Tiefblick in die Zukunft
Das Belvedere Salzburg in der Neuen Residenz
Es ist ein einzigartiges Vorhaben: Im Zuge der Generalsanierung der Neuen Residenz in Salzburg ergriff das Belvedere die Chance, zu expandieren und eine Dependance in einem Bundesland zu errichten – das Belvedere Salzburg. Gemeinsam mit dem Salzburg Museum, das dabei den Standort erweitert, setzt man so ein kulturelles Signal in der Mozartstadt.
Lena Mayr
David Payr
Filippo Bolognese Images
„Ein ungewöhnliches Kooperationsprojekt, auf das wir uns sehr freuen“, so Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig und Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museums, unisono. Vorfreude dürfen auch zukünftige Besucher*innen verspüren. Sie bekommen einen neuen Platz zum Verweilen im Belvedere-Hof – und eine raffiniert unterirdisch integrierte Kunsthalle. Diese folgt einem architektonischen Konzept, das mit einer speziellen Lichtführung zwischen verschiedenen Ebenen vermittelt.
Wie mit einem Ort wie diesem arbeiten? Was braucht es, damit ein Architekturprojekt, das auf Bestand aufbaut, zugleich neue Impulse gibt? Fragen wie diese hatte man sich bei Schenker Salvi Weber Architekten (Wien) und Eidos Architektur (Salzburg) gestellt, bevor die beiden Büros bei dem EU-weiten Wettbewerbsverfahren 2022 für das Museumsprojekt gemeinsam ein Konzept einreichten. Ihre Idee setzte sich durch. Nach intensiver Planung geht es seit Herbst 2023 daran, die Visionen umzusetzen, mitten in der Altstadt nimmt die Belvedere-Dependance nun Gestalt an. Ihr Herzstück: ein spektakulärer „Lichtbrunnen“, der vom ebenerdigen Hof zu der im Untergeschoss gelegenen Ausstellungsfläche Lichtstrahlen einfallen lassen wird. Dieses Bindeglied zwischen oben und unten ist das Leitmotiv des Entwurfs, eine Referenz auf die Brunnen Salzburgs. Bis vor Kurzem war der frei zugängliche zweite Innenhof der Neuen Residenz eine vernachlässigte Fläche, die als Parkplatz genutzt wurde, jetzt soll sie sich in ein begrüntes Areal für alle verwandeln.
Ein Schlüsselmoment für ihn sei ein Blick auf den Nolli-Plan gewesen, erzählt Michael Salvi, Mitbegründer von Schenker Salvi Weber Architekten. Er habe angesichts des berühmten Stadtplans Roms aus dem 18. Jahrhundert, auf dem öffentliche Räume eingezeichnet sind, verstanden, dass auch Salzburgs Innenhöfen und Durchhäusern Sozialraum eingeschrieben ist. Mit dem Umbau des Hofs im Gebäudeensemble in einen kontemplativen „Gartenraum“ wünscht Salvi sich eine neue „grüne Mitte“ für Salzburg: Ein Spaziergang durch diesen „hortus conclusus“ könne auch den Auftakt für einen Weg durch die Museen der Altstadt bilden. Schon in der Spätrenaissance gab es hier eine wunderschöne Gartenanlage, weiß Eidos-Geschäftsführer Clemens Standl. Sein Büro forscht zu historischer Architektur und brachte das kulturgeschichtliche Wissen in Salvis Neubau-Expertise ein. Die Bauhistorie am Ort ist eng mit Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau verwoben, der mit Baumeistern aus Italien einen der prunkvollsten Paläste des 17. Jahrhunderts schuf. „Wertschätzung für diese hochwertige Architektur“ ist Standl wichtig. Wenn die Architekten ihren Entwurf in den alten Bestand integrieren, werden sie freilich auf historische Elemente Bezug nehmen. Zum Beispiel mit einer neu interpretierten Sala terrena im Untergeschoss, einem fließenden Übergang zum mittigen Freiraum um den Lichtbrunnen. Als „Signature“-Element wird der Brunnen für Besucher*innen von überall zu sehen sein, wenn sie sich durch die Museumsräume im Untergeschoss bewegen .
„Ein ungewöhnliches Kooperationsprojekt, auf das wir uns sehr freuen“
Stella Rollig
Schon vom ebenerdigen Foyer kann man in die Tiefe des mehrgeschossigen Gebäudes schauen. Die Erschließung nach unten soll Dynamik bringen. „Man kommt von der alten in die neue Welt“, so Salvi: In den Bestand schreibt sich die künftige Architektur umso mehr ein, je tiefer es hinabgeht. Als Verbindung zum Salzburg Museum ist eine Treppenanlage geplant, die das Gewölbe unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Auflagen – derzeit finden archäologische Grabungen statt – freispielt: Sie wird sich kaskadenartig durch die bestehende Struktur winden. Das Mit-der-Vergangenheit-Weiterarbeiten ist auch ein Sich-aus-ihr-Entwickeln, meint Standl: „Wie die Kunst in ihm erzählt auch das Gebäude Geschichte, vom Frühbarock bis in die Gegenwart.“ Welche Kunst das Belvedere Salzburg beherbergen wird, ist eine andere Geschichte.
Artikel erstmalig erschienen im "Belvedere Kunstmagazin" Nr. 1-2024.