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Über Menschliches

Das CIVA Festival: Kunst, Technologie und eine vernetzte Welt

Perspektiven
16.04.2026
3 Min. lesen

Das Medienkunstfestival Civa – Contemporary Immersive Visual Art wurde 2021 von der Kuratorin Eva Fischer gegründet, die sich bereits mit dem hippen audiovisuellen Festival sound:frame einen Namen gemacht hatte. Ein Gespräch über das Menschsein, das Mehr-als-Menschsein und was eine vernetzte Welt damit zu tun hat.

Interview

Stefan Niederwieser
Eva Fischer
Djamila Grandits

Photos

eSeL.at
Johannes Stoll

Stefan Niederwieser

Civa beschäftigt sich kritisch mit Konstruktionen von Intelligenz. Warum meidet ihr den Begriff künstliche Intelligenz?

Djamila Grandits 

Künstliche Intelligenz wird im Alltag auf Tools wie ChatGPT verkürzt. Wir wollen den Rahmen weiter fassen und uns ansehen, welche Idee von Intelligenz dahintersteckt. Das führt schnell zu der Frage, was überhaupt Intelligenz und in Ableitung davon Wissen ist. Seit langer Zeit wird dabei hierarchisiert, das heißt, es wird zwischen Wissenswertem und Nicht-Wissenswertem, zwischen Disziplinen und Skills unterschieden. Man kann Intelligenz und Wissen auch ganz anders betrachten – als etwas, das in Symbiose entsteht, in Netzwerken oder Organismen gespeichert ist.

Eva Fischer 

Philosophisch-naturwissenschaftliche Theorien zeigen, dass Wissen über uns Menschen hinausgeht. Die Gaia-Hypothese beispielsweise betrachtet den Planeten Erde als einen einzigen Organismus. Alles hängt mit allem zusammen. Das bricht mit der anthropozentrischen Sicht, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und davon ausgeht, dass nur er fähig sei, Intelligenz hervorzubringen. Bei Civa wollen wir uns symbiotische Netzwerke ansehen und wie sich Künstler*innen damit auseinandersetzen. In den letzten Jahren ist sehr viel künstlerische Forschung dazu passiert.

Stefan Niederwieser

Wie etwa von Kunstpreis-Trägerin Claudia Larcher. Ihr Kurzfilm war Anfang Oktober 2024 beim Opening von Civa zu sehen.

Eva Fischer 

Claudia Larcher versucht in einer sich weiterentwickelnden Arbeit, ikonische Bilder aus der Kunstgeschichte mit KI zu verändern. Männlich gelesene Gesichter sollten durch weiblich und divers gelesene ersetzt werden. Spannend ist dabei, wie schwierig sich der Prozess dahinter gestaltet. Die KI fügt etwa Bilder von Handtaschen oder Babys hinzu, sobald es um eine weibliche Konnotation geht. Sie musste also vorher mit Daten trainiert worden sein, die gesellschaftliche Vorurteile reproduzierten. Wie kommt es zu diesen Vorurteilen in den Daten? Und wer speichert Wissen? In diesem Kurzfilm steckt jahrelange Forschung.

 

Stefan Niederwieser

Ihr wollt kollektive Räume schaffen. Wie verhindert ihr, dass Safe Spaces zu in sich geschlossenen Filterblasen werden?

Djamila Grandits 

Ich glaube, dass Social Media so programmiert sind, dass keine offen strukturierten Räume möglich sind. Aber alle Räume – online und abseits des Keyboards – müssen ausverhandelt, kritisch hinterfragt und verteidigt werden. Neben den üblichen Diskursformaten veranstaltet Civa Tours und Social Sessions, darüber hinaus gibt es einen Austausch über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in der (Medien-)Kunstszene. Civa wird selbst zum kollektiven Raum und bietet im besten Fall Community.

Stefan Niederwieser

Ihr sprecht von „klebrigen Netzwerken“. Was ist das?

Djamila Grandits 

Netzwerke sind weder steril noch glatt, auch wenn sie oft so dargestellt werden. Wir sind miteinander verstrickt, können uns verheddern und Dinge weiterspinnen. Menschliche, organische und künstliche Strukturen sind auch hier nicht klar voneinander zu trennen. In der Natur kommunizieren Bäume, Pflanzen oder Pilze über ihre Wurzeln und Myzelien miteinander. Diese Kommunikation muss nicht sichtbar sein. Aber sie passiert.

Stefan Niederwieser

Wie blickt Civa in die Zukunft?

Eva Fischer 

Technologie allein wird uns weder retten noch auslöschen. Wir sind stattdessen auf der Suche nach Wegen, künstliche Intelligenz offener zu verstehen – dabei im Austausch zu bleiben und in Aktion zu kommen. KI ist ja nichts, das wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen baumelt, sondern etwas, das wir selbst programmieren, selbst steuern oder spielerisch entdecken können.

 


 

 

Das jährliche Civa Festival beleuchtet das Zusammenspiel aktueller Technologien, Realitäten und Erfahrungen in digitalen, physischen und hybriden Räumen. Im Rahmen des Festivals finden eine Ausstellung im Belvedere 21 sowie ein vielfältiges Programm mit diskursiven Formaten, Filmvorführungen und Live-Performances statt.

 

 

Artikel erstmalig erschienen im "Belvedere Kunstmagazin" Nr. 2-2024 anlässlich des CIVA Medienkunstfestival 2024.

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