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Anni Albers
Constructing Textiles
Die Ausstellung Anni Albers. Constructing Textiles stellt das Werk der bedeutenden deutsch-amerikanischen Künstlerin und Designerin erstmals umfassend in Österreich vor. Von den Anfängen am Bauhaus über ihre einflussreiche Tätigkeit am Black Mountain College bis hin zur theoretischen Auseinandersetzung wird Albers’ facettenreiches Schaffen zwischen Kunst und Design, Handwerk, Lehre und Theorieproduktion beleuchtet.
Die Ausstellung wurde vom Zentrum Paul Klee, Bern, und von der Josef and Anni Albers Foundation, Bethany, Connecticut, in Zusammenarbeit mit dem Belvedere, Wien, organisiert.
Kuratiert von Brenda Danilowitz (Josef and Anni Albers Foundation, Bethany, CT) und Fabienne Eggelhöfer (Zentrum Paul Klee, Bern).
Assistenzkuratorinnen: Kai-Inga Dost (Zentrum Paul Klee, Bern), Amy Jean Porter und Karis Medina (Josef and Anni Albers Foundation, Bethany, CT), Kati Renner (Belvedere, Wien)
Unteres Belvedere
Öffnungszeiten
Adresse
Rennweg 6, 1030 Wien
AnreiseIn Kooperation mit
Zur Ausstellung
Das vielfältige Werk der Künstlerin und Designerin Anni Albers (1899–1994) wird erstmals in Österreich mit einer großen Personale gewürdigt. Albers’ kreatives und experimentelles Schaffen beginnt in den 1920er-Jahren am Bauhaus. 1933 emigriert sie in die USA und etabliert sich dort als vielfältige Künstlerin. Sie entwickelt komplexe Webstrukturen und verwendet neuartige Fasern. Neben Bildwebereien, die als autonome Kunstwerke zu betrachten sind, widmet sich Albers der Herstellung neuer Textilien für Gebäude und Innenräume, sogenannter „nützlicher Objekte“. Albers erachtet das Weben als fortschrittlichste Form des modernen architektonischen Denkens. Durch das tiefgreifende Verständnis des Materials und seiner Anwendungen ist Albers’ Arbeit von hoher Aktualität und Relevanz im Hinblick auf heutige Herausforderungen in den Bereichen Energie und materielle Ressourcen.
Anhand von zahlreichen Werken aus allen Schaffensperioden, beginnend mit den Anfängen am innovativen Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin über die Zeit am legendären Black Mountain College bis in die 1980er-Jahre, präsentiert die Ausstellung ihre facettenreiche Karriere zwischen Textilem und Architektur, Weben und Bauen, Vergangenheit und Gegenwart. Sie umfasst sowohl Materialstudien, Textilmuster und Entwürfe als auch Bildgewebe, großformatige Raumteiler, Teppiche, Vorhangstoffe und theoretische Schriften.
Biografie
Anni Albers (1899–1994) war eine der einflussreichsten Textilkünstler*innen und -designer*innen des 20. Jahrhunderts. 1899 in Berlin geboren, führte sie ihr Entschluss, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, 1922 an das Bauhaus in Weimar, wo ihre frühe Ausbildung in der Weberei ihr Handwerk, ihre Kunst und ihre Lebenseinstellung prägten. Nachdem sie 1930 ihr Bauhaus-Diplom für ihren experimentellen Umgang mit neuen Materialien und ihre Beherrschung der strukturellen Möglichkeiten von Textilien erhalten hatte, war sie 1931/32 stellvertretende Leiterin der Werkstatt. Um Werke zu erstellen, die langlebig sind, war es Albers wichtig, dem Material große Aufmerksamkeit zu schenken und sich vom Faden leiten zu lassen.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Bauhaus-Künstler und -Lehrer Josef Albers, wanderte sie nach der Zwangsschließung der Schule im Jahr 1933 in die Vereinigten Staaten aus. Dort wurde ihr Werk in bedeutenden Ausstellungen gefeiert, darunter die erste Einzelpräsentation einer Textilkünstlerin im Museum of Modern Art in New York im Jahr 1949. Am Black Mountain College, einem fortschrittlichen College, entwickelte Anni Albers einen innovativen Lehrplan, der traditionelle Handwebtechniken mit moderner Kunst und Industriedesign verband.
Albers’ Haltung, dass zwischen Textilien und Architektur eine Verbindung besteht, beruhte auf ihrer Erkenntnis, dass Textilien zugleich Gebrauchsgegenstände und eigenständige Kunstwerke sein können. Ihre Überzeugung, dass Materialien sowohl in der Textilkunst als auch im Design eine zentrale Rolle spielen, veranlasste sie, mit einer Vielzahl ungewöhnlicher Fasern zu experimentieren, um starke und zugleich subtile Webmuster und Stoffe zu kreieren. Ihre einflussreiche Publikation On Weaving, die 1965 erschien, gilt bis heute als grundlegendes Werk zu diesem Thema. Anni Albers hat das Textildesign maßgeblich geprägt und dessen Anerkennung als ernst zu nehmende Kunstform gefördert. Ihr Werk beeinflusst bis heute Künstler*innen, Designer*innen und Architekt*innen weltweit.