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title: "„Solange das Gefühl da ist, reicht es“"
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# „Solange das Gefühl da ist, reicht es“

![Bild](https://www.belvedere.at/sites/default/files/styles/full_width/public/2026-10/OskarHaag_DERKUSS_Videoshoot_by_Michelle_Rassnitzer_011.jpeg.webp?itok=jiXABiGd) 

Oskar Haag über Gustav Klimts „Kuss“, Musik und die Wirkung von Kunst

**Kategorie:** Perspektiven

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**Veröffentlicht:** 26.10.2026

**Lesezeit:** 6 Min. lesen

Wie inspirieren sich Kunst, Musik und Schauspiel gegenseitig? Oskar Haag hat dazu im Belvedere eine ganz besondere Erfahrung gemacht. Wir haben mit dem Musiker und Schauspieler über Gustav Klimts *Kuss*, spontane Inspiration und die überraschende Wirkung von Kunst gesprochen.

**Interview:** Oskar Haag Lisa Ebner-Kollmann

**Fotos:** © Michelle Rassnitzer

> "Dann stand ich davor und habe es verstanden."
> 
> Oskar Haag

**Belvedere Stories:** *Du kanntest Klimts Kuss natürlich schon lange, warst aber zunächst nicht besonders begeistert davon. Warum?*

**Oskar Haag:** Ich kannte ihn vor allem vom ganzen Merchandising. Auf Postkarten, T-Shirts, Sackerln, Kaffeetassen – das Bild findet man einfach überall. Ich habe andere Werke von Klimt gekannt, die ich wahnsinnig gern mochte, und nicht verstanden, warum ausgerechnet dieses eine Bild so weltberühmt ist.

Ich bin damals eigentlich nur ins Belvedere gegangen, weil ein Freund aus Kärnten zu Besuch war und unbedingt hinwollte. Wenn man in einer Stadt wohnt, besucht man die klassischen Sehenswürdigkeiten ja oft gar nicht. Und dann stand ich plötzlich vor dem Original und habe verstanden, warum dieses Bild so ein Standing hat.

![Der Musiker Oskar Haag vor dem Gemälde Der Kuss von Gustav Klimt. — © Michelle Rassnitzer](https://www.belvedere.at/sites/default/files/styles/full_content_width_no_crop/public/2026-10/OskarHaag_DerKuss_by_Michelle_Rassnitzer_4.jpg.webp?itok=gA8eCyAt)

**Belvedere Stories:**  *Was war in diesem Moment anders?*

**Oskar Haag:** Es ist so prunkvoll, aber gleichzeitig hat es eine wahnsinnige Intimität. Das hat mich in diesem Moment wirklich erwischt. Und jedes Mal, wenn ich diese Geschichte erzähle, hört sie sich so dahergelogen an. Aber genau in dieser Sekunde ist mir die Melodie für den Refrain eingefallen.

Ich habe mich irgendwo in eine Ecke gesetzt und sie in mein Handy genuschelt. Und dann bin ich ehrlich gesagt nach Hause gefahren. Den Rest des Museums habe ich mir gar nicht mehr angesehen. Ich wusste einfach: Wenn ich dieses Lied schreiben will, muss ich jetzt heim und ans Klavier, sonst ist das Gefühl weg.

**Belvedere Stories:** *Und wie schnell wurde aus dieser Melodie ein fertiger Song?*

**Oskar Haag:** Ich habe mich zuhause sofort ans Klavier gesetzt. Innerhalb von ungefähr einer Stunde war das Lied geschrieben. Später habe ich es meinem Vater vorgespielt, und er meinte, ich sollte noch einen C-Teil, also eine Bridge, ergänzen. Die habe ich dann auch ziemlich schnell geschrieben.

Bei diesem Song hat es eigentlich nie Schwierigkeiten gegeben. Manchmal arbeitet man monatelang an einem Lied, manchmal sogar fast zwei Jahre, und kommt einfach nicht weiter. Aber bei *Der Kuss* war alles sofort klar. Das passiert nicht oft.

## **„Als würde das Gold von diesem Kuss ausgehen“**

**Belvedere Stories:**  *Du hast die Intimität des Gemäldes angesprochen. Wie hast du die beiden Figuren und ihre Beziehung wahrgenommen?*

**Oskar Haag:** Für mich war das schon eine romantische Beziehung. Das Bild hat eine wahnsinnige Zärtlichkeit, gerade im Kontrast zu diesem ganzen Gold.

Ich habe das Gold ein bisschen so wahrgenommen, als würde es von diesem Kuss selbst ausgehen und sich plötzlich über die ganze Leinwand ausbreiten. Als würde dieses Gefühl alles einnehmen. Das kommt ja auch direkt im Song vor: *„I want to paint our bodies gold.“*

**Belvedere Stories:**  *Du beschreibst damit eine sehr persönliche Interpretation des Gemäldes. Hast du dich nach dieser Begegnung noch intensiver mit Klimt oder mit dem Kuss beschäftigt?*

**Oskar Haag:** Eigentlich nicht. Mit Klimt hatte ich mich schon vorher beschäftigt. Ich war in Klagenfurt in einem Schulzweig mit Schwerpunkt bildnerische Erziehung, und meine Eltern haben beide viel mit Kunst und Kultur zu tun. Ich bin also mit solchen Dingen aufgewachsen.

Aber mit diesem Bild selbst habe ich mich danach gar nicht mehr groß auseinandergesetzt. Ich hatte es gesehen, es hatte etwas in mir ausgelöst, und das war für mich das Entscheidende. Ich hatte nicht das Bedürfnis, noch viel mehr darüber zu wissen. Solange dieses Gefühl da ist, reicht es.

## **Wenn aus einem Gefühl ein Lied wird**

**Belvedere Stories:** *Ist es typisch für dich, dass dich ein Kunstwerk so unmittelbar zum Musikmachen bringt?*

**Oskar Haag:** Nein, das passiert nicht oft. Ich gehe auch nicht bewusst in ein Museum oder ins Theater oder schaue mir einen Film an, weil ich unbedingt Inspiration finden will. Aber manchmal löst eine andere Kunstform etwas in mir aus, das ich dann irgendwie verarbeiten muss.

Zum Beispiel habe ich nach dem Film *Call Me by Your Name* einmal einen Song geschrieben. Der ist bisher nicht veröffentlicht, vielleicht kommt er irgendwann noch. Aber dass man so einen starken Drang verspürt, etwas unmittelbar in einen Song zu verwandeln, ist schon etwas Besonderes.

**Belvedere Stories:**  *Du hast gesagt, dass du vor allem nach Gefühl arbeitest. Wie kann man sich das beim Songwriting vorstellen?*

**Oskar Haag:** Ich habe eigentlich keine Ahnung von Noten. Gitarre und Klavier habe ich mir selbst beigebracht, und mir hat auch nie jemand erklärt, wie man ein Lied schreiben muss.

Ich mache das alles irgendwie nach Gefühl. Das klingt vielleicht ein bisschen wenig wertschätzend meinen eigenen Fähigkeiten gegenüber, aber es passiert einfach. Manchmal gibt es Gefühle, die ich sehr lange mit mir herumtrage und bei denen ich nicht weiß, wohin damit. Irgendwann landen sie dann in einem Song. Bei *Der Kuss* musste das Gefühl dagegen sofort raus.

**Belvedere Stories:**  *Du arbeitest auch als Schauspieler. Gibt es zwischen diesen beiden künstlerischen Tätigkeiten Verbindungen, die dir selbst auffallen?*

**Oskar Haag:** Ja, auf jeden Fall. Wenn man am Burgtheater spielt, hilft das natürlich auch bei der Bühnenpräsenz für Konzerte.

Ich habe für das Burgtheater außerdem Sprachtraining gemacht, weil man in so einem großen Saal auch in den hinteren Reihen verstanden werden muss. Das hat tatsächlich meinem Gesang total geholfen.

Und umgekehrt gibt mir mein musikalisches Gefühl eine gewisse rhythmische Sicherheit beim Sprechen. Ich verstehe oft sehr schnell, wie man einen Monolog vom Rhythmus und von der Melodie her sprechen muss.

## Zurück an den Ort der Inspiration

Die Geschichte hinter dem Song fand auch ihren Weg zurück ins Belvedere. Nachdem jemand aus dem Museum bei einem Konzert davon erfahren hatte, entstand der Kontakt zu Oskar Haag. Wer genau das war, weiß er bis heute nicht:

***„Ich weiß noch immer nicht, wer genau, und ob ich die Person schon kennengelernt habe.“***

Als später verschiedene Möglichkeiten einer Zusammenarbeit besprochen wurden, hatte er einen konkreten Wunsch:

***„Eigentlich möchte ich ein Musikvideo dort drehen – das wäre schon ziemlich geil.“***

![Oskar Haag steht während eines Musikvideodrehs in einem prunkvollen Raum des Belvedere. Scheinwerfer beleuchten die Szene, links ist das Filmteam zu sehen. — © Michelle Rassnitzer](https://www.belvedere.at/sites/default/files/styles/full_content_width_no_crop/public/2026-10/OskarHaag_DERKUSS_Videoshoot_by_Michelle_Rassnitzer_012.jpeg.webp?itok=Px4i7gUI)

**Belvedere Stories:**  *Wie war es für dich, an den Ort zurückzukehren, an dem der Song entstanden ist – diesmal für ein Musikvideo?*

**Oskar Haag:** Das war total gut. Wenn es dunkel ist und niemand mehr da ist, einfach durch diese Räume zu gehen, ist schon etwas Besonderes.

Und man muss sich eigentlich gar nicht mehr viel ausdenken, wenn man hier ein Musikvideo drehen will. Die Räume selbst geben schon so viel her. Man stellt sich einfach hin, singt ein bisschen zur Musik und hat sofort eine unglaublich eindrucksvolle Szene.

**Belvedere Stories:** *Eine Szene hat mich besonders verblüfft: Du rutschst auf dem Bauch die Prunkstiege hinunter. Ich konnte kaum glauben, dass das tatsächlich ein Mensch macht. Habt ihr dafür etwa eine Oskar-Puppe eingesetzt?*

**Oskar Haag:** Nein, das war schon ich! Das muss man können! (lacht) Solche ungewöhnlichen körperlichen Sachen konnte ich irgendwie schon als Kind. Ich habe offenbar ein Talent dafür, mich dabei nicht zu verletzen. Vielleicht werde ich ja noch Stuntman, wenn es mit der Musik nichts mehr wird.

**Nach dem Interview** zieht es uns noch einmal ins Museum, dorthin, wo alles begann. Für Oskar Haag ist es längst nicht mehr der erste Besuch seit jenem Tag, an dem er vor Klimts *Kuss* stand und anschließend so schnell wie möglich nach Hause ans Klavier wollte.

Inzwischen hatte er Gelegenheit, auch den Rest der Sammlung zu entdecken. Besonders überrascht war er, im Belvedere auf *Vertikale* (1963) von Arnulf Rainer zu stoßen – einem seiner Lieblingskünstler seit der Schulzeit. Auch als Schauspieler verbindet ihn etwas mit Rainer: In Anja Salomonowitz’ Film *Mit einem Tiger schlafen* verkörperte er den jungen Künstler.

Nun stehen wir gemeinsam vor *Vertikale*, um einen kurzen Beitrag für Social Media aufzunehmen.

***„Was ich an Arnulf Rainer mag, ist eigentlich, dass mich seine Bilder wahnsinnig stressen“***, erzählt Oskar. ***„Ich fühle mich nicht ganz wohl, während ich sie mir anschaue, aber irgendwie ist genau das so gut dran.“***

Anders als bei Klimts *Kuss* entsteht daraus nicht unmittelbar ein neuer Song. Doch auch dieses Werk lässt ihn nicht gleichgültig.

![Ein Mann von hinten gesehen, vor einem abstrakten Gemälde stehend. — © Belvedere, Wien](https://www.belvedere.at/sites/default/files/styles/full_content_width_no_crop/public/2026-10/OH_Vertikale_Korr.jpg.webp?itok=IPHjx0qS)
