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Blickle Archive Series: Februar 2016

VOM BILDERMACHEN

Foto: Natascha Unkart, © Belvedere Wien

Erstmals wird in Wien eine Schau von ausgewählten, in den letzten Jahren an der HFBK Hamburg entstandenen Filmarbeiten gezeigt und so einem breiteren Publikum in Österreich zugänglich gemacht. Die kleine Filmreihe an zwei Terminen soll der Start für die Präsentation internationaler Ausbildungsstätten für Film- und Videokunst im Blickle Kino sein.

Mit Filmen von Arina Aleksandrova, Rosana Cuellar, Josefina Gill, Karsten Krause, Marko Mijatovic, Victor Orozco, Martin Prinoth, Laura Reichwald, André Siegers, Adnan Softic und Philip Widmann.

Gastkurator: Bernhard Hetzenauer


Die HFBK Hamburg ist eine der wenigen deutschsprachigen Kunsthochschulen, an denen es möglich ist, professionell Film zu studieren. Ein wesentliches Merkmal der Ausbildung ist der exakte Umgang mit dem Bild, der zwangsläufig zu einem bewussten Hinterfragen des Mediums und einer grundlegenden Skepsis gegenüber Repräsentation per se führt. Die an der Schule entstandenen Arbeiten sind im Spannungsfeld von Film und bildender Kunst angesiedelt und häufig Hybridformen, die zwischen Essay, dokumentarischen und fiktionalen Elementen oszillieren. Die Wurzeln dieser Herangehensweise sind dem einstigen Adorno-Schüler und Filmphilosophen Gerd Roscher geschuldet, der lange die Leitung des Filmbereichs innehatte und nicht müde wurde, die Wichtigkeit des Essayfilms als eigene künstlerische Form zu fördern. Die Nachfolgegeneration der Lehrenden umfasst Filmemacherinnen und Filmemacher wie Angela Schanelec, Bernd Schoch, Mona Bräuer, Pepe Danquart und Wim Wenders, um nur einige zu nennen.

Die kleine Reihe ist in vier Blöcke geteilt, die nach Themen gegliedert sind:

In „Vom Bildermachen“ geht es einerseits um den Umgang mit Amateurfilm (Karsten Krause) und um die Frage nach dem, was nach jahrelanger minutiöser Aufzeichnung bleibt, Liebesgedicht oder strukturierte Routine? Andererseits widmet sich in Le creature del Vesuvio Martin Prinoth dem archaischen Machtgefüge der Camorra in Neapel und versucht, Unsicht- und Unsagbares darzustellen.

Exilbewegungen beinhaltet Josefina Gills Desde la marea, einen Essayfilm zu einer Schiffsreise von Hamburg nach Buenos Aires auf den Spuren der jüdischen Vorfahren der Filmemacherin. Marko Mijatovics Stadt der Elefanten wiederum zeigt die Stadt Vares in Bosnien-Herzegowina als trostlosen wie geheimnisvollen Ort, in den sich die jüngste Geschichte eingeschrieben hat. Vieles bleibt dabei angedeutet oder lückenhaft, Ver- und Hinweise ergeben sich letztendlich auch durch die Landschaft.

Biographische Materialitäten vereint die unterschiedlichsten Herangehensweisen an das Politische im Privaten: Laura Reichwald schildert eine wahre Begebenheit von tragikomischer Qualität, während sich Arina Aleksandrova den Schilderungen einer Asperger-Autistin über ihre Freundschaft mit einem Baum widmet. Victor Orozcos Doku-Animation versucht, sich der Spirale der Gewalt der mexikanischen Drogenkriege über die ästhetische Distanz zu nähern: der Kunstgriff der animierten Zeichnung erlaubt eine emotionale Beschäftigung mit dem Thema. Nema problema von Adnan Softic ist eine performative Studie über die Absurdität des Alltäglichen. Rosana Cuellar schließlich erzählt in Cronología mit Archivbildern eines Wohnbauprojektes in Deutschland eine fiktionale, nicht-lineare Geschichte voll atmosphärischer Dichte.

Die Filmemacher und Filmemacherinnen werden ihre Arbeiten persönlich vorstellen und nach den Vorstellungen für Q&As anwesend sein.

Mit freundlicher Unterstützung der mexikanischen Botschaft in Wien, AMEXCID, der AG Kurzfilm/German Short Film Association und der HFBK Hamburg.

Programm zu VOM BILDERMACHEN I
Programm zu VOM BILDERMACHEN II

Belvedere 21

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag
11 bis 18 Uhr
Lange Abende: Mittwoch und Freitag
bis 21 Uhr
Adresse

Belvedere 21
Arsenalstraße 1
1030 Wien
Österreich

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