Prinz Eugen von Savoyen

Jacob van Schuppen, Prinz Eugen als Türkensieger, 1718 © Rijksmuseum, Amsterdam/als Dauerleihgabe im Belvedere

2010 hat das Belvedere in der groß angelegten Sonderausstellung den Erbauer des Schlosses als Feldherrn, Philosophen und Kunstfreund gewürdigt. Das eine ermöglichte hierbei das andere: Seine erfolgreiche militärische und diplomatische Tätigkeit unter drei Habsburger-Kaisern bescherte ihm ein großes Vermögen, sodass er sich als Bauherr und Förderer der Künste betätigen konnte.
Den modernen Menschen mag es nachdenklich stimmen, dass militärische Erfolge, die viele Menschenleben forderten, großzügig honoriert wurden, doch ein genauerer Blick auf die Geschichte zeigt, dass man hier nicht voreilig Schlüsse ziehen darf.

Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass ein Krieg damals eine völlig andere Bedeutung hatte als heute. Es herrschte kein permanenter Kampfzustand, sondern es wurden gezielt Schlachten geschlagen. Und kriegerische Aktionen waren zu Prinz Eugens Zeiten ein durchdacht eingesetztes politisches Mittel, um die eigenen Territorien zu verteidigen. Von der Entsatzschlacht in Wien 1683, bei der Prinz Eugen als Oberstleutnant lediglich ein kleines Rad war, bis hin zu den Rheinfeldzügen im Polnischen Erbfolgekrieg: Krieg hatte dabei nichts mit Menschenverachtung an sich zu tun.
„Berufliches“ und „Privates“ wurden darüber hinaus streng getrennt. Anders wäre es Prinz Eugen als gebürtigem Franzosen wohl nicht möglich gewesen, gegen Franzosen vorzugehen. Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem Herzog von Marlborough, der ihm 1704 als Verbündeter in der Schlacht von Höchstädt zur Seite stand. Diese Freundschaft hatte auch Bestand, nachdem Marlborough in seiner englischen Heimat in Ungnade gefallen war.
Die bedeutendsten Feldherren waren demzufolge auch keineswegs die grausamsten, sondern vielmehr - wie Prinz Eugen - die klügsten; die Kriegskunst als Ingenieurwissenschaft zählte zu den sieben Artes mechanicae. Und es ist nicht uninteressant, dass sich einige der berühmtesten Architekten dieser Zeit - wie beispielsweise Johann Lucas von Hildebrandt - erst einen Namen als Festungsbaumeister machten, bevor sie sich zivilen Aufgaben zuwandten und durch prachtvolle Schlösser und Kirchen reüssieren konnten.

Ein Kupferstich zeigt das Stadtpalais des Prinzen in der Wiener Himmelpfortgasse mit zahlreichen Menschen davor. Hier wurde der Einzug des türkischen Agas festgehalten, den Prinz Eugen samt seiner Entourage festlich empfing. Trotz der Schlachten, die man gegeneinander austragen musste, begegnete man sich fernab vom Kriegsschauplatz mit Würde, bisweilen sogar freundschaftlich - und stets mit großem Interesse für andere Kulturen. Die Begegnung mit Menschen anderer Länder zog auch im Rahmen kriegerischer  Aktionen einen bereichernden Kulturaustausch mit sich.
Dies führte im 18. Jahrhundert zu einer à la turca-Mode, die weite Teile Europas erfasste. Ohne diese Kontakte hätten zahlreiche Pflanzen wie Tulpen oder Mais nicht so rasch Verbreitung gefunden, wobei vieles in Form von begehrten diplomatischen Geschenken nach Mitteleuropa gelangte. Äußerst begehrt waren auch die türkischen Textilien und besonders die Teppiche. Doch auch im Osmanischen Reich orientierte man sich an den neuesten Tendenzen des mitteleuropäischen Barock, wobei man sich insbesondere in der Architektur inspirieren ließ.

Prinz Eugens militärisch-politische Karriere ist ohne Zweifel als beispiellos zu bezeichnen, denn letzten Endes hatte er sogar den prestigeträchtigen Posten des Generalstatthalters der österreichischen Niederlande für einige Jahre inne. Daneben betätigte er sich als eifriger Bauherr, war darüber hinaus begeisterter Kunstsammler und Bücherfreund. Bezeichnend für ihn ist, dass er trotz seiner Leidenschaften auch in Friedenszeiten nicht auf seine Soldaten vergaß und sich um deren Wohlergehen kümmerte, in einem geänderten Testament laut Überlieferung sogar großzügige Stiftungen für sie errichten wollte.
Aus heutiger Sicht kann man ihn als einen innovativen, erfolgreichen Manager mit hohem sozialem Verantwortungsgefühl bezeichnen, der sich der positiven und alle Völker einigenden Kraft von Kunst und Kultur bewusst war.

 

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