Abgeschlossene Projekte

Die hauseigene Forschungsarbeit des Belvedere wird durch externe/drittmittelfinanzierte Forschungsprojekte ergänzt. Die daraus resultierenden Ergebnisse finden Eingang in diverse Ausstellungs- und Publikationsprojekte und stehen damit auch einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

Frau im Archiv des Research Center
© Belvedere, Wien
Neue Freie Presse von 1901 bis 1910
 

Das Forschungsprojekt wurde vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank finanziert.

Laufzeit: 1. Oktober 2013 bis 31. September 2015

Projektleiter: Alfred Weidinger

Projektmitarbeiterinnen: Julia Dostal und Luzia Reinthaler

Research Center, Aktenwand
Foto: Clemens Niederhammer, © Belvedere, Wien

Die Rezeption des österreichischen und internationalen Kunstgeschehens in der österreichischen Tageszeitung Neue Freie Presse von 1901 bis 1910.

Das Belvedere setzt sich mit seinem Forschungsvorhaben das Ziel, alle kunsthistorisch relevanten Inhalte der österreichischen Tageszeitung Neue Freie Presse für den Zeitraum 1901 bis 1910 ­­– eines der bedeutendsten Jahrzehnte für die österreichische Kunst-, Kultur- und Geistesgeschichte – der Forschung wie auch der Öffentlichkeit in adäquater Weise zugänglich zu machen.

Printmedien waren im projektrelevanten Zeitraum die bedeutendsten Informationsträger für die Rezeption von bildender Kunst. Die Neue Freie Presse, damals die führende Zeitung der Habsburgermonarchie, erschien im Projektzeitraum zwölfmal wöchentlich. Die Tiefenerschließung der in der betreffenden Periode einflussreichsten Tageszeitung stellt ein dringendes Desiderat der österreichischen Kunstgeschichtsforschung dar und wird die Forschungslage dieser Periode erheblich verbessern.

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Nötscher Kreis
 

Auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur wurde von 1999 bis 2004 ein Forschungsprojekt über die Künstler des Nötscher Kreises durchgeführt. Im Zuge dieses Projekts wurden alle erreichbaren Werke der Künstler des Nötscher Kreises erfasst, umfassend wissenschaftlich dokumentiert und in einer Bilddatenbank zur Verfügung gestellt. Das Projekt stellt eine verlässliche Basis für künftige wissenschaftliche Bearbeitung und Würdigung dar.

Porträts der vier männlichen Mitglieder des Nötscher Kreis
© Belvedere, Wien

 

Vier Maler bildeten den so genannten Nötscher Kreis: Franz Wiegele (1887-1944) und Sebastian Isepp (1884-1954) wurden im Dorf Nötsch im Kärntner Gailtal geboren. Anton Kolig (1886-1950) und Anton Mahringer (1902-1974) ließen sich, aus Mähren bzw. Deutschland kommend, dort nieder.

Diese Maler vertraten das Prinzip der raumschaffenden Farbe auf jeweils individuelle Weise und leisteten damit einen hervorragenden und Einfluss gebenden Beitrag zum kunsthistorischen Phänomen eines eigenständigen österreichischen Expressionismus.

Der Nötscher Kreis gehört somit zu den bedeutendsten Künstlergruppen Österreichs zwischen den beiden Weltkriegen und gestaltet das Bild der österreichischen Malerei der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend mit. Seine Bedeutung beschränkt sich nicht nur auf den lokalen Kärntner Raum, sondern ist vielmehr in einem überregionalen Kontext zu sehen. Die rege Reisetätigkeit der Künstler und ihre komplexen Beziehungen zu zahlreichen Intellektuellen ihrer/jener Zeit sind von besonderem kulturhistorischem Interesse.

 

Nötscherkreis

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Internationales Netzwerk Hagenbund 
(1900 bis 1938)
 

Das Forschungsprojekt wird vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank finanziert.

Projektleiter: Matthias Boeckl

Laufzeit: April 2013 bis April 2015

Sachbearbeiter: Harald Krejci
 

Projektmitarbeiter_innen:
 Verena Gamper
, Maximilian Kaiser
,
Kerstin Jesse
, Axel Köhne
, Harald Krejci

Ausschnitt aus dem Hagenbund Plakat
© Belvedere, Wien

Der Hagenbund war von jenen drei großen Künstlervereinigungen, welche das Kunst- und Kulturleben Wiens bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs bestimmten, im Vergleich zur Sezession und zum Künstlerhaus der mit Abstand vielseitigste Verband. Unter seinem Dach fanden auch Randgruppen einen Platz, die aufgrund ihrer Nationalität, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihres Alters oder einfach nur wegen ihrer präferierten Stilrichtung politisch wie gesellschaftlich marginalisiert wurden. Die spezifische Zusammensetzung seiner Mitglieder war einer der Gründe für den heimischen wie internationalen Erfolg des Hagenbundes. Im Jahr 1938 endete nicht nur die Geschichte des Vereins, es wurde auch zeitgleich dessen Archiv zerstört. Der Forschung zum Thema Künstlervereinigung Hagenbund bis heute vollständig erhalten geblieben sind die Kataloge zu den zweimal jährlich veranstalteten umfangreichen Ausstellungen und die dazugehörigen Rezensionen in den Tageszeitungen. Hinzu kommen Teil- und Splitternachlässe einzelner Mitglieder, welche sich über institutionelle und private Sammlungen verteilen. Aus diesen Beständen schöpft die Forschung seit der Wiederentdeckung des Hagenbundes in den 1970er-Jahren.

 

Interaktive Visualisierung

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Das internationale Netzwerk

Augenfällig, und dennoch bisher nicht erforscht, ist die nationale bzw. internationale Positionierung des Hagenbundes vom Austritt Gustav Klimts und anderer aus der Secession bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938. Heute sprechen wir von einem internationalen Netzwerk Hagenbund, das sich regional formierte und international operierte. Die Kontakte zu Künstlern aus Tschechien, Ungarn, Polen, der Ukraine, Deutschland, der Slowakei und Slowenien sind wenig erforscht und die Frage nach ihrem Einfluss auf die stilistische Haltung der verschiedenen Wiener Künstler somit auch noch nicht genau recherchiert oder einer exakten kunsthistorischen Beurteilung unterzogen. Erst eine gewissenhafte Quellenrecherche bezüglich der verschiedenen international ausgreifenden Künstlernetzwerke und dem Hagenbund nahestehender Kritiker, Kunsthistoriker und Feuilletonisten kann einen neuen, erweiterten Blickwinkel auf die Kunstentwicklung in Österreich und Wien liefern.

 

 

Netzwerkanalyse

Die Verknüpfung von Kunstgeschichte und Soziologie liefert eine auf der Methode der Netzwerkanalyse basierte Aufarbeitung des Quellenmaterials. Diese seit einigen Jahren für die Kunstgeschichte eingesetzte Vorgangsweise ermöglicht differenzierte Einblicke in die soziale Dynamik des Kunstfeldes und ist ein geeignetes Werkzeug für die kunstwissenschaftliche Analyse und Beurteilung. Nach über 30 Jahren Forschungsgeschichte in Bezug auf den Hagenbund, die Secession, das Künstlerhaus und die Galerienszene hat das Projekt zum Ziel, durch eine umfassende Grundlagenforschung und eine kritische Aufarbeitung der bekannten Quellen neue Perspektiven für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Künstlervereinigung Hagenbund zu gewinnen. Die kunsthistorische Netzwerkforschung als solche ist in jüngster Zeit ins allgemeine Interesse der Forschung gerückt (Burcu Dogramaci und Karin Wimmer [Hg.], Netzwerke des Exils. Künstlerische Verflechtungen, Austausch und Patronage nach 1933, Berlin 2011).

 

 

Ziel

Ziel ist eine umfassende Darstellung der Beziehungen der Künstler des Hagenbundes untereinander, aber auch mit anderen Institutionen innerhalb Wiens und europaweit. Denn die detaillierte Darstellung der Verbindungen der Künstler untereinander einerseits sowie mit Kritikern, Journalisten, Ausstellungsmachern und Kulturpolitikern andererseits ermöglicht die Klärung der Frage, warum zu bestimmten Zeiten eine besondere Kunstströmung, wie der Expressionismus, die Neue Sachlichkeit, der magische Realismus oder die Abstraktion, in den Vordergrund rückt. So soll der bisher nur rudimentären Behandlung des Hagenbundes seit 1993 – trotz erster historischer Aufarbeitungen – entgegengewirkt werden. Aktualisierte Biografien einzelner Künstler sowie die nahezu lückenlose Aufklärung der Ausstellungsgeschichte und der Aktivitäten des Hagenbundes sollen einen bedeutenden Teil der österreichischen Kunstgeschichte neu beleuchten.

 

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