Zwischenkriegszeit

Als Gegenbewegung zu den abstrakten Tendenzen der 1910er-Jahre kam es insbesondere in Deutschland, aber auch im gesamteuropäischen Raum zu einer Rückbesinnung auf die realistische Darstellung der Dinge. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Neuen Sachlichkeit in Österreich zählten Rudolf Wacker, Herbert Ploberger,
Marie-Louise Motesiczky und Franz Sedlacek.

Die Mehrzahl der österreichischen Künstler pflegte eine lyrische, vorwiegend naturalistische Malweise und widmete sich überwiegend traditionellen Bildthemen wie Landschaft, Porträt und Stillleben. Ein Zentrum der gegenständlichen Malerei bildete der Nötscher Kreis in Kärnten.

Bereits in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hatten viele österreichische Künstler ihre Heimat verlassen, da sie sich bessere Arbeitsbedingungen und Karrierechancen im Ausland, beispielsweise in den USA oder in Frankreich, erwarteten. Ab 1938 zwang jedoch das zunehmend an Macht gewinnende diktatorische Regime des Nationalsozialismus viele Künstler ins Exil, u. a. Max Oppenheimer, Joseph Floch, Franz Lerch, Wolfgang Paalen, Hans Boehler, Fritz Wotruba und Georg Ehrlich. Andere, denen die Emigration nicht möglich war, wurden verfolgt und ermordet, nachdem ihnen zuvor ein Mal- und Berufsverbot auferlegt worden war. Die emigrierten Künstler trafen im Ausland auf frische Impulse, und so bildeten sich neue Netzwerke.

Meisterwerke der Zwischenkriegszeit

Das Belvedere besitzt mit der Dorflandschaft (1912/13) von Fernand Léger eines der wenigen Beispiele aus der Frühzeit des französischen Kubismus. Der Grazer Maler Alfred Wickenburg, der u. a. von 1906 bis 1909 bei Jean-Paul Laurens an der Pariser Académie Julian studiert hatte, schuf mit seinem Werk Rinaldo und Armida (1923) eines der signifikantesten Beispiele kubistischer Figurendarstellung jener Zeit in Österreich.

In Tschechien hatten Künstler bereits vor 1914 eine kubistische Formensprache für ihre Bildkompositionen etabliert. Herausragende Vertreter sind u. a. Emil Filla und Antonin Procházka. Arbeiten beider Künstler gelangten neben zahlreichen weiteren tschechischen Meisterwerken durch die Dauerleihgabe der Sammlung Rotter 2012 an das Museum und eröffnen einen neuen Blickwinkel auf das Verhältnis der tschechischen Künstler zu ihren Wiener Kollegen. Die Meisterwerke der Sammlung Thyssen, die ebenfalls als Dauerleihgaben im Belvedere zu sehen sind, komplettieren die Darstellung der Verbindungen zur Abstraktion in Wien. Wiener Kinetismus, tschechischer Kubismus und russischer Konstruktivismus werden so erstmals gemeinsam präsentiert.

Ab Mitte der 1920er-Jahre galt die Neue Sachlichkeit als einer der wenigen Orientierungspunkte in der stilistisch eher uneinheitlichen künstlerischen Landschaft. Hauptmeister dieses Stils in Österreich war der Vorarlberger Maler Rudolf Wacker. Sein Bild Zwei Köpfe (1932) besitzt in seiner nüchternen Präzision etwas von der dämonischen Hintergründigkeit, die für viele Werke dieser Stilrichtung typisch ist. Auch die Arbeiten von Franz Sedlacek wirken in ihrem fantasievollen Erzählstil oft bizarr. Im Zusammenhang mit den Werken der tschechischen Surrealisten ergeben sich auch neue Perspektiven auf die Beurteilung der wechselseitigen Einflüsse.

Franz Wiegele zählte gemeinsam mit Anton Kolig, Sebastian Isepp und Anton Mahringer zur Künstlergruppe des Nötscher Kreises in Kärnten, die vor allem das Genre der Figuren- und Landschaftsmalerei pflegte. Viele österreichische Maler, die in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen aktiv waren, lassen sich jedoch keiner bestimmten Stilrichtung zuordnen, da sie zu individuellen Ausdrucksweisen fanden.

Kunst im Exil

Das Werk des Grazer Malers Wilhelm Thöny etwa zeigt einen merkwürdig unakademischen Stil, der in der Reduktion und Brüchigkeit der Darstellung einen oft ironischen Charakter besitzt. Oskar Laske pflegte einen erzählerischen, anekdotischen Stil, der mitunter karikaturhafte Züge annahm, wie etwa im Gemälde Narrenschiff (1923). Künstler wie der Wiener Josef Dobrowsky oder der Kärntner Jean Egger wiederum betonten den gestischen Pinselstrich, wobei vor allem die Bilder von Egger schon an die Grenze der gegenständlichen Darstellung reichen.

Darüber hinaus beherbergt das Belvedere wichtige Beispiele der Malerei nach 1918 in Deutschland. Darunter ragen eine Reihe später Arbeiten von Lovis Corinth heraus, etwa Der Herzogstand am Walchensee im Schnee (1922), dessen Malweise gut den malerisch und gestisch in Auflösung befindlichen Stil des Künstlers dokumentiert. Das Bild Liegende Frau mit Buch und Schwertlilien (1931) ist ein Meisterwerk von Max Beckmann, in dem ein Ausgleich zwischen expressiver Linienführung, symbolischem Gehalt in den Motiven und harmonischer Farbgestaltung erzielt wird.

Fritz Wotruba gilt neben Anton Hanak als die wichtigste Bildhauergestalt des 20. Jahrhunderts in Österreich. Wotrubas Spätwerk weist Elemente des Kubismus sowie eine starke Tendenz zu abstrahierender Verblockung auf. Wie die Steinskulptur Große Sitzende (Kathedrale) (1945) zeigt, blieb jedoch stets die menschliche Figur im Zentrum seines Schaffens.

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