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Wer war Gustav Klimt?

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Künstler*innen
Sammlung
27.03.2026
5 Min. lesen

Gustav Klimt: Gold, Secession und neue Bilder der Moderne

Text

Lisa Ebner-Kollmann

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Belvedere, Wien

5 Fakten über Gustav Klimt

© Belvedere, Wien

Gustav Klimt...
 
... lebte von 14.07.1862 bis 06.02.1918 in Wien.

... war ein Österreichischer Künstler der Wiener Moderne.

... war Mitbegründer der Secession.

... schuf das Gemälde „Der Kuss“ (1908/09).

... ist bekannt für seine "Goldene Periode".

 

 


Gustav Klimt (1862–1918) war ein österreichischer Maler und einer der wichtigsten Vertreter der Wiener Moderne. Er brach mit den Traditionen seiner Zeit und etablierte radikal einen neuen, modernen Kunstbegriff, der das Kunstschaffen um 1900 nachhaltig prägte. Seine Werke sind bis heute unverwechselbar: goldglänzende Bilder, eine völlig neue Darstellung des menschlichen Körpers und faszinierende Frauenfiguren. 

 

Doch wer war Gustav Klimt eigentlich?
 

Klimt war ein Revolutionär seiner Zeit. Seine experimentelle Auseinandersetzung mit Farbe, Linie, Licht und Perspektive trug maßgeblich zur Überwindung der akademischen Malerei und dem Phänomen „Wien um 1900“ bei. Er war Mitbegründer und erster Präsident der Secession und das Genie hinter dem weltberühmten Gemälde „Der Kuss“. Innerhalb einer Periode von nur 40 Jahren schuf Klimt ein facettenreiches Œuvre, das damals wie heute Seinesgleichen sucht. Dabei startete seine Karriere recht traditionell. 

Wie kam Gustav Klimt zur Kunst?

Wie kam Gustav Klimt zur Kunst?


Ausbildung und Tradition
 

Gustav Klimt war bereits seit seiner Geburt von Kunsthandwerk umgeben. Sein Vater war Graveur und sowohl er als auch sein Bruder Ernst besuchten später die Kunstgewerbeschule in Wien (heute Universität für Angewandte Kunst). Diese war tatsächlich erst kurz zuvor gegründet worden und insbesondere für die Ausbildung von Kindern aus Kunsthandwerksfamilien gedacht. 

Hier lernten die Klimt-Brüder das Kunstideal der damaligen Zeit kennen: Historische Themen, illusionistische Malerei und akademische Regeln bestimmten, was als „gute Kunst“ galt. Die Welt sollte im Bild imitiert werden. So gestaltete sich Klimts Frühwerk noch im in Neorenaissance und Neobarockstil.

Gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Freund Franz Matsch stattete Klimt bereits während seiner Ausbildung und darüber hinaus zahlreiche Theatergebäude mit dekorativen Deckengemälden aus. Auch das Burgtheater auf der Wiener Ringstraße wurde von dem Trio mit zehn Deckengemälden zur Theatergeschichte versehen.

Doch schon bald führte ein schwerer Schicksalsschlag dazu, dass Klimt vieles in seinem Leben in Frage stellte – auch künstlerische Konventionen. 1892 starben sein Vater und sein Bruder Ernst innerhalb nur weniger Monate. Der Verlust stürzte Klimt in eine langjährige Krise, im Zuge derer sich auch sein Stil und sein Werk rasant und radikal veränderte.

 

 

 

 

Gustav Klimt, Entwurf für die Allegorie der Musik (Orgelspielerin), 1884
Foto: Belvedere, Wien

 

Wieso gilt Gustav Klimt als revolutionär?

Wieso gilt Gustav Klimt als revolutionär? 


Die Secession und der moderne Kunstbegriff

 

In wenigen Jahren entwickelte sich Klimt vom dekorativen Auftragsmaler zu einem der innovativsten Künstler seiner Zeit. Er experimentierte mit Farbe, Fläche und Komposition und entfernte sich zunehmend von der illusionistischen Darstellung der Wirklichkeit. Seine Werke wurden flächiger, symbolischer und persönlicher. Statt klar erzählter Szenen entstanden Bilder, die Gefühle, Gedanken und innere Zustände sichtbar machen sollten. Allegorien – also bildhafte Darstellungen abstrakter Ideen – spielten dabei eine zentrale Rolle. 

Gleichzeitig wandte sich Klimt gegen den zunehmend konservativen Kunstbetrieb in Wien. Gemeinsam mit Gleichgesinnten trat er 1897 aus dem Künstlerhaus aus und gründete die Secession, deren erster Präsident er wurde. Ihr Ziel war ein freies, marktunabhängiges Ausstellungswesen und der Austausch mit internationalen Künstler*innen. 

 „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ 

war der Leitspruch, der bis heute das Secessionsgebäude in Wien ziert. 

Malerei, Skulptur und Architektur wurden dabei gleichwertig zu Kunsthandwerk behandelt. So entstanden Gesamtkunstwerke, in denen Gemälde als Teil größerer Ensembles aus Architektur und Einrichtung verstanden wurden.

 

Gustav Klimt, Beethoven Fries, 1901
Belvedere, Wien / Dauerleihabe in der Secession, Wien

 


Mit seiner Kunst stieß Klimt nicht nur auf Begeisterung: Besonders die Fakultätsbilder für die Universität Wien lösten heftige Kontroversen aus. Im Rahmen dieses Auftrags sollte Klimt die Disziplinen Medizin, Philosophie und Jurisprudenz als repräsentative Deckengemälde ausführen. Zeitgenössische Kritiker empfanden sie als zu modern, zu rätselhaft oder zu provokant. Klimt zog sich daraufhin aus staatlichen Aufträgen zurück und arbeitete fortan unabhängig an seiner eigenen künstlerischen Vision. 

 

"Klimts Kunst verbindet Gegensätze: Tradition und Aufbruch, Schönheit und Irritation, Intimität und Öffentlichkeit."

Was macht Gustav Klimts Stil so unverwechselbar?

 

Gustav Klimt, Judith, 1901
Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Was macht Gustav Klimts Stil so unverwechselbar?


Gold, Ornament und schimmernde Farbe
 

Was Klimts Werke bis heute unverwechselbar macht, ist ihre besondere Ästhetik. Er verband Malerei mit Elementen des Kunstgewerbes und schuf Bilder, die zugleich wie kostbare Objekte wirken.

Berühmt ist vor allem seine sogenannte „Goldene Periode“, zu denen Werke wie „Judith I“ oder das Porträt „Adele Bloch-Bauer I“ zählen. Klimt integrierte in dieser Zeit Blattgold, Silber und andere Materialien direkt in seine Gemälde – eine Technik, die bewusst mit den Regeln der illusionistischen Malerei brach. Inspiriert von byzantinischen Mosaiken, japanischer Kunst und historischen Vorbildern entwickelte er eine völlig neue Bildsprache.

Auch seine Darstellung von Menschen – insbesondere von Frauen – war einzigartig. Haut malte er in schimmernden, fast durchscheinenden Farbtönen, während Körper von ornamentalen Mustern umgeben oder mit ihnen verschmolzen sind. Viele dieser Darstellungen stehen in engem Zusammenhang mit den Frauen in Klimts Umfeld – Modelle, Freundinnen und Mäzeninnen, die eine zentrale Rolle in seinem Werk spielten.

 

Warum ist Gustav Klimt noch heute so berühmt?

 

Gustav Klimt starb 1918 in Wien, doch seine Werke haben nichts von ihrer Wirkung verloren. Sein unverwechselbarer Stil wie auch sein kritischer Geist bewegen und inspirieren Menschen bis heute. Sein Hauptwerk „Der Kuss“ (1908/09) ist weltweit bekannt und zieht jährlich neue und wiederkehrende Besucher*innen in seinen Bann.

Das Belvedere zeigt Klimts Meisterwerk im Zentrum seiner Schausammlung. Darüber hinaus besitzt das Belvedere die weltweit größte Sammlung seiner Gemälde – und ist damit ein zentraler Ort, um Klimts Werk zu erleben. Schon zu Lebzeiten war der Künstler mit dem Haus verbunden und unterstützte die Gründung der Modernen Galerie, aus der die heutige Sammlung hervorging.

Klimts Kunst verbindet Gegensätze: Tradition und Aufbruch, Schönheit und Irritation, Intimität und Öffentlichkeit. Gerade diese Spannungsfelder machen seine Kunst bis heute so aktuell.

 

Warum Klimt Gold, Silber und Platin verwendete, wie er den menschlichen Körper neu dachte und welche Rolle Frauen in seinem Leben und Werk spielten, wird in den folgenden Beiträgen dieser Serie näher beleuchtet.

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