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Energie tanken im Grünen

Laufen im Belvedere-Garten

Einblicke
Tipps
16.04.2026
1 Min. lesen

Wo Michaela Holzmann sich Erholung und Inspiration erläuft. Sie ist Produktdesignerin, Mitglied des Management-Board eines IT-Unternehmens und Joggerin.

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Michaela Holzmann

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Natascha Unkart, Studio Koekart

Es hat eine Zeit lang gedauert, bis der Belvedere-Garten mein Ruhepol mitten in der Stadt geworden ist. In Innsbruck geboren und aufgewachsen, bin ich zum Studium nach Wien gekommen, habe in einer ganz anderen Ecke der Stadt gewohnt und daher die Schlossanlage kaum wahrgenommen. Verschiedene Jobs haben mich dann nach Asien, in die USA und nach Deutschland geführt.

Schließlich kam ich wieder nach Wien, fand ein neues Zuhause im 3. Bezirk, und das Belvedere zog mich sofort an. Da ich gerne laufe, nutze ich den Park als ideale Trainingszone. Wenn ich wenig Zeit habe, geht’s beim Unteren Belvedere rein und nach einigen Runden wieder heim: für mich persönlich die perfekte Laufroute zum Auslüften, Runterkommen und Abschalten nach einem Bürotag. Für größere Strecken beginne ich im Botanischen Garten, durchquere den Schweizergarten, nehme ein Stück Sonnwendviertel mit und gebe mir als Finale die gesamte Länge des Belvedere. Höhepunkt und manchmal auch Verschnaufpause ist der Blick vom oberen Schloss auf die trotz einer gewissen Strenge wunderbar luftig-leichte barocke Gartenanlage, die Innenstadt und den Wienerwald – der berühmte Canalettoblick: unschlagbar, besonders im Frühling, wenn die Tage wieder länger werden und alles an Farbe gewinnt, inspirierend und beruhigend zugleich. Dann ist der Schlosspark eine Tankstelle im Grünen für Körper und Seele. 

In Wien und insbesondere auf der Anhöhe des Belvedere weht ja oft ordentlich der Wind. Aber wenn ich von der Menagerie beim Schlosscafé durch das obere Tor gehe – oder laufe – und dann gleich links zum Nebentrakt, wo eine Gedenktafel an den Aufenthalt des Komponisten Anton Bruckner erinnert, der hier die letzten Monate seines Lebens verbracht hat, dann bin ich in einer schützenden, windstillen Nische angekommen. 

Dort oder an der Stelle etwa, wo Canaletto die Stadt in den Blick genommen haben könnte, oder in einem der symmetrischen Gevierte beim Unteren Belvedere erfreuen mich die Perspektiven der Anlage, klar strukturiert und raffiniert zugleich. Gerade mich als Designerin erinnern sie daran, dass die scheinbar einfachen Dinge die größte Wirkung haben.

Habe ich ein Anliegen? Ich hoffe sehr, dass die Öffnungszeiten des Belvedere-Parks ausgeweitet werden, damit ich und alle anderen, die in der Nachbarschaft wohnen, und überhaupt alle Besucher*innen dieses belebende Refugium noch besser nutzen können.

 

 

 

Artikel erstmalig erschienen im "Belvedere Kunstmagazin" Nr. 1-2024.