Ashley Hans Scheirl, Neoliberal Surrealist, 2019

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Ashley Hans Scheirl

In & Out of Painting*

Die große Werkschau von Ashley Hans Scheirl im Belvedere 21 spannt einen Bogen von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart mit neuen, speziell für die Ausstellung produzierten Arbeiten.

Seit den späten 1970er-Jahren hat Ashley Hans Scheirl ein beachtlich diverses Œuvre entwickelt. Mit ihren Filmen, die meist auf Super8 gedreht wurden, gehört der*die heute international renommierte Künstler*in zu den Pionier*innen einer queer-feministischen und transgender Gegenkultur. Scheirls zwanzigjährige Film-, Performance- und Soundpraxis kumulierte in den beiden experimentellen Spielfilmen Rote Ohren fetzen durch Asche aka Flaming Ears (1992) und Dandy Dust (1998). 

In den 1990er-Jahren rückte die Malerei ins Zentrum. In Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte und unter Einbeziehung unterschiedlicher Genres wird nun die Frage nach der Identität malerisch untersucht. Abstrakter Expressionismus trifft auf Fotorealismus, dunkle Romantik auf Pop Art, Bad Painting auf Surrealismus. Wichtige Referenzen sind der Splatterfilm, der Wiener Aktionismus, Donna Haraway und die literarische Pornografie Georges Batailles. 

Für Scheirl ist ihre*seine Arbeit eine Satire auf das inzwischen surreal anmutende neoliberale Wirtschaftssystem, die mit bissigem Humor die soziale Konstruktion von Gender, Sexualität und Macht mitbehandelt.

Kuratiert von Sergey Harutoonian.
Assistenzkuratorin: Andrea Kopranovic

#AshleyHansScheirl

Belvedere 21

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag
11 bis 18 Uhr
Abendöffnung: Donnerstag
11 bis 21 Uhr
Adresse

Arsenalstraße 1, 1030 Wien

Anreise
Tickets
In Kooperation mit
Impressionen

Biografie

Ashley Hans Scheirl (geb. 1956 in Salzburg als Angela Scheirl) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien Restaurierung. Von 1978 bis 1986 Beteiligung an den performativen Musikexperimenten der Gruppen 8 oder 9 und Ungünstige Vorzeichen. 

Von 1979 bis 1996 entstanden mehr als fünfzig Super8-Kurzfilme (davon 22 gemeinsam mit Ursula Pürrer in den Jahren 1984/85). Scheirl lebte 16 Jahre in London, wo sie*er Teil einer Szene von Queer- und Transgender-Künstler*innen wurde. 

1981/82 lebte Scheirl in New York und arbeitete für Arleen Schloss’ wöchentlichen Kunst- und Performanceabend Wednesdays @ A’s. 

2003 schloss er ein Postgraduate-Studium der bildenden Kunst (M.A.) am Central Saint Martins College of Art & Design, London, ab. Nach Scheirls Rückkehr (2005) nach Wien erhielt sie 2006 das Österreichische Staatsstipendium für Bildende Kunst, 2012 den Kunstpreis der Stadt Wien und 2019 den Österreichischen Preis für Bildende Kunst des Bundeskanzleramts. 

Von 2006 bis 2022 war Scheirl Professor*in für Kontextuelle Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien, seit 2022 ist sie dort Seniorprofessor*in für Gender & Space. 

2017 nahm Ashley Hans Scheirl mit installativen Malereien und Videoarbeiten an der documenta 14 in Athen und Kassel teil. 

2018/19 Artist in Residence des DAAD in Berlin.

2022 vertrat Scheirl gemeinsam mit Jakob Lena Knebl Österreich auf der Biennale von Venedig.

Weitere große Ausstellungen mit Jakob Lena Knebl fanden u. a. bei der Lyon Biennale (2020), im Kunsthaus Bregenz (2021), im Palais de Tokyo, Paris (2023), sowie in der Sammlung Falckenberg/Deichtorhallen, Hamburg (2024), statt.

Videos

Programm

Ausgewählte Termine im Rahmen der Ausstellung

 

10. Oktober

18:00 - 20:30

Katharina Lampert, Cordula Thym, FtWTF – Female to What The Fuck,
Courtesy: sixpackfilm
Screening und Diskussion: Female to What The Fuck (Katharina Lampert/ Cordula Thym, A 2015)

Der Film FtWTF – Female to What The Fuck (2015) thematisiert Bilder von und Geschichten zu Transmännlichkeit. Im Rahmen des Workshops (Kein) Mann sein – trans- & queere Männlichkeiten in Zeiten der Faschisierung der AG Gender-/Queer Studies der Gesellschaft für Medienwissenschaft befragen wir FtWTF zehn Jahre später nach transmännlichen Darstellungsformen.

In Kooperation mit TFM – Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Universität WienGfM – Gesellschaft für Medienwissenschaft, Hamburg und ICGP – International Research Center – Gender and Performativity, mdw Wien.

 


23. Oktober

18:30 - 20:30

Ursula Pürrer & Ashley Hans Scheirl, Das schwarze Herz tropft - Bastelanleitung zu -Rinnen (Filmstill), 1985, Super-8-Film, Farbe, Ton, 13:43 Min
Musik: Ungünstige Vorzeichen, Belvedere, Wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung, Wien
Screening: Ashley Hans Scheirl. Bewegte Bilder Bibbern

Ashley Hans Scheirl ist zu Beginn ihrer*seiner Karriere als radikale*r Filmemacher*in bekannt und produzierte zwischen 1979 und 1996 rund sechzig Bewegtbildarbeiten, die meisten davon in Super-8. Das Filmprogramm Bewegte Bilder Bibbern zeigt eine Auswahl aus diesem umfassenden Oeuvre.

Ab 16 Jahren
Einige der Filme zeigen explizit sexuelle Inhalte.

 

20. November

18:00 - 21:00

Ashley Hans Scheirl, Dandy Dust, 1998
16-mm-Film, Farbe, Ton, 94 Min, Courtesy sixpackfilm
Screening: Ashley Hans Scheirl. Dandy Dust

Ashley Hans Scheirls wegweisender Langfilm Dandy Dust (AT/GB, 1998) hat bis heute großen Einfluss auf Generationen von queeren Personen: Wir folgen einer fluid-geschlechtlichen Cyborg-Figur durch Zeit und Raum, auf der Suche nach seinen*ihren gespaltenen Persönlichkeiten, Erinnerungen und Gefühlen. Dandy Dust ist Splatterfilm und Low-Budget-Horrorsatire vom Feinsten: Dystopisch, futuristisch, grenzüberschreitend und Absurdität mit Realität (ver)wechselnd.

Mit einer Einführung von Andrea B. Braidt (Senior Scientist, Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Universität Wien)

Ab 16 Jahren
Einige der Filme zeigen explizit sexuelle Inhalte.

 


1. Februar

16:00 - 17:00

Ashley Hans Scheirl, The Alchemist's Fetish, 2021
Courtesy Galerie Crone Berlin/Wien
Artist Talk: Ashley Hans Scheirl im Gespräch mit Paul B. Preciado

Autor Paul B. Preciado und Ashley Hans Scheirl sprechen über Malerei, Fetischismus und Gender als Medium. Veranstaltung in englischer Sprache.