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Ein Raum aus Gold

Genauer betrachtet: Das Goldkabinett im Unteren Belvedere

Einblicke
Sammlung
16.04.2026
3 Min. lesen

Blatt für Blatt wird hauchdünnes Gold aufgetragen. Mit feinen Pinseln arbeiten Restaurator*innen an vergoldeten Holzpaneelen, sichern fragile Farbschichten und bringen den Glanz eines barocken Interieurs zurück.

Text

Lisa Ebner-Kollmann

Photos

Belvedere, Wien

Das Goldkabinett im Unteren Belvedere wurde von 2024 bis Herbst 2025 umfassend restauriert. In rund 6.000 Arbeitsstunden wurden Decke, Wandvertäfelungen, Malereien und Parkett überarbeitet – dafür kamen etwa 10.500 Blätter Dukatendoppelgold zum Einsatz. 

Die Arbeiten bieten Anlass, diesen Raum, der zu den kostbarsten Interieurs des Schlosses zählt, genauer zu betrachten und dabei mehr über seine Bedeutung zu erfahren.

 

 

 

Johann Jakob Grassmann nach Salomon Kleiner, Chambre de Conversation, 1740
Bibliothek des Belvedere, Wien

 

Carl Goebel d. J., Das Goldkabinett, 1876
Belvedere, Wien

Ein Raum für Prinz Eugen

Ursprünglich war das heutige Goldkabinett Teil der privaten Gemächer von Prinz Eugen von Savoyen. Der Raum diente zunächst als Schlafzimmer – daran erinnert bis heute das Deckenrelief mit der Mondgöttin Luna und dem schlafenden Endymion. Später ließ Prinz Eugen den Raum zu einem Konversationszimmer umwandeln. 

Unter Maria Theresia erhielt das Goldkabinett schließlich seine jetzige Gestalt: Vergoldete Elemente aus dem ehemaligen Winterpalais Prinz Eugens wurden hier wiederverwendet und um neu geschaffene Paneele mit Blumenmalereien ergänzt. So erhielt der Raum seinen heutigen Glanz und eine neue Verwendung. 

Das Goldkabinett wurde schon früh auch museal genutzt – etwa Anfang des 19. Jahrhundert zur Präsentation der Ambraser Sammlung, bevor diese ins Kunsthistorische Museum übersiedelte. 

Damit ist das Goldkabinett nicht nur ein historischer Raum, sondern auch Teil der Museumsgeschichte des Belvedere.

 

 

Ein barockes Gesamtkunstwerk

Wer den Raum heute betritt, erlebt ein dicht komponiertes Ensemble: vergoldete Holzpaneele, Spiegel, feine Grotesken- und Blumenmalereien und ein allegorisches Bildprogramm, das zur genaueren Betrachtung einlädt.

Die Wände bestehen aus einer vor das Mauerwerk gesetzten Holzverschalung aus Lindenholzpaneelen, die Großteils mit Blattgold überzogen sind. 

Dieses Gold ist jedoch keine massive Schicht, sondern hauchdünn – so dünn, dass es Licht reflektiert und gleichzeitig den Untergrund mitwirken lässt. Das Blattgold wird auf vorbereitete Oberflächen aufgebracht und erzeugt den charakteristischen strahlenden Glanz, der den Raum prägt. 

Die Kombination aus vergoldeten Flächen, Spiegeln und Malerei schafft eine visuelle Dynamik: Licht wird gebrochen, reflektiert und vervielfacht. Der Raum wirkt dadurch nicht statisch, sondern beinahe als wäre er in Bewegung. Üblicherweise wurden Kabinette wie dieses zusätzlich mit Etagèren möbliert, auf denen kostspieliges oder exotisches Porzellan schaugestellt wurde. Auch diese glänzenden Oberflächen unterstützen die Wirkung des Raumes.

 

 

 

Was ist hier eigentlich original?

Ein Großteil der heutigen Erscheinung basiert auf historischer Substanz – gleichzeitig ist das Goldkabinett ein gutes Beispiel dafür, wie sehr solche Räume von Restaurierungen geprägt sind.

Teile der Vergoldung stammen nicht mehr aus dem 18. Jahrhundert, sondern aus späteren restauratorischen Maßnahmen. Auch aufgrund von substanziellen Kriegs- und Brandschäden mussten in der Vergangenheit größere Bereiche rekonstruiert werden. 

Der Raum, den wir heute sehen, ist also das Ergebnis einer langen Geschichte von Nutzung, Veränderung und Erhaltungsmaßnahmen.

 

Wie restauriert man einen Raum aus Gold?

Die jüngste Restaurierung zeigt, wie aufwendig der Erhalt eines solchen Interieurs ist.

Nicht nur die Wandflächen wurden bearbeitet, sondern auch Decke, Türen, Fensterläden und Parkett. Die Arbeiten fanden dabei im laufenden Museumsbetrieb statt – also als Teil einer sogenannten Schaurestaurierung. 

Besonders anspruchsvoll ist der Umgang mit Blattgold. Es ist höchstempfindlich: Schon kleinste Veränderungen der Oberfläche können den Eindruck des gesamten Raums verändern. 

 

 

 

© Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Gleichzeitig ist die Technik selbst seit Jahrhunderten erstaunlich konstant geblieben.

Gold wird in hauchdünne Blätter geschlagen und auf vorbereitete Untergründe aufgebracht – ein Verfahren, das sich in seinen Grundzügen seit der Antike kaum verändert hat. 

Die Restaurierung bewegt sich dabei immer im Spannungsfeld zwischen Erhalt, Ergänzung und historischer Genauigkeit.

 

Ein Raum voller Bedeutungen

Neben seiner materiellen und historischen Dimension birgt das Goldkabinett noch eine weitere Ebene: seine Bildprogramme.

Grotesken, Blumenmotive und allegorische Darstellungen strukturieren die Wände und verweisen auf ein komplexes System von Bedeutungen, das im 18. Jahrhundert ebenso dekorativ wie inhaltlich aufgeladen war.  Wer genauer hinsieht, entdeckt im Goldkabinett weit mehr als ein prachtvolles Interieur.

Genau diesem Bildprogramm widmen sich die kommenden Beiträge der Belvedere Stories. Philipp Reichel-Neuwirth beleuchtet darin die unterschiedlichen Motivgruppen im Bildprogramm des Goldkabinetts: Ihre Tradition, Hintergründe und was sie über die barocken Vorstellungen der Welt und der Menschheit verraten.

 

 

Gesamtansicht, Goldkabinett, Unteres Belvedere
© Johannes Stoll / Belvedere, Wien