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Ausstellungen

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Christian Mayer - Musis et Mulis

Intervention

08. November 2013 bis 23. Februar 2014
Prunkstall, Unteres BelvedereBelvedere

Parallel zu WIEN 1450 - Der Meister von Schloss Lichtenstein und seine Zeit eröffnet im Schaudepot Schatzhaus Mittelalter eine Intervention des in Wien lebenden Künstlers Christian Mayer. Bereits seit 2007 werden nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen, mit speziell entwickelten ortsspezifischen Arbeiten auf die Sammlung des Museums sowie auf die Architektur und die Geschichte des Hauses einzugehen. Im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen zu WIEN 1450 wurden aus dem neben der Orangerie gelegenen ehemaligen Prunkstall des Prinzen Eugen, der ursprünglich dessen Leibpferde beherbergte und vor einigen Jahren zu einem modernen Schaudepot für rund 150 Objekte sakraler mittelalterlicher Kunst umgestaltet wurde, einige der Tafelbilder entfernt. Die dadurch entstandenen Lücken in der Präsentation wurden zum Anlass genommen, einen Künstler einzuladen, sich mit dem Ort und seinen Exponaten auseinanderzusetzen, die temporären Veränderungen produktiv zu nützen und um neue Perspektiven zu erweitern.
 
Musis et Mulis – den Musen und den Maultieren: Mit dieser ironischen Bezeichnung kommentierten Berliner Bürger Anfang des 18. Jahrhunderts die Tatsache, dass Kurfürst Friedrich III. im Obergeschoß des königlichen Marstalls die Akademie der Künste einrichten ließ. Indem Christian Mayer dieses Motto aufnimmt, verweist er auf die verschiedenen Nutzungen des Prunkstalls im Verlauf der Zeit, vom Marstall des Prinzen Eugen bis zum Ausstellungsraum bildender Kunst. Seine mehrteilige Installation verschränkt die Zeitschichtungen des barocken Raumes und der mittelalterlichen Exponate und thematisiert Prozesse kultureller Aneignung und Musealisierung wie auch die (Un-)Möglichkeiten der Bewahrung, der authentischen Rekonstruktion oder der symbolischen Aktualisierung. Gezielt greift Christian Mayer in die dichte Präsentation sakraler Bilder ein: So bringt er Stützkonstruktionen aus Holz oder Leinwand zum Vorschein, die auf den Ursprung der Tafeln als beidseitig bemalte Altarflügel hindeuten, die anlässlich ihrer musealen Präsentation um 1900 gespalten wurden. Zudem transferiert Mayer Holzpfähle, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts als unterirdische Stützen des Berliner Stadtschlosses eingesetzt wurden, in Form eines skulpturalen Ensembles von ihrem ursprünglichen Stütz- in einen Kunstkontext. Symbolische und materielle Transformationen visualisiert er schließlich auch in einer Videoarbeit, die gemeinsam mit den anderen Teilen der Installation eine räumliche Erzählung rund um Konservierung und Beschützung, den Kampf gegen den Zerfall, Entwesung und Verwesung sowie die Vergänglichkeit durch die Zeit bildet.