Als herausragende Vertreterin des Wiener Kinetismus erlangt Erika Giovanna Klien (1900–1957) früh internationale Bekanntheit. Ihre Leidenschaft für Theater und Tanz führt zu innovativen Bühnenbildentwürfen und komplexen Darstellungen bewegter Körper. Ab 1929 lebt Klien in New York, was sich in einer verstärkten Auseinandersetzung mit urbanen Räumen und sozialen Fragen manifestiert. Die Ausstellung im Unteren Belvedere beleuchtet alle Facetten des Œuvres der Malerin, Grafikerin und Kunstpädagogin und präsentiert neueste Forschungsergebnisse zu Leben und Werk.
Generaldirektorin Stella Rollig: Rund vierzig Jahre nach Erika Giovanna Kliens erster musealer Einzelausstellung eröffnet die Schau einen gegenwärtigen Blick auf die Künstlerin und lädt dazu ein, neue Facetten ihres Schaffens kennenzulernen. Mit der Universität für angewandte Kunst Wien – Kunstsammlung und Archiv sowie dem Istituto Italiano di Studi Germanici in Rom konnten wir zwei kompetente Partnerinstitutionen für dieses Ausstellungsprojekt gewinnen.
Klien gilt als die bedeutendste Vertreterin des Kinetismus, einer in der ersten Hälfte der 1920er-Jahre an der Wiener Kunstgewerbeschule entwickelten abstrakten Kunstrichtung, in deren Fokus die „rhythmische Existenz der Dinge“ steht. Komplexe Bewegungsabläufe fliegender Vögel, rotierender Maschinen oder tanzender Körper verwandeln sich unter Kliens analytischem Blick in virtuose simultanistische Kompositionen. 1929 übersiedelt die Künstlerin nach New York, wo sie ihren Lebensunterhalt als progressive Kunstpädagogin verdient. Spätestens dort entpuppt sie sich als präzise Beobachterin des technischen Fortschritts und der maschinengetriebenen Dynamik der modernen Großstadt, während Wirtschaftskrise und Weltkrieg ihre Sensibilität für soziale Fragen verstärken.
Die Ausstellung präsentiert Kliens Œuvre nicht entlang biografischer Stationen, sondern folgt den zentralen Themen ihres Werks und verdeutlicht, wie die Künstlerin über fast vier Jahrzehnte hinweg ein so stringentes wie vielfältiges und in Ansätzen auch interdisziplinäres Werk geschaffen hat, das vollumfängliche Beachtung und größere Sichtbarkeit verdient, so Kuratorin Verena Gamper.
Kontinuitäten werden in der Personale sichtbar gemacht, wo die Biografie Brüche vermuten lassen würde. So beschäftigt sich Klien zeitlebens mit Theater und Tanz, und auch die Auseinandersetzung mit der kreativen Ausdruckskraft von Kindern zeigt sich als Konstante in ihrem Schaffen. Beharrlich in der Wahl ihrer Themen, aber offen für Impulse aus unterschiedlichen Disziplinen und Kulturen entwickelt Klien ein reichhaltiges und vielgestaltiges Werk – auch jenseits des Kinetismus.
Eine Ausstellung des Belvedere, Wien, in Zusammenarbeit mit der Universität für angewandte Kunst Wien – Kunstsammlung und Archiv sowie dem Istituto Italiano di Studi Germanici, Rom.