Stellprobe: Hinter den Kulissen der Museumssammlung
Eine Audiotour über das Sammeln, Entscheiden und Bewahren.
Ohne eigene Sammlung ist ein Museum kein Museum.
So die offizielle Definition eines Museums. Doch wie entsteht eine Sammlung eigentlich? Wer entscheidet, welche Kunstwerke angekauft werden? Und welche Verantwortung trägt ein Bundesmuseum, wenn es Kunst im Auftrag der Öffentlichkeit für kommende Generationen bewahrt?
Die kostenlose Audiotour zur Ausstellung "Stellprobe. Sammlungszugänge der letzten Dekade in einem Display von Heimo Zobernig" wirft einen Blick hinter die Kulissen des Belvedere. Sie erzählt nicht nur die Geschichten ausgewählter Kunstwerke, sondern macht sichtbar, wie eine Museumssammlung entsteht und welche Menschen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung daran beteiligt sind.
Lisa Ebner-Kollmann
Belvedere, Wien
Konzeption und Redaktion: Belvedere und sisigrant
Produktion: sisigrant / Iris Borovcnik
Stimmen: Iris Borovcnik, Samantha Pyra
Interviewpartner*innen:
Belvedere: Stella Rollig, Luisa Ziaja, Björn Blauensteiner, Katharina Lovecky, Matthias Müller, Johannes Stacher
Künstler*innen: Donna Huanca, Margot Pilz, Oliver Ressler, Toni Schmale, Heimo Zobernig
© Ouriel Morgensztern / Belvedere, Wien
Was bedeutet es, heute zu sammeln?
Rund 2.500 Werke sind in den vergangenen zehn Jahren durch Ankäufe, Schenkungen und Dauerleihgaben in die Sammlung des Belvedere aufgenommen worden – von mittelalterlichen Altartafeln bis hin zu zeitgenössischen Videoinstallationen. Doch jede Erwerbung ist mehr als eine Einzelentscheidung: Sie prägt die Sammlung von morgen.
Diese Sammlung ist über Jahrhunderte gewachsen. Ihre Wurzeln reichen bis in die kaiserliche Gemäldesammlung des 18. Jahrhunderts zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt sie mit der Gründung der Modernen Galerie im heutigen Belvedere entscheidende Impulse – nicht zuletzt durch Künstler wie Gustav Klimt und den Kreis der Wiener Secession, die sich für eine Sammlung zeitgenössischer österreichischer Kunst im internationalen Kontext einsetzten.
Als Bundesmuseum sammelt das Belvedere nicht für einen privaten Bestand, sondern im Auftrag der Öffentlichkeit. Jede Erwerbung ist deshalb auch eine Entscheidung darüber, welche Geschichten künftig erzählt werden sollen. Die Audiotour zeigt, welche Überlegungen hinter diesen Entscheidungen stehen, wie sich Sammlungen im Laufe der Zeit verändern und warum Museen heute bewusst danach fragen, welche Perspektiven bislang fehlen und künftig stärker vertreten sein sollen.
Viele Stimmen – ein Blick hinter die Kulissen
Neben Generaldirektorin Stella Rollig sowie Expert*innen der kuratorischen Abteilung, Restaurierung und Sammlungsverwaltung kommen auch Künstlerinnen der Ausstellung selbst zu Wort – darunter Donna Huanca, Margot Pilz, Oliver Ressler, Toni Schmale und Heimo Zobernig. Sie geben Einblicke in ihre Arbeitsweise und zeigen, welche Bedeutung eine Museumssammlung auch aus Sicht der Kunstschaffenden hat.
Museen sammeln nicht zufällig. Jeder Ankauf ist das Ergebnis intensiver Auseinandersetzungen, fachlicher Expertise und langfristiger Entscheidungen. Welche Werke ergänzen eine Sammlung? Welche künstlerischen Positionen sollen künftig stärker vertreten sein? Und wie verändert sich der Blick auf Kunst über die Jahrzehnte?
Dabei geht es nicht nur um kunsthistorische Fragen. Auch Restaurator*innen sind an Ankaufsentscheidungen beteiligt: Wie lässt sich ein Werk langfristig bewahren? Wie wird es transportiert, gelagert oder aufgebaut? Gerade bei zeitgenössischer Kunst spielen solche Überlegungen eine entscheidende Rolle.
Die Audiotour erweitert die Ausstellung um eine zusätzliche Ebene. Sie macht sichtbar, was Besucher*innen sonst meist verborgen bleibt: wie Museumsarbeit funktioniert, wie Sammlungen wachsen und welche Überlegungen hinter der Auswahl von Kunstwerken stehen.
Denn jede Sammlung erzählt nicht nur Kunstgeschichte – sie erzählt auch, welche Entscheidungen wir heute für die Zukunft treffen.
Wie funktioniert die Tour?
Die Audiotour ist kostenlos und über das eigene Smartphone abrufbar – im Museum oder von überall.
Sie kann begleitend zum Ausstellungsbesuch gehört werden, eignet sich aber ebenso zur Vorbereitung oder als Vertiefung im Anschluss. Da jede Station eine in sich geschlossene Geschichte erzählt, lässt sich die Tour auch ganz individuell entdecken.