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Kids of the Diaspora

Mode, Repräsentation und Identität im “Dazwischen”

Perspektiven
16.04.2026
2 Min. lesen

 

Für die Gründerinnen des Wiener Modelabels Kids of the Diaspora geht es in ihrer Arbeit vor allem um eines: Sichtbarkeit für Menschen zu schaffen, die sich nach Zugehörigkeit sehnen. Wie die Schwestern Leni Charles und Cherrie O. mit ihrer Kleidung den Raum der Diaspora neu definieren.

 

 

Interview

Leni Charles
Cherrie O.
Nada Chekh

Photos

Eric Asamoah

Leni Charles und Cherrie O. im Gespräch mit Nada Chekh

© Eric Asamoah

Leni Charles und Cherrie O. im Gespräch mit Nada Chekh

 

Leni Charles ist Künstlerin und Designerin sowie Co-Gründerin von Kids of the Diaspora.

Cherrellone (auch Cherrie O.) ist Co-Gründerin von Kids of the Diaspora, Musikerin und professionelle Castingdirektorin.

 

 

Wie kam es zur Gründung eures Labels Kids of the Diaspora?

Leni Charles 

Um 2016 herum bot sich mir die Chance, für einen T-Shirt-Contest eine signature line herauszubringen. Ich wollte ein T-Shirt kreieren, mit dem sich jede*r, die*der es trägt, identifizieren kann: So war Kids of the Diaspora geboren. Das Shirt hat den Contest zwar nicht gewonnen, aber darum ging es mir ja von vornherein gar nicht. Der Contest lieferte eine Art Aktivierungsenergie. Das Shirt hat in der Community viel Zuspruch und Nachfrage bekommen. Mit der Zeit kamen auch Möglichkeiten, das Projekt größer werden zu lassen – dann stieg meine Schwester Cherrie ein, und gemeinsam haben wir seither die Marke aufgebaut, und die Community ist gewachsen.

 

Was ist der Spirit von Kids of the Diaspora, und an wen richtet sich das Label?

Cherrie O.

Das Label ist für jede*n, die*der sich damit identifizieren kann – es muss nicht die Hautfarbe sein, die dich zum Kid of the Diaspora macht. Es kann auch eine gesellschaftliche Ausgrenzung während des Aufwachsens gewesen sein. Oder man trägt die Mode aus Solidarität. Die Marke half mir dabei, wichtige Zusammenhänge zu verstehen, die mich von klein auf stark geprägt haben. Ich wusste schon als Kind, was Rassismus ist und wie er sich anfühlt, aber erst als Erwachsene verstand ich, inwiefern sich Rassismuserfahrungen auf alle Lebensbereiche auswirken – das Wohlbefinden, die Gesundheit und wie man auf Diskriminierung reagiert –, weil alles miteinander verbunden ist, so wie wir alle auch. Wir bezeichnen uns deshalb als Awareness-Brand, die sich für Inklusivität und Repräsentation einsetzt.

Leni Charles

Für mich reicht das Kid-of-the-Diaspora-Gefühl weit in die Kindheit zurück. Den Labelnamen tragen wir auf den T-Shirts links, also nah am Herzen. Für jedes Diaspora-Kid verläuft die Kindheit ein wenig anders, aber unabhängig von den jeweiligen Wurzeln kann man sich auf einer emotionalen Ebene miteinander identifizieren. Man teilt die gemeinsame Erfahrung, einfach als anders gesehen zu werden, und das über Landesgrenzen hinweg. Ebenso das Gefühl, nirgendwo zu 100 Prozent als zugehörig gesehen zu werden. Diesen Raum im „Dazwischen“ wollen wir für uns als Heimat begreifen und auf diese Art unsere Community empowern.

 

Apropos Community: Ihr macht auch regelmäßig Community-Events, die sogenannten Inner Garden Partys. Was kann man sich darunter vorstellen?

Leni Charles

Das ist eine Veranstaltungsreihe, die wir schon in Städten wie Wien, Berlin, London und Stockholm gemacht haben, zu der absolut jede*r kommen kann. Gemeinsam machen wir eine Imaginationsreise, deren Ziel ist, alle Zuschreibungen abzulegen, die eine*n im Inneren definieren, und so zum eigenen „inneren Garten“ zu gelangen. Im Anschluss daran gibt es eine Paint Party, bei der alle ihren Garten abbilden …

Cherrie O.

Genau, erst führen wir in den „inneren Garten“, dann wird dieser bei der Paint Party gemalt, und wir helfen dabei, das eigene Bild zu lesen und Stärke daraus zu ziehen. Dabei machen wir auch nebenbei wichtige Antirassismusarbeit. 

 

 

 

Artikel erstmalig erschienen im "Belvedere Kunstmagazin" Nr. 2-2024 anlässlich der Herausgabe des Limited Edition "PROPER LOVE Shirt for AMOAKO BOAFO".