Geschichte des 21er Haus

20er Haus, Courtesy MUMOK © Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
20er Haus, Eröffnungsausstellung 1962, Courtesy MUMOK © Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

 

Das Gebäude wurde 1958 von dem österreichischen Architekten Karl Schwanzer (1918 - 1975) als temporärer Ausstellungsraum für die Weltausstellung in Brüssel errichtet. Schwanzer hatte sich in der nationalen Ausschreibung des Bundes gegen Mitbewerber wie Oswald Haerdtl, Otto Niedermoser und Erich Bolternstern durchgesetzt. Später schrieb er in seinem Buch Architektur aus Leidenschaft: „...mit minimalem Aufwand sollte maximaler Effekt erzielt werden.“

 

35 Millionen Schilling ließ sich Österreich seinen Pavillon zur Weltausstellung 1958 kosten - im Vergleich zu anderen Teilnehmerländern ein niedrig angesetzter finanzieller Rahmen. „Die humanistische Idee, die den Menschen zur Mitte und zum Maß jedes zivilisatorischen und geistigen Fortschrittes prägt“, war laut Schwanzer Ausgangspunkt des Konzepts. Ein Beitrag ganz im Sinne des Expo-Mottos „Bilanz einer Welt für eine menschlichere Welt“.

 

Die Architektur des Pavillons schien zu schweben. Aus Rücksicht auf den schlechten Baugrund im Parc Royal wurde das Bauwerk in Leichtbauweise konzipiert, das Obergeschoss mit 40 mal 40 Metern stand ausschließlich auf vier Stützen. Für die Statik der Konstruktion war Robert Krapfenbauer verantwortlich, der später auch an der Planung des Wiener Donauturms mitwirkte. Für den zukunftsweisenden und technisch innovativen Entwurf erhielt Schwanzer 1958 den Grand Prix d’Architecture. Fritz Wotruba wurde mit der Gestaltung eines monumentalen Figurenreliefs beauftragt, das vor dem Pavillon aufgestellt wurde.

Nicht zuletzt dem ehemaligen Unterrichtsminister Heinrich Drimmel ist zu verdanken, dass der österreichische Pavillon als Museum des 20. Jahrhunderts einer neuen Nutzung zugeführt wurde. In der Presse vom 30. Jänner 1958 wurde die Weltausstellungshalle als „geradezu ideale Grundlage für ein Museum moderner Kunst“ bezeichnet. Die Stahlskelettkonstruktion wurde von Karl Schwanzer für museale Zwecke adaptiert, das Erdgeschoss verglast, der Hof überdacht, alle Fassaden maßgeblich verändert und im Schweizer Garten wieder aufgebaut. Am 20. September 1962 wurde das Gebäude als Museum des 20. Jahrhunderts eröffnet. Über das neue Museum und die erste Ausstellung Kunst von 1900 bis heute hieß es in der lokalen Presse, das Museum stelle "einen solchen Einbruch in die Wiener Museumstradition dar, dass man sich unwillkürlich beim ersten Betreten des Museums wie auf exterritorialem Boden vorkommt“. Der Kunsthistoriker Werner Hofmann schrieb anlässlich der Eröffnung: „Das neue Haus besitzt die Signatur unseres Zeitalters, seine räumliche Anlage trägt dem Umstand Rechnung, dass die Kunst dieses Jahrhunderts ein kraftvolles, oft aggressives Selbstbewusstsein zur Schau trägt, das nach Weite und Offenheit verlangt.“

Das Gebäude diente dem Museum Moderner Kunst als Ausstellungshalle, bis die Sammlung Ende 2001 in das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig im neuen Museumsquartier (ehemalige Hofstallungen) umzog. Im Frühsommer 2002 wurde das Haus an das Belvedere übergeben und wurde im November 2011 als 21er Haus neu eröffnet.

 

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