Sue Williams, Ministry of Hate, 2013

-

Sue Williams

WHAT NOW

Im Frühjahr 2026 präsentiert das Belvedere 21 eine umfassende Werkschau der US-amerikanischen Malerin Sue Williams (* 1954, Chicago Heights, Illinois). Seit den späten 1980er-Jahren setzt sich Williams in Malerei und Zeichnung mit Macht und Unterdrückung, Geschlechterverhältnissen und Körperpolitiken auseinander. Dabei verfolgt sie konsequent eine kritisch-feministische Agenda auf einem lange als patriarchale Domäne schlechthin geltenden Terrain, das sie in einer Vielfalt malerischer Strategien brillant zu bespielen vermag. 

Kuratiert von Luisa Ziaja. 
Assistenzkuratorin: Katarina Lozo

Hinweis: Einige Werke der Ausstellung zeigen sexualisierte Gewalt.
 

In Kooperation mit
Impressionen

Zur Ausstellung

Sue Williams’ frühe Arbeiten sind von einem comichaften, oft in Schwarzweiß gehaltenen Stil geprägt und thematisieren mit unverhohlener Wut sexualisierte Gewalt und Misogynie. Im Laufe der 1990er-Jahre entwickelt die Künstlerin dann eine gestisch-abstrakte Bildsprache, die mehr und mehr auf narrative Elemente verzichtet und von einem dynamischen Pinselduktus in intensiver Farbigkeit dominiert wird. Dennoch bleiben Körper, Macht und Gewalt als Sujets präsent: Einem distanzierten Blick zeigt sich ein ornamentales All-over, bei näherer Betrachtung eröffnet sich eine überraschende motivische Eindeutigkeit, das Abstrakt-Musterhafte verwandelt sich in anthropomorphe Leiblichkeit. 

In den frühen 2000er-Jahren reduziert Williams ihre Kompositionen auf kraftvolle, oft neonfarbene Linien, die phallische Formen evozieren und gleichsam die heroische Männlichkeit des abstrakten Expressionismus parodieren, um sie ironisch zu brechen. Unter dem Eindruck gesellschaftspolitischer Entwicklungen in den USA und weltweit reflektieren ihre Gemälde der 2010er-Jahre als kinetische Explosionen von Farbe und Form Dystopien der Gegenwart, die von Krieg, Terror und medialer Manipulation bestimmt sind. In ihren aktuellen Arbeiten verbindet sie wiederum Elemente früherer Werkphasen zu komplexen, detailreichen Bildarrangements, die zwischen Figuration und Abstraktion oszillieren und von struktureller Gewalt und individuellem Trauma, Erinnerung und Resilienz erzählen.

In der Gleichzeitigkeit von Persönlichem und Politischem, von humorvoller Karikatur, nahezu erschütternder Explizität und malerischer Geste entfalten die Bilder von Sue Williams ihre genuine Wirkmächtigkeit. Die Ausstellung im Belvedere 21 umfasst Arbeiten in Malerei, Zeichnung und Collage aus allen Schaffensphasen der Künstlerin von den späten 1980er-Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart. 

Biografie

Porträt Sue Williams
Courtesy 303 Gallery, New York. Foto: Lina Bertucci

 

Sue Williams wird 1954 in Chicago Heights, Illinois, geboren. Nach dem Studium am CalArts – California Institute of the Arts, Valencia, und an der Cooper Union, New York, beginnt in den 1980er-Jahren eine intensive Ausstellungstätigkeit: Williams hat Einzelausstellungen u. a. in der Wiener Secession, im IVAM Valencia, im Centre d’art contemporain Genève, in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, im Künstlerhaus Graz, im San Francisco Art Institute, nimmt mehrfach an der Whitney Biennale (1993, 1995, 1997) teil und wird zu zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen eingeladen. 1993 erhält sie das Guggenheim Fellowship, 2009 den Painters & Sculptors Grant der Joan Mitchell Foundation. In den 1990er-Jahren hat sie eine Professur für Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien inne. Williams ist mit ihren Arbeiten in US-amerikanischen und europäischen Museen und Privatsammlungen vertreten: u. a. Art Institute of Chicago; Albright-Knox Art Gallery, Buffalo; Centre d’art contemporain Genève; The Eli and Edythe Broad Foundation, Los Angeles; Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.; Institute of Contemporary Art Boston; Institut Valencià d’Art Modern; Los Angeles County Museum of Art; Museum of Contemporary Art, Chicago; Museum of Contemporary Art, Los Angeles; Museum of Modern Art, New York; New Museum, New York; San Francisco Museum of Modern Art; Tate Modern, London; Whitney Museum of American Art, New York.

Sue Williams lebt und arbeitet in Brooklyn, New York.

Videos

Programm

 

Ausgewählte Termine im Rahmen der Ausstellung

20. Februar

17:30 - 18:30

Porträt Sue Williams
Courtesy 303 Gallery, New York. Foto: Lina Bertucci
Artist Talk: On pleasant colors and heavy topics

Anlässlich einer umfangreichen Werkschau der US-amerikanischen Malerin Sue Williams im Belvedere 21 eröffnet ein Gespräch zwischen der Künstlerin und Kuratorin Luisa Ziaja Einblicke in ihr vier Dekaden umspannendes Schaffen, das von einer Vielfalt malerischer Strategien und einer konsequenten feministischen Perspektive geprägt ist.

6. März

16:30 - 17:30

Sue Williams, Present, 2025
© Sue Williams Courtesy 303 Gallery, New York.
Curator's Tour: Sue Williams. WHAT NOW

Seit den späten 1980er-Jahren thematisiert Sue Williams Macht und Unterdrückung, Geschlechterverhältnisse und Körperpolitiken im Medium der Malerei. Dieses lange als patriarchale Domäne geltende Terrain weiß sie in einer Vielfalt malerischer Strategien brillant zu bespielen. Kuratorin Luisa Ziaja führt durch das fünf Jahrzehnte umfassende Werk der Künstlerin und hebt die gleichzeitige Konsequenz und Wandelbarkeit dieses kompromisslosen wie pointiert humorvollen feministischen Œuvres hervor.

Weitere Termine:
3. Juni

9. April

18:30 - 19:30

Sue Williams, Big Red Shoes, 1998
© Sue Williams Courtesy of Ringier Art AG / Sammlung Ringier, Schweiz; Foto: Paul Seweer
Vortrag: Im freien Fall

Bice Curiger (Kunsthistorikerin) beleuchtet das Werk von Sue Williams vor dem Hintergrund der Malereidiskurse seit den 1980er-Jahren und zeichnet die Entwicklung ihres Œuvre von frühen expliziten Darstellungen bis hin zu abstrakt erscheinenden Farbkompositionen nach. Dabei folgt sie auch überraschenden Bezügen in der Kunstgeschichte.

30. April

16:30 - 17:30

Sue Williams, Couch size with T.V., 2016
© Sue Williams Courtesy Sammlung Sammlung Ringier, Schweiz | Switzerland
Curator's Tour: Close-up des Schauerns

Künstlerin Katrin Plavčak ist seit den späten 1990er-Jahren, als Sue Williams eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste Wien inne hatte, mit ihr verbunden. Gemeinsam mit Kuratorin Luisa Ziaja nähert sie sich in diesem Rundgang dem Werk der Malerin mit einem Blick auf das Detail wie auch auf das große Ganze.

Termine