Entspannt ist relativ: Mit Kindern ins Belvedere
Mit diesen Tipps gelingt der Museumsbesuch
Früher bedeutete „Freizeit“ vielleicht: ausschlafen, spontan losgehen, sich treiben lassen.
Mit Kindern verschieben sich die Maßstäbe. Spontanität braucht plötzlich Planung und „entspannt“ kann auch heißen, dass am Ende niemand geweint hat – weder die reizüberfluteten Kinder noch die geforderten Eltern.
Ein Museumsbesuch ist trotzdem möglich.
Nur eben anders. Und oft überraschend gut.
Lisa Ebner-Kollmann
Ouriel Morgensztern / Belvedere, Wien
Realitäts-Check
Gerade an Wochenenden oder im Urlaub stellt sich irgendwann die Frage: Was tun mit all der Zeit? Kinder wollen beschäftigt werden, sind neugierig – und in den eigenen vier Wänden fällt einem oft schneller die Decke auf den Kopf, als man denkt.
Wenn um 7:30 Uhr bereits fünf Brettspiele gespielt, sieben Bastelprojekte begonnen und mehrere Besuche im imaginären Restaurant absolviert wurden, während im Fünf-Minuten-Takt die Frage nach dem Fernseher oder Tablet kommt, ist klar: Es braucht einen Tapetenwechsel.
Unsere Empfehlungen: Packen Sie die unverzichtbaren Snacks für die Fahrt ein und machen Sie sich auf den Weg ins Belvedere.
Vor dem Besuch: ein bisschen Planung hilft
Ein paar Dinge lassen sich vorab oder von unterwegs klären, und machen den entscheidenden Unterschied:
Tickets mit einem entsprechenden Time-Slot können bequem online gebucht werden. So können Sie sich das Anstellen an der Kasse ersparen und ohne Umschweife zum Einlass gehen. Gerade am Wochenende oder rund um die Mittagszeit lohnt sich das, um Wartezeiten zu vermeiden.
Auch ein kurzer Blick ins Programm kann sinnvoll sein: Insbesondere bei zeitgenössischen Ausstellungen – etwa im Belvedere 21 – lohnt es sich, auf Hinweise zu einzelnen Themen oder Darstellungen zu achten, die für Kinder erklärungsbedürftig sein können.
Kunst anschauen – aber wie?
Kinder müssen Kunst nicht „verstehen“, um etwas davon zu haben. Sie haben unvergleichlich viel Fantasie und ein großes Begeisterungsvermögen für Kleinigkeiten. Oft reicht ein gemeinsamer Blick und die richtigen Fragen.
Fragen Sie Ihre Kinder einfach, welches Werk ihnen in diesem Raum besonders gut gefällt und warum. Fragen Sie, was auf diesem Bild passiert oder welches Detail ihnen besonders ins Auge fällt. Spinnen Sie gemeinsam eine Geschichte und sammeln Sie Ideen für die nächste eigene Zeichnung.
So entstehen Gespräche ganz von selbst. Ohne Druck, ohne richtig oder falsch. Was Ihren Kindern bleibt, ist eine schöne Erinnerung an ein gemeinsames Abenteuer und eine positive Assoziation mit Museen und Kunst. Damit haben Sie den wichtigsten Grundstein gelegt. Der Rest kommt von allein.
Und wenn nicht alles klappt? Auch gut.
Ein Museumsbesuch mit Kindern verläuft selten nach Plan.
Und genau das ist in Ordnung.
Vor Ort: weniger ist mehr
Der wichtigste Tipp ist gleichzeitig der einfachste:
Nicht zu viel vornehmen.
Das Belvedere bietet mit seinen drei Standorten ein umfangreiches und abwechslungsreiches Angebot. Ein Besuch aller drei Museen bedeutet aber mit großer Wahrscheinlichkeit, dass Sie Sätze wie „Kannst du mich bitte tragen?“, „Ich bin müde!“ oder „Wie lange noch?“ mehr als einmal hören werden. Das zehrt an den Nerven und führt vermutlich nicht nur zu positiven Erinnerungen an den Tag.
Wählen Sie stattdessen für den Anfang einen konkreten Ausstellungstrakt und lassen Sie sich vom Interesse Ihrer Kinder leiten. Dazwischen: Pausen einplanen. Der Garten oder ein Zwischenstopp im Café helfen dabei, den Besuch für alle angenehm zu halten. Während das Essen und Trinken im Ausstellungsraum aus Sicherheitsgründen nicht gestattet ist, findet man hier ausreichend ruhige Orte, um die Energiespeicher wieder aufzufüllen.
Und manchmal ist genau das der Moment, der hängen bleibt.
Für kleinere Kinder kann es hilfreich sein, vorab kurze „Abstandserinnerungen“ zu vereinbaren – Kunstwerke und Rahmen sind oft näher, als man denkt.
Wer mehr Programm oder Begleitung wünscht, findet hier ein umfangreiches Angebot – von Führungen über Workshops bis hin zu Games.