Generaldirektorin Stella Rollig: Anni Albers’ Werk, das Textil, Architektur und Gestaltung in einen lebendigen Dialog bringt, wirkt bis heute als Inspiration für eine neue Generation von Künstler*innen, Architekt*innen und Designer*innen. Nicht zuletzt war sie eine Pionierin, die die Abgrenzungen von freier und angewandter Kunst außer Kraft setzte – eine Haltung, die in der zeitgenössischen Kunst dank Vorreiter*innen wie Albers als etabliert gilt.
Anni Albers’ kreatives und experimentelles Schaffen beginnt in den 1920er-Jahren am Bauhaus in Weimar. 1933 emigriert Albers in die USA und etabliert sich dort als vielfältige Designerin und Künstlerin. Sie entwickelt komplexe Webstrukturen und verwendet neuartige Fasern. Neben Bildwebereien, die als autonome Kunstwerke zu betrachten sind, widmet sie sich der Herstellung neuer Textilien für Gebäude und Innenräume, sogenannter „nützlicher Objekte“. Albers erachtet das Weben als fortschrittlichste Form des modernen architektonischen Denkens. Durch das tiefgreifende Verständnis des Materials und seiner sorgfältigen Verarbeitung ist Albers’ Arbeit von hoher Aktualität und Relevanz im Hinblick auf heutige Herausforderungen in den Bereichen Energie und materielle Ressourcen.
In der Ausstellung legen wir ein besonderes Augenmerk auf Anni Albers’ Rolle als Textildesignerin, auf ihr tiefes Verständnis für die zentrale Bedeutung von Materialien im Gestaltungsprozess sowie auf ihre präzisen und zukunftsweisenden Kooperationen mit Architekten und anderen Herstellenden. Anni Albers. Constructing Textiles macht die Vielfalt der Materialien, Techniken und Anwendungen sichtbar, die Albers’ experimentellen Zugang prägen, zeigt auf, wie sie Textilien als Teil der Architektur verstand, und erschließt ihre künstlerische Praxis. So eröffnet sich eine erweiterte Perspektive auf das facettenreiche Werk dieser außergewöhnlichen Künstlerin, so die Kuratorinnen Fabienne Eggelhöfer und Brenda Danilowitz.
Anhand von zahlreichen Werken aus allen Schaffensperioden, beginnend mit den Anfängen am innovativen Bauhaus, Dessau und Berlin über die Zeit am legendären Black Mountain College in North Carolina, bis in die 1980er-Jahre, präsentiert die Ausstellung Albers’ facettenreiche Karriere zwischen Textilem und Architektur, Weben und Bauen, Vergangenheit und Gegenwart. Sie umfasst sowohl Materialstudien, Textilmuster und Entwürfe als auch Bildgewebe, großformatige Raumteiler, Teppiche und Vorhangstoffe.