III (Mutter III), 1915-1917
Egon Schiele, Mutter mit zwei Kindern III (Mutter III), 1915-1917
Öl auf Leinwand 150 x 160 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Hauswand (Fensterwand), 1914
Egon Schiele, Hauswand (Fensterwand), 1914
Öl auf Leinwand 111 x 142 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Sonnenblumen I, 1911
Egon Schiele, Sonnenblumen I, 1911
Öl auf Leinwand 90 x 81 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Egon Schiele, Umarmung (Liebespaar II, Mann und Frau), 1917
Egon Schiele, Umarmung (Liebespaar II, Mann und Frau), 1917
Öl auf Leinwand 98 x 169 cm
Egon Schiele, Rainerbub (Herbert Rainer im Alter von etwa 6 Jahren), 1910
Egon Schiele, Rainerbub (Herbert Rainer im Alter von etwa 6 Jahren), 1910
Öl auf Leinwand 101 x 102 cm
Egon Schiele, Tod und Mädchen, 1915
Egon Schiele, Tod und Mädchen, 1915
Öl auf Leinwand 150 x 180 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

1890 Tulln ? 1918 Wien
 
Neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zählt Egon Schiele zu den wichtigsten bildenden Künstlern der Wiener Moderne. Schiele entwickelte schon während seiner Zeit an der Wiener Kunstakademie rasch seine eigene unverwechselbare Formensprache. Ausgehend von der Kunst des Jugendstils verband er ornamentale Gliederung mit gebrochener Linienführung und expressiver Farbigkeit.
Egon Schiele kam 1890 in Tulln in einfachen Verhältnissen zu Welt. Trotz des Protests seines Onkels und Vormundes Leopold Czihacek absolviert Schiele 1906 die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Allerdings verließ er diese bereits nach drei Jahren aufgrund heftiger Kontroversen mit seinem Professor Christian Griepenkerl, der jeder Neuerung in der Kunst ablehnend gegenüberstand. 1909 gründete Schiele gemeinsam mit befreundeten jungen Künstlern wie Anton Faistauer und Franz Wiegele die „Neukunstgruppe“. Im gleichen Jahr noch präsentierte sich die "Neukunstgruppe" erstmals im Wiener Salon Pisko, blieb aber nach weiteren Ausstellungen nur noch in loser Verbindung zueinander bestehen.
Schieles Porträts, Figurenbilder und Landschaften bewegen sich oft im thematischen Spannungsfeld von Liebe und Einsamkeit, Leben und Tod. Das Motiv von Werden und Vergehen als immer wiederkehrendes Thema in seinen Arbeiten, findet sich am eindrucksvollsten in der Darstellung der Sonnenblumen (1911). Leuchtende, kraftvolle Blüten stehen neben dunklen, verwelkten Blättern und versinnbildlichen damit den Kreislauf des Lebens.
Im Jahr 1912 übersiedelte Schiele nach Neulengbach, wo eine sehr produktive Schaffensperiode begann, die durch die sogenannte „Neulengbachaffäre“ - Schiele wurde der Verbreitung von unsittlichen Zeichnungen und der Verführung einer Minderjährigen angeklagt - aber bald auch ein sehr plötzliches Ende fand.
Nach zahlreichen Ausstellungen und Reisen setzte das Jahr 1914 die nächste Zäsur in Schieles Leben. Schiele trennte sich von seiner langjährigen Gefährtin Wally Neuziel, um Edith Harms zu heiraten. So kann das 1915 entstandene Bild Tod und Mädchen unverkennbar ein Selbstporträt des Künstlers - als künstlerische Verarbeitung seiner veränderten Lebenssituation gelten. Das Bild erinnert an Klimts berühmten Kuss (1907/08). Schiele übersetzt das Motiv aber mit gebrochenen Tönen und harten Konturen in die Formensprache des frühen Expressionismus.
 

Expressionismus
Max Pechstein, Stillleben mit Äpfeln und Bananen, 1912
Max Pechstein, Stillleben mit Äpfeln und Bananen, 1912
Öl auf Leinwand 88,5 x 89 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Anton Kolig, Die Gattin des Künstlers mit Blumen, 1913
Anton Kolig, Die Gattin des Künstlers mit Blumen, 1913
Öl auf Leinwand 71,5 x 61 cm
Lovis Corinth, Stillleben mit Chrysanthemen und Amaryllis,1922
Lovis Corinth, Stillleben mit Chrysanthemen und Amaryllis,1922
Öl auf Leinwand 121 x 96 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Anton Hanak, Ecce Homo (Der letzte Mensch), 1917-1924
Anton Hanak, Ecce Homo (Der letzte Mensch), 1917-1924
Bronze Höhe: 230 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Wilhelm Lehmbruck, Büste der "Knieenden", 1911
Wilhelm Lehmbruck, Büste der "Knieenden", 1911
Englisch-Zement Höhe 48 cm
Herbert Boeckl, Berliner Hinterhäuser, 1922
Herbert Boeckl, Berliner Hinterhäuser, 1922
Öl auf Leinwand 41,5 x 61 cm
Richard Gerstl, Schwestern Fey, 1905
Richard Gerstl, Schwestern Fey, 1905
Öl auf Leinwand 175 x 150 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Anton Faistauer, Stillleben mit Früchten auf grünem Tuch, 1911
Anton Faistauer, Stillleben mit Früchten auf grünem Tuch, 1911
Öl auf Leinwand 70,4 x 85,5 cm
Helene Funke, Pfirsichstillleben, 1918
Helene Funke, Pfirsichstillleben, 1918
Öl auf Leinwand 52 x 69,5 cm
Alexej von Jawlensky, Damenbildnis, um 1908
Alexej von Jawlensky, Damenbildnis, um 1908
Öl auf Karton, auf Leinwand aufgezogen 65,5 x 44,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Ernst Ludwig  Kirchner, Klosterser Berge, um 1923
Ernst Ludwig Kirchner, Klosterser Berge, um 1923
Öl auf Leinwand 120,5 x 120,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Edvard Munch, Männer am Meer, 1908
Edvard Munch, Männer am Meer, 1908
Öl auf Leinwand 100 x 120 cm

Künstlervereinigungen wie „Die Brücke“ und „Der blaue Reiter“ standen am Anfang des deutschen Expressionismus und führten diese zunächst noch gegenständliche Kunst bis an die Grenze der Abstraktion. Zu den Mitgliedern der "Brücke" zählten unter anderem Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein und kurzzeitig auch Emil Nolde. Hauptvertreter der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ waren Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, August Macke und Paul Klee.
Neben den Beispielen einer expressiven österreichischen Malerei besitzt das Belvedere auch herausragende Beispiele des deutschen Expressionismus. Während österreichische Künstler eine dunkle, morbide Farbigkeit bevorzugten und ihre Werke mit Todes- und Vergänglichkeitssymbolik anreicherten, beherrschten grelle Buntheit sowie Motive großstädtischen Lebens oder religiöse Darstellungen den deutschen Expressionismus.
Dazu zählen Werke von Mitgliedern der Künstlervereinigung „Die Brücke“ wie Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Emil Nolde sowie Porträts von Alexej Jawlensky, einem Vertreter des Expressionismus, der dem „Blauen Reiter“ nahe stand. Beide Gruppierungen waren stets auf der Suche nach neuen, künstlerischen Ausdruckmöglichkeiten.
Ernst Ludwig Kirchner, einer der Hauptvertreter des deutschen Expressionismus und führende Persönlichkeit innerhalb der Künstlergemeinschaft „Die Brücke“, die er 1905 mitbegründete, ist in der Sammlung mit dem Werk Die Klosterser Berge (1923) vertreten. Er entdeckte die afrikanische und ozeanische Kunst als Inspirationsquelle, die sich vor allem in seinen Holzschnitten widerspiegelt. Als weiterer wichtiger Repräsentant der expressionistischen Richtung stieß Max Pechstein 1906 zu der im Vorjahr von Kirchner, Heckel und Schmidt-Rottluff gegründeten Künstlergruppe.
1912 entstand sein Stillleben mit Äpfeln und Bananen. Ebenso wie bei Pechstein wird auch bei Emil Nolde der Einsatz von flächig aufgetragener Farbe zum Ausdrucksträger. Knapp nach seiner kurzen Mitgliedschaft bei der „Brücke“ entstanden seine ersten religiösen Bilder, unter anderem auch Joseph erzählt seine Träume (1910). Nolde und Pechstein, die beide nach Neuguinea reisten, studierten neue künstlerische Darstellungsmöglichkeiten in der Kunst der Naturvölker.
Der aus Russland gebürtige, in München lebende Maler Alexej Jawlensky hatte durch seine persönlichen Beziehungen zu Wassily Kandinsky engen Kontakt zu der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“. Die Inspiration zu seinen kräftigen Farbzusammenstellungen fand er in der russischen Volkskunst sowie bei den französischen Fauvisten wie Henri Matisse, wie das Damenbildnis (1908) beweist.
Die feingliedrige Büste der Knienden (1913) des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck zeigt einen hohen Grad an ausdrucksstarker Verinnerlichung und illustriert anschaulich die Nähe des Künstlers zum Expressionismus.
Einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts in Österreich ist zweifellos Anton Hanak. Sein von Lehmbruck beeinflusstes Werk reicht von kleinformatigen Figurenskizzen bis zu monumentalen Fassadenfiguren und Denkmälern.
 

Zwischenkriegszeit
Rudolf Wacker, Zwei Köpfe, 1932
Rudolf Wacker, Zwei Köpfe, 1932
Öl auf Sperrholzplatte 100 x 63 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Wilhelm Thöny, Ansicht von Manhatten (East River), 1935-38
Wilhelm Thöny, Ansicht von Manhatten (East River), 1935-38
Öl auf Karton 40,5 x 46 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Wolfgang Paalen, Surrealistische Komposition, um 1931
Wolfgang Paalen, Surrealistische Komposition, um 1931
Öl auf Leinwand 33 x 41 cm
Fritz Wotruba, Torso, 1928 - 1929
Fritz Wotruba, Torso, 1928 - 1929
Bronze 140 x 44 x 42 cm
Georg Eisler, Selbstporträt mit Staffelei und Katze, 1944
Georg Eisler, Selbstporträt mit Staffelei und Katze, 1944
Öl auf Leinwand 60,5 x 50,5 cm
Franz Lerch, Offenes Fenster, 1928
Franz Lerch, Offenes Fenster, 1928
Öl auf Leinwand 87 x 64,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Georg Merkel, Selbstbildnis, 1923 (später überarbeitet)
Georg Merkel, Selbstbildnis, 1923 (später überarbeitet)
Öl auf Leinwand 71,5 x 59 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Erika Giovanna Klien, Diving Bird, 1939
Erika Giovanna Klien, Diving Bird, 1939
Öl auf Leinwand 111 x 96 cm
Oskar Kokoschka, Der Prager Hafen, 1936
Oskar Kokoschka, Der Prager Hafen, 1936
Öl auf Leinwand 91 x 117 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Hans Boehler, Jack Carter's Bar in Harlem, 1942
Hans Boehler, Jack Carter's Bar in Harlem, 1942
Öl auf Leinwand 83 x 130,5 cm
Max Beckmann, Frau mit Buch und Schwertlilien, 1931
Max Beckmann, Frau mit Buch und Schwertlilien, 1931
Öl auf Leinwand 72,5 x 116 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Philharmoniker, 1926-52
Philharmoniker, 1926-52
Öl und Tempera auf Leinwand, auf Holz aufgezogen 302 x 465 cm Tafeln: 302 x 155 x 6 cm Artothek des Bundes, Dauerleihgabe im Belvedere, Wien von Maximilian Oppenheimer
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Emil Filla, Stillleben mit Pfeife, 1914
Emil Filla, Stillleben mit Pfeife, 1914
Öl auf Leinwand Rahmenmaße: 47 × 42 × 7 cm
Franz Sedlacek, Sturm, 1932
Franz Sedlacek, Sturm, 1932
Öl auf Sperrholzplatte 103 x 95 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Cermínová Toyen, Das einsame Haus, 1945
Cermínová Toyen, Das einsame Haus, 1945
Öl auf Leinwand Rahmenmaße: 87 × 73 × 3 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Jindrich Styrsky, Maldoror, 1941
Jindrich Styrsky, Maldoror, 1941
Öl auf Leinwand Rahmenmaße: 57,5 × 67,5 × 4 cm
Herbert Boeckl, Selbstbildnis, 1923
Herbert Boeckl, Selbstbildnis, 1923
Öl auf Leinwand 61 x 50 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Anton Kolig, Kniender Narziß, 1920
Anton Kolig, Kniender Narziß, 1920
Öl auf Leinwand 93 x 65,5 cm
Joseph Floch, Frau Weiss und ihre Töchter Liese und Lene, um 1923
Joseph Floch, Frau Weiss und ihre Töchter Liese und Lene, um 1923
Öl auf Leinwand 122,4 x 98 cm
Fritz Schwarz-Waldegg, Bekenntnis, 1920
Fritz Schwarz-Waldegg, Bekenntnis, 1920
Öl auf Leinwand 117,5 x 88 cm
Fernand Léger, Dorflandschaft, 1912/13
Fernand Léger, Dorflandschaft, 1912/13
Öl auf Leinwand 91 x 81 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
Marie Vassilieff, Frau mit Fächer, 1910
Marie Vassilieff, Frau mit Fächer, 1910
Öl auf Leinwand 59,5 × 72,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere
František Kupka, Serie C VIII, 1935-1946
František Kupka, Serie C VIII, 1935-1946
Öl auf Leinwand 97 × 105 cm
Lilly Steiner, Selbstbildnis, 1937
Lilly Steiner, Selbstbildnis, 1937
Öl auf Leinwand 130 x 97,5 cm
Ausstellungsort: Oberes Belvedere

Als Gegenbewegung zu den abstrakten Tendenzen der 1910er-Jahre kam es insbesondere in Deutschland, aber auch im gesamteuropäischen Raum zu einer Rückbesinnung auf die realistische Darstellung der Dinge. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Neuen Sachlichkeit in Österreich zählten Rudolf Wacker, Herbert Ploberger, Marie-Louise Motesiczky und Franz Sedlacek.
Die Mehrzahl der österreichischen Künstler pflegte eine lyrische, vorwiegend naturalistische Malweise und widmete sich überwiegend traditionellen Bildthemen wie Landschaft, Porträt und Stillleben. Ein Zentrum der gegenständlichen Malerei bildete der Nötscher Kreis in Kärnten.
Bereits in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hatten viele österreichische Künstler ihre Heimat verlassen, da sie sich bessere Arbeitsbedingungen und Karrierechancen im Ausland, beispielsweise in den USA oder in Frankreich, erwarteten. Ab 1938 zwang jedoch das zunehmend an Macht gewinnende diktatorische Regime des Nationalsozialismus viele Künstler ins Exil, u. a. Max Oppenheimer, Joseph Floch, Franz Lerch, Wolfgang Paalen, Hans Boehler, Fritz Wotruba und Georg Ehrlich. Andere, denen die Emigration nicht möglich war, wurden verfolgt und ermordet, nachdem ihnen zuvor ein Mal- und Berufsverbot auferlegt worden war. Die emigrierten Künstler trafen im Ausland auf frische Impulse, und so bildeten sich neue Netzwerke.
Das Belvedere besitzt mit der Dorflandschaft (1912/13) von Fernand Léger eines der wenigen Beispiele aus der Frühzeit des französischen Kubismus. Der Grazer Maler Alfred Wickenburg, der u. a. von 1906 bis 1909 bei Jean-Paul Laurens an der Pariser Académie Julian studiert hatte, schuf mit seinem Werk Rinaldo und Armida (1923) eines der signifikantesten Beispiele kubistischer Figurendarstellung jener Zeit in Österreich.
In Tschechien hatten Künstler bereits vor 1914 eine kubistische Formensprache für ihre Bildkompositionen etabliert. Herausragende Vertreter sind u. a. Emil Filla und Antonin Procházka. Arbeiten beider Künstler gelangten neben zahlreichen weiteren tschechischen Meisterwerken durch die Dauerleihgabe der Sammlung Rotter 2012 an das Museum und eröffnen einen neuen Blickwinkel auf das Verhältnis der tschechischen Künstler zu ihren Wiener Kollegen. Die Meisterwerke der Sammlung Thyssen, die ebenfalls als Dauerleihgaben im Belvedere zu sehen sind, komplettieren die Darstellung der Verbindungen zur Abstraktion in Wien. Wiener Kinetismus, tschechischer Kubismus und russischer Konstruktivismus werden so erstmals gemeinsam präsentiert.
Ab Mitte der 1920er-Jahre galt die Neue Sachlichkeit als einer der wenigen Orientierungspunkte in der stilistisch eher uneinheitlichen künstlerischen Landschaft. Hauptmeister dieses Stils in Österreich war der Vorarlberger Maler Rudolf Wacker. Sein Bild Zwei Köpfe (1932) besitzt in seiner nüchternen Präzision etwas von der dämonischen Hintergründigkeit, die für viele Werke dieser Stilrichtung typisch ist. Auch die Arbeiten von Franz Sedlacek wirken in ihrem fantasievollen Erzählstil oft bizarr. Im Zusammenhang mit den Werken der tschechischen Surrealisten ergeben sich auch neue Perspektiven auf die Beurteilung der wechselseitigen Einflüsse.
Franz Wiegele zählte gemeinsam mit Anton Kolig, Sebastian Isepp und Anton Mahringer zur Künstlergruppe des Nötscher Kreises in Kärnten, die vor allem das Genre der Figuren- und Landschaftsmalerei pflegte. Viele österreichische Maler, die in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen aktiv waren, lassen sich jedoch keiner bestimmten Stilrichtung zuordnen, da sie zu individuellen Ausdrucksweisen fanden.

Kunst im Exil

Das Werk des Grazer Malers Wilhelm Thöny etwa zeigt einen merkwürdig unakademischen Stil, der in der Reduktion und Brüchigkeit der Darstellung einen oft ironischen Charakter besitzt. Oskar Laske pflegte einen erzählerischen, anekdotischen Stil, der mitunter karikaturhafte Züge annahm, wie etwa im Gemälde Narrenschiff (1923). Künstler wie der Wiener Josef Dobrowsky oder der Kärntner Jean Egger wiederum betonten den gestischen Pinselstrich, wobei vor allem die Bilder von Egger schon an die Grenze der gegenständlichen Darstellung reichen.
Darüber hinaus beherbergt das Belvedere wichtige Beispiele der Malerei nach 1918 in Deutschland. Darunter ragen eine Reihe später Arbeiten von Lovis Corinth heraus, etwa Der Herzogstand am Walchensee im Schnee (1922), dessen Malweise gut den malerisch und gestisch in Auflösung befindlichen Stil des Künstlers dokumentiert. Das Bild Liegende Frau mit Buch und Schwertlilien (1931) ist ein Meisterwerk von Max Beckmann, in dem ein Ausgleich zwischen expressiver Linienführung, symbolischem Gehalt in den Motiven und harmonischer Farbgestaltung erzielt wird.
Fritz Wotruba gilt neben Anton Hanak als die wichtigste Bildhauergestalt des 20. Jahrhunderts in Österreich. Wotrubas Spätwerk weist Elemente des Kubismus sowie eine starke Tendenz zu abstrahierender Verblockung auf. Wie die Steinskulptur Große Sitzende (Kathedrale) (1945) zeigt, blieb jedoch stets die menschliche Figur im Zentrum seines Schaffens.
 

Kunst nach 1945
Friedensreich Hundertwasser, Großer Weg, 1955
Friedensreich Hundertwasser, Großer Weg, 1955
Kunstharz auf Leinwand 158 x 158 cm
Joannis Avramidis, Stehende Figur, um 1960
Joannis Avramidis, Stehende Figur, um 1960
Bronze Höhe 101 cm
Ausstellungsort: 21er Haus
Max Weiler, Kinderspiele (Welt des Kindes), 1953
Max Weiler, Kinderspiele (Welt des Kindes), 1953
Eitempera auf Leinwand 76 x 74,5 cm
Ernst Fuchs, Moses vor dem brennenden Dornenbusch, 1956/57
Ernst Fuchs, Moses vor dem brennenden Dornenbusch, 1956/57
Öltempera auf Holz 18,5 x 23,2 cm
Josef Mikl, Komposition, 1954
Josef Mikl, Komposition, 1954
Öl auf Hartfaserplatte 85 x 55 cm
Arnulf Rainer, Ostermorgen, 1953/54
Arnulf Rainer, Ostermorgen, 1953/54
Öl auf Leinwand 32 x 47 cm
Carl Unger, Hafen von Sanary, 1957
Carl Unger, Hafen von Sanary, 1957
Öl auf Leinwand 91 x 100 cm
Curt Stenvert, Wohlstandsidol, 1965
Curt Stenvert, Wohlstandsidol, 1965
Öl auf Holz, Metall, Erbsen 63 x 251 x 14 cm Schenkung Galerie Lang Wien
 Marc Adrian, Sprungperspektive (2. Fassung), 1964
Marc Adrian, Sprungperspektive (2. Fassung), 1964
Öl auf Leinwand 80 x 90 cm
Bruno Gironcoli, Mütterliches, Väterliches, ab 1968
Bruno Gironcoli, Mütterliches, Väterliches, ab 1968
Polyester, Holz 350 x 300 cm
Hans Staudacher, 3 x, 1958/59
Hans Staudacher, 3 x, 1958/59
Dispersion, Collage auf Hartfaserplatte 170 x130 cm
Alfred Hrdlicka, Torso eines stehenden Jünglings, 1957
Alfred Hrdlicka, Torso eines stehenden Jünglings, 1957
Bronze 183 cm
Neben der in Österreich vorherrschenden expressive Farbmalerei, zu der etwa das Spätwerk von Herbert Boeckl zählt, entstand die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Diese Variante der surrealistischen Malerei erfuhr ihre Prägung durch Albert Paris Gütersloh, den Mitbegründer des Art Club. Wichtige Vertreter dieser Strömung sind Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser. Ein Zentrum für abstrakte, informelle Kunst war die Galerie St. Stephan in Wien, die Künstler wie Arnulf Rainer oder Markus Prachensky förderte.
Die Mehrheit der Maler nach 1945 verfolgte eine eher moderate Modernität, die von einer gegenständlichen Darstellung und einer gestisch-expressiven Farbigkeit geprägt war. Hierher gehört etwa das Spätwerk von Herbert Boeckl. In seinem Werk Fliegender Specht (1950) löst sich das Motiv in ein Nebeneinander von autonomen Farbflecken auf. Auch das reife und späte Werk von Max Weiler ist von einem gestischen Kolorismus geprägt, in welchem das Naturvorbild virulent bleibt, wie etwa das Bild Nacht aus dem Jahr 1961 zeigt. Einen eigenen Weg der figuralen Reduktion beschreitet die Malerin Maria Lassnig, die in ihrem Frühwerk figürliche Darstellungen schafft, die in kubistisch zerlegte Farbflächen aufgespaltet sind.
Wie kaum eine andere Richtung in der österreichischen Kunst nach 1945 hat die Wiener Schule des Phantastischen Realismus auch international große Bekanntheit erlangt. Sie kann als späte Variante des Surrealismus angesehen werden. Ihr Mentor war Albert Paris Gütersloh, Professor an der Wiener Akademie für bildende Künste. Das Belvedere besitzt wichtige frühe Werke von Arik Brauer, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden und Ernst Fuchs.
Das Bild Moses vor dem brennenden Dornenbusch (1956/57) von Ernst Fuchs rückt das biblische Motiv in eine visionäre Darstellung, der eine miniaturhafte, altmeisterliche Maltechnik gegenüber steht. In den Bildern von Friedensreich Hundertwasser hingegen bildet sich schon früh die Tendenz zu besonderer Dekorativität heraus. Ein wichtiges Forum stellte in der unmittelbaren Nachkriegszeit der Art Club dar, der 1947 gleichfalls von Gütersloh mitbegründet wurde und für die kommenden Jahre das Sammelbecken für moderne Strömungen in Österreich bildete.
Neben den Surrealisten bildeten die „Abstrakten“ eine wichtige Gruppe der künstlerischen Avantgarde in Österreich. Abstrakter Expressionismus und Informel waren Schwerpunkte in der Kunst Westeuropas und den USA. In Wien bildete ab den frühen 1950er Jahren die Gruppe Galerie St. Stephan ein Zentrum für informelle Malerei, der die Maler Josef Mikl, Wolfgang Hollegha, Arnulf Rainer und Markus Prachensky angehörten. Holleghas Bild Farbversuche (Komposition 55) von 1955 überrascht durch seine zwanglose Ordnung von weichen Farbflächen, die ein harmonisches Farbensemble bilden.
Aus der Wotruba-Meisterklasse an der Wiener Akademie ging eine Reihe bedeutender Bildhauer hervor. Während die Wotruba-Schüler Andreas Urteil, Erwin Reiter und Joannis Avramidis eine abstrahierende Reduktion der Formen anstrebten, bekennt sich Alfred Hrdlicka, der ebenfalls bei Wotruba studierte, zur Drastik des Naturalismus.
Zeitgenössische Kunst
Birgit Jürgenssen, Jeder hat seine eigene Ansicht, Feministische Kunst, 1975/2006
Birgit Jürgenssen, Jeder hat seine eigene Ansicht, Feministische Kunst, 1975/2006
S/W Fotografie 40 x 30 cm
Oswald Oberhuber, Frosch, Zeitgenössische Kunst, 2010
Oswald Oberhuber, Frosch, Zeitgenössische Kunst, 2010
Mischtechnik auf Karton 27,4 × 29,4 cm
Maja Vukoje, Patata, Zeitgenössische Kunst, 2013
Maja Vukoje, Patata, Zeitgenössische Kunst, 2013
Acryl, Mini-CD auf Jute 210 × 180,5 × 5 cm
Heimo Zobernig, Ohne Titel, Zeitgenössische Kunst, 1985
Heimo Zobernig, Ohne Titel, Zeitgenössische Kunst, 1985
Lackspray auf Karton 35,7 x 26,4 cm
Hans Schabus, Mare Adriatico Venezia 13 Maggio 2005, Zeitgenössische Kunst, 2005
Hans Schabus, Mare Adriatico Venezia 13 Maggio 2005, Zeitgenössische Kunst, 2005
C-Print 125 x 147 cm
Künstlergruppe gelatin, Ohne Titel, Zeitgenössische Kunst, 2003
Künstlergruppe gelatin, Ohne Titel, Zeitgenössische Kunst, 2003
Plastilin, Fäden, Fotos, Holz 180 x 180 x 30 cm, ca. 30 kg
Franz Graf, MKCC, Zeitgenössische Kunst, 2013
Franz Graf, MKCC, Zeitgenössische Kunst, 2013
Tusche, Permanentmarker und Graphit auf Leinwand 160 × 110 cm
Erwin Wurm, Frau mit Orangen, Zeitgenössische Kunst, 2000
Erwin Wurm, Frau mit Orangen, Zeitgenössische Kunst, 2000
C-Print 184,5 × 125,5 cm
Dorit Margreiter, 10104 Angelo View Drive, Zeitgenössische Kunst, 2004
Dorit Margreiter, 10104 Angelo View Drive, Zeitgenössische Kunst, 2004
Fotografie 80 x 120 cm
Bruno Gironcoli, Ohne Titel, Zeitgenössische Kunst, um 1968
Bruno Gironcoli, Ohne Titel, Zeitgenössische Kunst, um 1968
Mischtechnik (Tempera, Metallfarbe) auf Papier 153 x 200,5 cm
Rudolf Polanszky, Sitzbild mit fotografischen Illustrationen, Zeitgenössische Kunst, 1980–1982
Rudolf Polanszky, Sitzbild mit fotografischen Illustrationen, Zeitgenössische Kunst, 1980–1982
2 Blätter mit Farbe auf Büttenpapier, 3 Fotografien 159 × 108 cm

Die Sammlung für zeitgenössische Kunst des Belvedere umfasst Strömungen und Entwicklungen in der österreichischen Kunst seit 1970. Derzeit besitzt die Sammlung einen Kernbestand von ca. 1.100 Arbeiten österreichischer und internationaler KünstlerInnen, die durch Dauerleihgaben ergänzt werden, welche langfristig für das Haus gewonnen werden konnten und die wichtige Lücken innerhalb der Sammlung füllen. Diese Sammlung dient als Basis für eine intensive wissenschaftliche Aufarbeitung der österreichischen Kunst im internationalen Kontext des 20. und 21. Jahrhunderts und hat gerade durch die Eröffnung des 21er Haus neue Impulse erhalten, die Sammlungstätigkeit im Bereich der Gegenwartskunst noch weiter auszubauen. Seit Mitte der 1960er Jahre des 20. Jahrhunderts setzte eine Differenzierung innerhalb der Kunstproduktion und ihren traditionellen Gattungen ein. So griffen etwa Bruno Gironcoli und Roland Goeschl nicht mehr zu Bronze oder Stein als Material, sondern zu Kunststoff als Werkstoff und zur Bezeichnung „Objekt“ und „Prozess“ eher als Skulptur. Das Bild hingegen streifte den Rahmen ab. In der malerischen Bewegung des Informel agierten Künstler wie Markus Prachensky und Hans Staudacher spontan und zufällig.
Im Aktionismus wurde der Körper selbst zum Bildträger und Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler projizierten die Verletzungen der Leinwand auf sich selbst. Ihre Aktionen wurden für den Moment konzipiert und durch dokumentierende Medien archiviert. Mit der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper als Projektionsfläche nahmen beispielsweise VALIE EXPORT, Birgit Jürgenssen und Maria Lassnig gesellschaftskritisch patriarchale Blick- und Beurteilungssysteme ins Visier. Franz West überprüft seit den 1970er Jahren die hegemonialen Ausdrucksweisen und Medienbegriffe im Kunstfeld. Mit seinen „Paßstücken“ wird der Dialog mit dem Betrachter zum integrativen Bestandteil des Werkes.
Während Österreichs Kunst der 1970er Jahre wichtige Beiträge in der Konzept – und Medienkunst etwa mit Gottfried Bechtold, VALIE EXPORT und Peter Weibel leistete, wurde im darauf folgenden Jahrzehnt das Tafelbild wieder präsent. Alois Mosbacher, Hubert Schmalix und Otto Zitko und stellten rasch getünchte, expressive Motive her.
In kritischer Auseinandersetzung mit der Kunst des 20. Jahrhunderts entwickeln die Künstler und Künstlerinnen Sprachen und Sprechformen, die sich mit traditionellen Kunstgattungen und expressiven Tendenzen genauso beschäftigen, wie mit Konzeptkunst, Minimalart, mit Aktionismus und Performance Kunst, Architektur und Design. Die jüngere Generation österreichischer Künstler ist in der Sammlung durch Arbeiten z.B. von und gelatin, Brigitte Kowanz, Lois Renner, Rudolf Stingel, Lois Weinberger und Otto Zitko vertreten. Zu Beginn der 90er Jahre wurden wieder vermehrt die institutionellen Voraussetzungen thematisiert. Für Marcus Geiger, Gerwald Rockenschaub und Heimo Zobernig wurden die Rahmenbedingungen der Ausstellungspräsentation (wie z.B. das Display, Katalog, Inventar) zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung. Postkoloniale Fragestellungen, xenophobe und geschlechtsbezogene Muster in Gesellschaft- und Kunstsystem wurden von Künstlerinnen wie Carola Dertnig, Ines Doujak, Dorit Margreiter und Lisl Ponger thematisiert.
Die jüngste Generation ist in der Sammlung der Gegenwartskunst besonders gut vertreten, da mit Beginn des neuen Jahrtausends die Sammlungsaktivität intensiviert wurde. Mit Anna Artaker, Verena Dengler, Manuel Gorkiewicz, Franz Kapfer, Elke Silvia Krystufek, Michael Part, Matthias Poledna, Florian Pumhösl, Constanze Ruhm, Hans Schabus, Markus Schinwald, Fabian Seiz und Esther Stocker seien einige Namen genannt.
Da die Entwicklungen in der österreichischen Kunst sich immer in einem internationalen Kontext vollziehen und im Belvedere auch so gezeigt werden, erwirbt das Belvedere im Rahmen des Artist-in-Residence Programm und im Zusammenhang mit thematischen Gruppenausstellungen auch relevante Werke internationaler KünstlerInnen. Dazu gehören beispielsweise Monika Baer, Keren Cytter, Roza El Hassan, Julian Göthe, Marcin Maciejowski, David Maljkovic, Jonathan Monk, Monika Schwitte und Amelie von Wulffen.
Dank wichtiger Dauerleihgeber verfügt die Sammlung aber auch über Werke von internationalen Größen wie Richard Artschwager, Marcel Broodthaers, Dan Graham, Sherrie Levine, Paul McCarthy, Gerhard Richter oder Rosemarie Trockel.