Neben der in Österreich vorherrschenden expressive Farbmalerei, zu der etwa das Spätwerk von Herbert Boeckl zählt, entstand die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Diese Variante der surrealistischen Malerei erfuhr ihre Prägung durch Albert Paris Gütersloh, den Mitbegründer des Art Club. Wichtige Vertreter dieser Strömung sind Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser. Ein Zentrum für abstrakte, informelle Kunst war die Galerie St. Stephan in Wien, die Künstler wie Arnulf Rainer oder Markus Prachensky förderte.
Die Mehrheit der Maler nach 1945 verfolgte eine eher moderate Modernität, die von einer gegenständlichen Darstellung und einer gestisch-expressiven Farbigkeit geprägt war. Hierher gehört etwa das Spätwerk von Herbert Boeckl. In seinem Werk Fliegender Specht (1950) löst sich das Motiv in ein Nebeneinander von autonomen Farbflecken auf. Auch das reife und späte Werk von Max Weiler ist von einem gestischen Kolorismus geprägt, in welchem das Naturvorbild virulent bleibt, wie etwa das Bild Nacht aus dem Jahr 1961 zeigt.
Einen eigenen Weg der figuralen Reduktion beschreitet die Malerin Maria Lassnig, die in ihrem Frühwerk figürliche Darstellungen schafft, die in kubistisch zerlegte Farbflächen aufgespaltet sind.
Wie kaum eine andere Richtung in der österreichischen Kunst nach 1945 hat die Wiener Schule des Phantastischen Realismus auch international große Bekanntheit erlangt. Sie kann als späte Variante des Surrealismus angesehen werden. Ihr Mentor war Albert Paris Gütersloh, Professor an der Wiener Akademie für bildende Künste. Das Belvedere besitzt wichtige frühe Werke von Arik Brauer, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden und Ernst Fuchs.
Das Bild Moses vor dem brennenden Dornenbusch (1956/57) von Ernst Fuchs rückt das biblische Motiv in eine visionäre Darstellung, der eine miniaturhafte, altmeisterliche Maltechnik gegenüber steht. In den Bildern von Friedensreich Hundertwasser hingegen bildet sich schon früh die Tendenz zu besonderer Dekorativität heraus. Ein wichtiges Forum stellte in der unmittelbaren Nachkriegszeit der Art Club dar, der 1947 gleichfalls von Gütersloh mitbegründet wurde und für die kommenden Jahre das Sammelbecken für moderne Strömungen in Österreich bildete.
Neben den Surrealisten bildeten die „Abstrakten“ eine wichtige Gruppe der künstlerischen Avantgarde in Österreich. Abstrakter Expressionismus und Informel waren Schwerpunkte in der Kunst Westeuropas und den USA. In Wien bildete ab den frühen 1950er Jahren die Gruppe Galerie St. Stephan ein Zentrum für informelle Malerei, der die Maler Josef Mikl, Wolfgang Hollegha, Arnulf Rainer und Markus Prachensky angehörten. Holleghas Bild Farbversuche (Komposition 55) von 1955 überrascht durch seine zwanglose Ordnung von weichen Farbflächen, die ein harmonisches Farbensemble bilden.
Aus der Wotruba-Meisterklasse an der Wiener Akademie ging eine Reihe bedeutender Bildhauer hervor. Während die Wotruba-Schüler Andreas Urteil, Erwin Reiter und Joannis Avramidis eine abstrahierende Reduktion der Formen anstrebten, bekennt sich Alfred Hrdlicka, der ebenfalls bei Wotruba studierte, zur Drastik des Naturalismus.
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