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Warum verwendete Gustav Klimt Gold?

Wer? Was? Warum?

Künstler*innen
Sammlung
11.06.2026
5 Min. lesen

Denkt man an Gustav Klimt, denkt man fast automatisch an Gold: An schimmernde Flächen, kostbare Ornamente und Bilder, die weniger wie Fenster in eine andere Welt wirken als wie prächtige und geheimnisvolle Objekte. Besonders Der Kuss ist ohne dieses Gold kaum vorstellbar.

Doch warum verwendete Klimt überhaupt Gold?

 

Text

Lisa Ebner-Kollmann

Fotos

Belvedere, Wien

5 Fakten über Klimts Gold

Gustav Klimt, Beethovenfries: Die feindlichen Gewalten, 1901/1902, Belvedere, Wien, Dauerleihgabe in der Secession, Wien

 

Die Antwort ist spannender, als es auf den ersten Blick scheint. Denn Gold war bei Klimt nicht bloß Dekoration. Es war ein künstlerisches Mittel, mit dem er die Regeln der traditionellen Malerei bewusst infrage stellte.

 

 

5 Fakten über Klimts Gold

  • Gustav Klimt verwendete echtes Blattgold, Silber und Platin.
     

  • Seine intensive Beschäftigung mit Gold begann um 1900.
     

  • In Judith I setzte Klimt erstmals in großem Umfang echtes Blattgold ein.
     

  • Einen Höhepunkt erreichte die Goldene Periode mit Adele Bloch-Bauer I und Der Kuss.
     

  • Klimt verwendete Gold nicht nur in Porträts und allegorischen Bildern, sondern auch in Landschaften wie Sonnenblume.

 

Warum war Gold in der Malerei ungewöhnlich?

Warum war Gold in der Malerei ungewöhnlich?
Gold gegen die Illusion


Im Mittelalter kam Gold noch regelmäßig zum Einsatz. Goldgrund steigerte die Erhabenheit und Feierlichkeit von Bildern, besonders in religiösen Zusammenhängen. Mit der Renaissance setzte sich jedoch zunehmend ein anderes Kunstverständnis durch: Ein Bild sollte die Welt möglichst überzeugend nachahmen.

Die Malerei wurde als eine Art Fenster verstanden, durch das man in einen scheinbar realen Raum blickt. Perspektive, Licht und Schatten sollten den Eindruck von Tiefe und Wirklichkeit erzeugen.

 

Echtes Gold passte nur bedingt zu diesem Ideal. Es glänzt, reflektiert Licht und macht die Oberfläche eines Bildes sichtbar. Statt Raum zu schaffen, betont es die Fläche. Statt Wirklichkeit zu imitieren, verweist es auf die Kostbarkeit des Bildes selbst.

Als größere Kunst galt es, Gold mit Farbe nachzuahmen, nicht echtes Gold auf die Bildfläche zu bringen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kehrte Klimt diese Logik bewusst um. Er interessierte sich weniger für die perfekte Illusion eines Raumes als für die Wirkung des Bildes als kostbares, dekoratives und bedeutungsgeladenes Objekt.

 

 

 

Wie entdeckte Klimt Gold für seine Kunst?

Wie entdeckte Klimt Gold für seine Kunst?
Von gemaltem Gold zu echtem Blattgold


Auch Klimt begann nicht sofort mit echtem Gold. In seinen frühen Werken erscheinen goldene Gegenstände oder Hintergründe zunächst noch gemalt – also mit Farbe imitiert.

Um 1900 setzte er sich jedoch immer intensiver mit Gold als Material auseinander. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war Judith I, 1901 vollendet. Hier verwendete Klimt erstmals in großem Umfang echtes Blattgold – nicht nur als Beiwerk, sondern als zentralen Bestandteil der Bildwirkung.

Von da an wurde Gold zu einem seiner wichtigsten künstlerischen Mittel. Klimt setzte es für Hintergründe, Schmuck, Gewänder und ornamentale Flächen ein. Später kamen auch Silber und Platin hinzu. Das Bild wurde dadurch nicht realistischer, sondern kostbarer, flächiger und zugleich geheimnisvoller.
 

 

Wie arbeitete Klimt mit Gold?
Mehr als nur Blattgold


Klimts Umgang mit Gold war technisch erstaunlich vielfältig. Er arbeitete mit Blattgold, aber auch mit Silber, Platin, Streugold und feinem Goldpulver, das er in Öl band und wie Farbe mit dem Pinsel auftragen konnte.

Dabei ging es ihm nicht nur um Glanz. Unterschiedlich vorbereitete Bildgründe sorgten dafür, dass die Metallauflagen verschieden wirkten: glatt, körnig, matt, glänzend oder plastisch hervorgehoben. Manchmal modellierte Klimt die Oberfläche sogar leicht, um dem Gold zusätzliche Struktur zu geben.

Seine goldenen Bilder leben daher nicht nur vom Material selbst, sondern von dessen Verarbeitung. Je nach Licht verändern sie ihre Wirkung. Sie erscheinen flächig und ornamental, aber zugleich lebendig und beweglich.

Gustav Klimt, Judith
Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

 

 

Klimt arbeitete mit Blattgold, aber auch mit Silber, Platin, Streugold und feinem Goldpulver, das er in Öl band und wie Farbe mit dem Pinsel auftragen konnte.

Was bedeutete Gold für Klimt?

Gustav Klimt, Der Kuss (Liebespaar)
Foto: Belvedere, Wien

Was bedeutete Gold für Klimt?
Schmuck, Symbol und moderne Bildsprache


Klimts Gold steht in Verbindung mit sehr unterschiedlichen Bildtraditionen. Byzantinische Mosaike, mittelalterliche Goldgründe, japanische Goldlackarbeiten und ostasiatische Kunst beeinflussten seine Vorstellung davon, was ein Bild sein kann.

Gold war für Klimt nicht nur ein Zeichen von Reichtum oder Luxus. Es konnte die sichtbare Welt entrücken, Figuren aus der Wirklichkeit lösen und einem Motiv eine fast zeitlose Wirkung verleihen. Seine Bilder erzählen dadurch nicht einfach eine Szene. Sie verbinden Ornament, Symbolik und persönliche Erfahrungen zu einer eigenen Bildsprache.

Das zeigt sich besonders in der sogenannten Goldenen Periode. In Adele Bloch-Bauer I wird die porträtierte Frau fast vollständig von Gold, Silber und Ornamenten umgeben. Körper, Schmuck, Kleidung und Hintergrund gehen ineinander über. Die reale Person erscheint zugleich gegenwärtig und entrückt – als moderne Frau und fast ikonisches Bildwesen.

Auch Der Kuss lebt von dieser Spannung. Das Paar steht auf einer blühenden Wiese vor einem dunklen, goldgesprenkelten Hintergrund. Die Körper sind von weit ausgreifenden Gewändern umhüllt, die fast zu einer gemeinsamen ornamentalen Form verschmelzen. Der Moment wirkt intim, aber auch feierlich und beinahe sakral.

Mit Judith I und Der Kuss umfasst die Sammlung des Belvedere zwei Schlüsselwerke jener Schaffensphase, in der Gold zu einem der wichtigsten Ausdrucksmittel Gustav Klimts wurde.

Warum verwendete Klimt Gold auch in Landschaften?

Warum verwendete Klimt Gold auch in Landschaften?
Sonnenblume und der goldene Bildraum


Gold begegnet bei Klimt nicht nur in Porträts oder allegorischen Szenen. Selbst in Landschaftsbildern setzte er es ein, etwa in Sonnenblume. Das ist besonders interessant, weil Landschaftsmalerei auf den ersten Blick wenig mit kostbaren Metallauflagen zu tun hat.

Doch Klimt verstand Landschaft nicht als naturgetreue Wiedergabe eines Ortes. Seine Landschaften wirken oft wie Bildteppiche: quadratische Ausschnitte, dichte Flächen, ornamentale Strukturen. Pflanzen, Blüten, Wasser und Licht werden nicht nur beobachtet, sondern in Muster und Farbe übersetzt.

In diesem Zusammenhang passt Gold auch in eine Landschaft. Es steigert nicht einfach den Wert des Bildes, sondern unterstützt seine dekorative, flächige Wirkung. Die Natur erscheint nicht als illusionistischer Raum, sondern als verdichtete Bildfläche – ganz im Sinne von Klimts moderner Auffassung der Malerei.

 

Warum faszinieren Klimts goldene Bilder bis heute?


Vielleicht wirken Klimts goldene Bilder bis heute so stark, weil sie Gegensätze verbinden: Handwerk und Malerei, Oberfläche und Tiefe, Sinnlichkeit und Symbolik, Tradition und Moderne.

Gold macht seine Bilder kostbar, aber nicht bloß luxuriös. Es verändert ihre Logik. Es bricht mit der Vorstellung, dass Malerei vor allem Wirklichkeit nachahmen soll. Stattdessen macht Klimt das Bild selbst zum Ereignis: zu einer Fläche aus Farbe, Licht, Ornament und Bedeutung.

Darum ist Gold bei Klimt mehr als ein Markenzeichen. Es ist ein Schlüssel zu seinem modernen Kunstbegriff – und einer der Gründe, warum seine Werke bis heute so unverwechselbar sind.

Gustav Klimt, Sonnenblume, 1907/1908
Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

 

 

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